Wird aus Karstadt eine Tyrol-Kette? Benkos erstes Großprojekt unter der Lupe

Wird aus Karstadt eine Tyrol-Kette? Benkos erstes Großprojekt unter der Lupe

Benkos erstes Großprojekt war das Tyrol in der Innsbrucker Innenstadt. Mit 27 Jahren krempelte er das veraltete Kaufhaus zum Konsumtempel um. Der neue Karstadt-Investor Rene Benko könnte die angeschlagene deutsche Warenhauskette nach diesem Vorbild umgestalten.

Der größte Streitpunkt war die Fassade. Das erste Konzept von Rene Benko für die Neugestaltung des veralteten Kaufhauses Tyrol in Innsbruck stieß auf heftige Kritik in der Bevölkerung - die Außenwände erinnerten an einen Schweizer Käse, so der Vorwurf. Doch der damals 27-Jährige ließ sich nicht beirren. Mit Hilfe von Investoren und eines Stararchitekten wandelte der heutige Karstadt-Eigentümer das Tyrol in ein modernes Shopping-Center um. 2010 öffnete das Luxus-Kaufhaus. Nun könnte das Projekt als Vorbild für den Wandel bei Karstadt dienen.

"Es gab mehrere Eigentümer des alten Tyrol, die sich nicht über die weitere Nutzung einigen konnten", erzählt der Leiter des Innsbrucker Stadtmarketings, Bernhard Vettorazzi, der das Projekt seit Beginn im Jahr 2004 verfolgt hat. Das Tyrol - 1908 eröffnet, im Zweiten Weltkrieg zerstört und bis 1954 wieder aufgebaut - sei zum Schluss schon nicht mehr ganz modern gewesen, erzählt er. Zuletzt habe es jahrelang leer gestanden.

Schulabbrecher Benko empörte Innsbrucker Händler

Benko hatte damals kaum Erfahrung mit vergleichbaren Projekten. Mit 17 Jahren verließ er das Wirtschaftsgymnasium ohne Matura, anschließend baute er in seiner Heimatstadt Innsbruck Dachgeschoße aus. Mit Hilfe von Investoren sei es dem heutigen Manager jedoch gelungen, das notwendige Geld aufzutreiben, die Eigentümer zufriedenzustellen und sein Konzept umzusetzen, sagt Vettorazzi. Dabei sei er allerdings auf viel Skepsis gestoßen - vor allem bei den Einzelhändlern in der Innsbrucker Innenstadt.

Entgegen der Befürchtungen hätten die Leerflächen in der Stadt jedoch nicht zugenommen, sagt Vettorazzi. Sorgen, dass der neue Shopping-Riese Einzelhändler im Umfeld verdränge, hätten sich auch nicht bestätigt. Schließlich ließ Benko das Tyrol von Stararchitekt David Chipperfield zu einem Konsumtempel mit 55 Shops umbauen. 155 Millionen Euro habe das Projekt gekostet, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

"Das Tyrol ist heute ein Standortgewinn für Innsbruck", sagt Vettorazzi. Nach Angaben des Center-Managements verzeichnet das Haus mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 33.000 Quadratmetern im Durchschnitt 20.000 Besucher pro Tag. Angaben zum Umsatz macht die Geschäftsführung nicht. Die Maria-Theresien-Straße, an der das Kaufhaus liegt, ist zu einer der am häufigsten frequentierten Einkaufsstraße Österreichs geworden. "Das ist auch ein Verdienst des Kaufhauses Tyrol", sagt Stadtmarketing-Leiter Vettorazzi.

Karstadt-Wandel mit Tyrol-Elementen

Doch was bedeutet das alles für Karstadt? Der neue Vorstandsvorsitzende Stephan Fanderl hatte zuletzt angekündigt, bei den defizitären Warenhäusern bis Mitte 2015 die Wende schaffen zu wollen. "Es ist plausibel, dass Karstadt-Häuser zumindest teilweise in Shopping-Center umgewandelt werden", sagt der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Die Attraktivität von Shopping-Centern spräche dafür." Sie seien professioneller als Kaufhäuser und würden in guten Lagen besser funktionieren.

In einigen Karstadt-Filialen könnten demnach spezialisierte Händler einige Produkte übernehmen. "Andere Warengruppen, bei denen es keine großen Ketten gibt, wie zum Beispiel Reisebedarf und Koffer, könnte das Warenhaus weiter selbst anbieten", sagt Roeb. Als Vorbild für sämtliche Häuser der Warenhauskette sei das Tyrol allerdings nur schwer denkbar, sagt er. Der Umbau des Innsbrucker Hauses habe bereits eine dreistellige Millionensumme gekostet - in Deutschland gibt es rund 80 Karstadt-Filialen. "Shopping-Center sind teuer", sagt Roeb. Sie bräuchten mehr Platz als klassische Kaufhäuser, in denen jede verfügbare Fläche zum Verkauf genutzt werde. "Am plausibelsten wäre ein Mischkonzept."

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