Trübe Aussichten: Im Euroraum bleibt das Wirtschaftswachstum schwach

Trübe Aussichten: Im Euroraum bleibt das Wirtschaftswachstum schwach
Trübe Aussichten: Im Euroraum bleibt das Wirtschaftswachstum schwach

Die Unsicherheit im Euroraum hemmt die Investitionen.

In den USA geht es aufwärts, im Euro-Raum bleibt das Wachstum aber gedämpft. Es wird zu wenig investiert und es mangelt an wirtschaftspolitischen Koordinationsmechanismen, stellt das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in seiner mittelfristigen Prognose für die Weltwirtschaft bis 2020 fest. Mittelfristig gehen die Wirtschaftsforscher in der Euro-Zone von einem Wachstum von nur 1,4 Prozent aus.

In den USA stehen die Zeichen auf Aufschwung, im Euro-Raum bleibt das Wirtschaftswachstum aber weiterhin schwach. Zu dieser Erkenntnis kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in seiner neuen mittelfristigen Prognose für die Weltwirtschaft bis 2020.

Im Euro-Raum fehlt es demnach an wirtschaftspolitischen Instrumenten, um die im Gefolge der Rezession entstandene Krise und die Divergenz der Mitgliedsländer nachhaltig zu lösen. Das Wifo kritisiert "grundlegende Konstruktionsfehler der Währungsunion", die weiterhin bestehen bleiben. Insbesondere der Mangel an Ausgleichs- bzw. Stabilisierungsmechanismen in der Lohn- und Fiskalpolitik wird kritisch gesehen. "Daher ist die Unsicherheit weiterhin hoch und die Investitionsdynamik schwach", urteilt das Wifo und beziffert das mittelfristige Wirtschaftswachstum für den Euro-Raum mittelfristig mit 1,4 Prozent jährlich.

Schwächelnde Schwellenländer

Ein weiterer negativer Impuls für den Euro-Raum geht von den Schwellenländern aus. In China schwächte sich die Expansion der Sachgütererzeugung heuer empfindlich ab. Das Wifo sieht darin eine direkte Verbindung mit den Entwicklungen seit 2007: Die Exportzuwächse, die aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise eingebrochen waren, wurden durch massive staatliche Investitionsprogramme ersetzt.

Diese Überproduktion wurde nun korrigiert, mit entsprechend dämpfenden Effekten auf den Welthandel und die Rohstoffpreise. Generell geht man zwar davon aus, dass die aktuelle Konjunkturflaute rasch überwunden sein wird, weil der Dienstleistungssektor in China mittlerweile eine wichtige Rolle spielt und die Behörden noch einigen Interventionsspielraum haben. Die Trendwachstumsraten sind aber im Prognosezeitraum mit einem Plus von sechs Prozent jährlich geringer als in der Vergangenheit.

Der Verfall der Rohstoffpreise belastet darüber hinaus die rohstoffexportierenden Länder, insbesondere Russland und Brasilien. Die Investitionsversäumnisse während der Rohstoffpreishausse werden nun bestraft. Für Russland und Brasilien werden die mittelfristigen Wachstumschancen daher nur mit plus 1,7 Prozent, respektive plus 1,3 Prozent jährlich beziffert. Indien profitiert als großer Rohstoffimporteur hingegen vom Verfall der Rohstoffpreise. Sofern die anstehende Zinswende in den USA nicht neuerliche Finanzmarktturbulenzen nach sich zieht, wird das Wachstum in Indien mittelfristig auf plus 7,2 Prozent jährlich geschätzt.

Europa gegen USA: Nicht nur die Wirtschaft, auch die EU-Währung hinkt hinterher.

Positive Entwicklung in den USA

In den USA sind die Wachstumsperspektiven hingegen weltweit am besten. Vor allem wenn man die bereits sehr hohen Pro-Kopf-Einkommen in Betracht zieht sind jährliche Wachstumsraten von 2,5 Prozent beachtlich.

Das Rezept der USA: Die Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise - Schuldenüberhang im privaten Sektor, hohe Arbeitslosigkeit, geringe Kreditvergabe - wurden durch eine geschickt kombinierte Geld- und Fiskalpolitik überwunden. In den kommenden Jahren bleibt die Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten expansiv ausgerichtet, jedoch werden die Zinssätze entsprechend der soliden Wirtschaftslage schrittweise angehoben.

Abermals wird hat es der Euro-Raum schwerer: Hier schränken Verschärfungen der Finanzmarkt-Bestimmungen den Spielraum der Staaten weiter ein. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB bleibt aufgrund des schwachen Wachstums und der niedrigen Inflationsraten vorläufig locker. Die realwirtschaftliche Wirkung der EZB-Bemühungen ist aber, abgesehen von der Schwächung des Euro (aktueller Wechselkurs EUR/USD), gering, da sie nicht durch fiskalische Impulse ergänzt wird.

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