World Economic Forum 2015: Manager- und Politikertreff im Zeichen globaler Krisen

World Economic Forum 2015: Manager- und Politikertreff im Zeichen globaler Krisen
World Economic Forum 2015: Manager- und Politikertreff im Zeichen globaler Krisen

Eine Welt des Wandels in Davos? Der technologische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, die Frauenquote unter Führungskräften ist noch immer gering.

Rund 2500 Teilnehmer bedeuten einen neuen Rekord für das World Economic Forum in Davos. Diskussionsstoff gibt es anlässlich wirtschaftlicher und geopolitischer Krisen genug am wichtigen Manager- und Politikertreff. Aus Österreich reist unter anderem Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner an. Zur Sicherheit schickt Österreich auch 15 Eurofighter.

"Der neue globale Kontext" – das ist das Motto des World Economic Forum 2015, das von 21. Bis 24. Jänner im schweizerischen Davos stattfindet. Die Teilnehmerzahl hat mit 2500 Personen einen neuen Rekordwert erreicht; darunter befinden sich 1500 Top-CEOs aus der Wirtschaft und 300 Politiker aus aller Welt – aus Österreich reist Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) an. Die Zusammensetzung des hochkarätigen Publikums haben die Organisatoren heuer in einer anschaulichen Infografik zusammengefasst - aus dieser geht auch hervor, dass der Frauenanteil bei bescheidenen 17 Prozent liegt.

Diskussionsstoff wird es für die Teilnehmer heuer mehr als genug geben – das diesjährige Meeting steht unter anderem im Kontext der Anschläge in Paris, des Kampfes gegen Jihadisten im Irak und Syrien und der Krise in der Ukraine. "Terrorismus und Geopolitik werden wahrscheinlich ihre Schatten über das diesjährige Forum werfen", sagte im Vorfeld der Wirtschaftschef der Unternehmensberatung IHS, Nahriman Behravesh: "Beide Komplexe gefährden die Stabilität in Europa, im Nahen Osten und in Afrika", ergänzte der Davos-Veteran. Die Führer von heute seien konfrontiert mit Problemen von einer noch nie dagewesenen Komplexität, Geschwindigkeit und Vernetzung, hatte Anfang Jänner der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, analysiert. Die Welt stehe an einer Weggabelung - der eine Weg führe zu Zerfall, Hass und Fundamentalismus, der andere zur Solidarität.

Doch auch wirtschaftliche Fragen werden debattiert, unter anderem angeheizt von der erwarteten Richtungsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Schwerpunkte sind außerdem der Klimawandel, technische Revolutionen, die Entwicklungen in Schwellenländern, das Wachstum Chinas oder auch die Stabilität der Finanzmärkte. In seiner Eröffnungsrede bat Schwab die Teilnehmer außerdem, neben dem Herz auch das Hirn und die Seele zu verwenden: Denn gemeinsam könne man auch die sozialen Probleme dieser Welt lösen, betont Schwab.

Allerdings geht es beim WEF gar nicht darum, Entscheidungen zu treffen, sondern viel mehr um den Austausch unter Führungskräften auf Augenhöhe – darüber sind sich die meisten Teilnehmer einig. "Das WEF hat sich über die letzten Jahre etabliert als Ort von informellen Treffen. Politiker, Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen und der Wirtschaft können sich austauschen ohne den Zwang, zu einem Ergebnis kommen zu müssen", sagt etwa Laurent Goetschel, Professor an der Universität Basel und Direktor der Friedensstiftung Swisspeace: "Zudem treffen sich dort auch Menschen, die sonst kaum miteinander reden würden."

Dementsprechend ist das Treffen nicht frei von Kritik: "An sich ist das WEF bloß ein weiteres langweiliges Managertreffen", sagt etwa Oliver Classen von der Schweizer Entwicklungs-Plattform "Erklärung von Bern" (EvB). Das eigentliche Problem am WEF sei aber, dass „sich demokratisch legitimierte Politiker in Davos auf Augenhöhe mit Wirtschaftsführern begeben, die nur ihren Aktionären Rechenschaft geben." Viele der Probleme, die am WEF diskutiert würden, seien durch das Diktat der Wirtschaft in der Politik überhaupt erst entstanden. "Das WEF wäre heute gern Teil der Lösung, bleibt aber Teil des Problems", so Classen.

Buntes und prominentes Publikum

Das Publikum des WEF 2015 ist so bunt wie prominent: Aus Europa reisen neben Mitterlehner auch Spitzenpolitiker wie Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und der belgische Ministerpräsident Charles Michel an; der irakische Regierungschef Haider al-Abadi und Kurdenpräsident Massud Barsani dürften über den Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) berichten. Gespräche mit dem iranischen Außenminister Mohammad Jawad Zarif werden vermutlich vor allem um die Atomverhandlungen mit seinem Land kreisen. Und für den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko geht es ebenso um die Kämpfe im Osten seines Landes wie für den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Für Fachdiskussionen stehen in Davos unter anderem die Chefs der Notenbanken von Japan, Brasilien, und Großbritannien zur Verfügung. Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, reist an. Aus der Privatwirtschaft sind in Davos unter anderem der Gründer des chinesischen Onlinehändlers Alibaba, Jack Ma, General-Motors-Chefin Mary Barra und Yahoo-Chefin Marissa Mayer dabei.

Eurofighter über Davos

Dementsprechend groß sind die Sicherheitsvorkehrungen in Davos. Als größte Gefahr gelten "jihadistisch motivierte Einzeltäter", Nachahmer und Trittbrettfahrer. "Wir haben innerhalb des Sicherheitsdispositivs einzelne Maßnahmen getroffen, die den Schutzgrad verstärken", sagt Walter Schlegel, Kommandant der Bündner Kantonspolizei und Gesamtverantwortlicher für die Sicherheit am WEF.

Mehr oder weniger gleicht der höchstgelegene Ort Europas für ein paar Tage einer Festung: Die zwei Zufahrtswege durch das Prättigau und das Landwassertal werden kontrolliert, vier Sicherheitszonen im Ort können nur mit Bewilligung betreten werden und auch Hotels sind gesichert. Im Einsatz sind insgesamt 4500 Armeeangehörige. Die wichtigste Aufgabe der Armee am WEF ist die Wahrung der Lufthoheit und der Luftpolizeidienst zur Gewährleistung der Sicherheit im Luftraum, der Luftraum ist 48 Kilometer rund um Davos eingeschränkt.

Wie bereits in den Vorjahren werden auch Eurofighter des österreichischen Bundesheeres zur Sicherung des Luftraums eingesetzt. Alle 15 Eurofighter, die in Zeltweg in der Steiermark stationiert sind, hätten 2013 ein Upgrade-Programm durchlaufen, hieß es am Montag in einer Aussendung der "Eurofighter Jagdflugzeug GmbH". "Dabei wurden sie mit einer leistungsgesteigerten Hardware und Software ausgerüstet, sodass sie dem neuesten Fähigkeitsstandard für Tranche 1-Flugzeuge entsprechen".

Die WEF-Sicherheitskosten dürften sich laut Schlegel im Rahmen der vergangenen Jahre bewegen und innerhalb des Kostendachs von acht Millionen Franken (7,90 Mio. Euro) bleiben. Die Kosten erreichten im Jahr 2003 mit 13,7 Millionen Franken den bisherigen Höhepunkt.

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