Milliarden-Beute für BMW, Daimler und Audi

Milliarden-Beute für BMW, Daimler und Audi
Milliarden-Beute für BMW, Daimler und Audi

Gemeinsam gegen den großen Feind: Daimler, Audi und BMW kaufen "Here".

Daimler, Audi und BMW übernehmen Nokias Kartendienst "Here" zu gleichen Teilen für insgesamt 2,8 Milliarden Euro. Damit wollen sie sich gegen die neue Konkurrenz wappnen und wittern gleichzeitig das große Geschäft in einem wachsenden Markt. Und die Basis für die große Zukunftsvision - das selbstfahrende Automobil.

Das Wettbewerbsfeld im Automobilmarkt verändert sich: Google, Apple und das chinesische IT-Unternehmen Baidu fordern Autohersteller zunehmend heraus; Digitalisierung und Elektromobilität stellen bestehende Geschäftsmodelle zunehmend in Frage, sagte Martin Winterkorn, CEO von Volkswagen, zuletzt in einer Rede.

Der jüngste Schritt der deutschen Autobauer ist daher eine logische Handlung, um auf die Bedrohung durch die neuen Konkurrenten zu reagieren: Daimler, Audi und BMW kaufen für 2,8 Milliarden Euro zu gleichen Teilen den Kartendienst HERE von Nokia – ein Angebot, das schon heute in ihre Fahrzeuge integriert ist: In Europa und Nordamerika laufen 80 Prozent der Fahrzeuge mit integrierten Navis auf dem System der Finnen.

Laut BMW-Chef Harald Krüger wird HERE eine "Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität" spielen; Daimler-Chef Dieter Zetsche bezeichnet hochpräzise digitale Karten als einen entscheidenden Baustein für die Mobilität der Zukunft. HERE misst den Standort eines Autos mit einer Genauigkeit von zehn Zentimetern – was die Autos somit der Zukunftsvision näher bringt, künftig autonom zu fahren.

Nach Angaben von Nokias HERE-Abteilung arbeitet man derzeit mit zehn unterschiedlichen Autoherstellern an Lösungen für selbstfahrende Fahrzeuge; die In-Car-Karte kann sich schon heute mit dem Smartphone verbinden, um das Nutzungsverhalten des Fahrers zu analysieren und entsprechend Vorschläge zu machen – etwa, dass er sich auf dem Arbeitsweg noch einen Coffee-to-Go schnappt.

Lizensierung als das große Geschäft der Zukunft

„Die Entscheidung zeigt, dass die Autobauer sich großes Wachstum in den Bereichen autonome Fahrzeuge und Konnektivität erhoffen“, sagt Frank Biller, ein Analyst bei LBBW in Stuttgart: „Sie haben in der Vergangenheit bereits mit HERE kooperiert und kennen daher die Qualität des Dienstes.“ Zugleich haben die Deutschen nach dem Deal die Möglichkeit, die Technologie an andere Autobauer zu lizensieren – was sich lohnen sollte: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens McKinsey & Co wird der Markt für Automobil-Konnektivität bis zum Jahr 2020 auf das Sechsfache seiner aktuellen Größe, also 180 Milliarden Euro, wachsen.

Lizensierung ist für HERE jetzt schon ein großes Geschäft; der Umsatz der Nokia-Sparte stieg im ersten Halbjahr 2015 um ein Viertel auf 502 Millionen Euro, der Gewinn lag bei knapp 25,5 Millionen Euro. Ende Juni hatte HERE rund 6450 Mitarbeiter.

Fehlinvestment für Nokia?

Die 2,8 Milliarden Euro sollen noch um Verbindlichkeiten reduziert werden, so dass die Finnen am Ende 2,5 Milliarden Euro bekommen; das ist auf den ersten Blick ein schlechter Deal für Nokia, welche 8,1 Milliarden Euro allein für Navteq Corp bezahlt haben, das später zu HERE Maps wurde, und über die Jahre hinweg stetig in das Wachstum der Sparte investiert haben.

Dennoch ist der Verkauf auch für Nokia ein logischer Schritt: Der einst unumstrittene Platzhirsch am Handymarkt verschlankt sich weiter und will sich nun auf das Geschäft mit Netzwerktechnologie fokussieren – unter anderem, indem der französische Mitbewerber Alcatel-Lucent gekauft wird.

Das eigene Handygeschäft hatte Nokia an Microsoft verkauft; und es verhagelte den Software-Experten zuletzt das Ergebnis. Jüngst verkündeten die Finnen jedoch, wieder eigene Smartphones bauen zu wollen – unter dem eigenen Namen ist dies aus rechtlichen Gründen aber frühestens im vierten Quartal 2016 möglich. Man darf gespannt sein, welchen Kartendienst die Finnen dann in ihre Geräte integrieren.

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