VW: Die sechs Top-Anwärter auf den Chefsessel

VW: Die sechs Top-Anwärter auf den Chefsessel

Noch hat Martin Winterkorn das Kommando bei VW, aber die Kandidaten für seine Nachfolge werden schon gehandelt.

Noch bevor der VW-Patriarch Ferdinand Piëch konkretisiert hat, warum er "auf Distanz" zum Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn gegangen ist, gibt es bereits Spekulationen zu seinem Nachfolger. Sechs Kandidaten werden bereits als Thronfolger gehandelt.

Kaum eine Woche ist es her, als der Aufsichtsratschef des VW-Konzern Ferdinand Piëch mit einer nicht näher erläuterten Aussage zwischen den Zeilen angekündigt hat, dass die Tage des VW-Vorstandschefs Martin Winterkorn wohl gezählt sein dürfen. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", erklärte Piëch im Interview mit dem deutschen Nachrichten-Magazin "Spiegel" am vergangenen Wochenende.

Warum und weshalb Piëch auf Distanz zu Winterkorn ging und er ihn in aller Öffentlichkeit brüskiert hat, bleibt das Rätsel des VW-Patriarchen. Noch. Kenner glauben, dass dies ein Detail eines größeren Plans sei, der gerade seine Umsetzung erfährt. Ungeachtet aller anderen Aufsichtsräte, die sich demonstrativ auf die Seite von Winterkorn stellten, könnte bereits vor der Hauptversammlung am 5 Mai eine Chefablöse angekündigt werden. Die Aufsichtsräte treffen sich tags zuvor zum ersten Mal, wenngleich hinter den Kulissen bereits die Drähte glühen. Spätestens beim Aktionärstreffen muss der Aufsichtsrat die Karten auf den Tisch legen.

Für Winterkorn schlägt die Stunde bereits am 29 April. Dann gibt VW seine Quartalszahlen bekannt. Und das könnte noch ein zusätzliches Argument für Piëch liefern, Winterkorn das Vertrauen zu entziehen. Und für den designierten Nachfolger Piëchs als Aufsichtsratschef bereits das Ende der VW-Karriere bedeuten. Der Machtkampf ist nach der Aussage Piëch zwar ausgebrochen und wird auch in der Eigentümerfamilie Porsche einmal mehr für Unruhe sorgen. Wolfgang Porsche hatte auf den Piëch-Sager gkontert und von einer Privatmeinung gesprochen. Aber viele Experten glauben, dass es am Schluss nur einen Sieger gibt. Und der heißt Ferdinand Piëch.

Die Kernmarke VW hat derzeit Probleme beim Absatz, wenngleich in Europa die Zahlen stimmen und Zuwächse geliefert werden, stottert der Absatzmotor vor allem im zweitgrößten Automarkt USA. Auch am weltweit größten Markt in China sowie in Brasilien und Russland hat VW seine Probleme. Auf dem Weg bis 2018 Toyota von der Weltspitze zu verdrängen, braucht der VW-Konzern vor allem Zuwächse seiner Kernmarke, wenngleich die anderen elf Marken sehr gute Zuwächse verzeichnen.

Die Strategie als Schlachtplan

Warum Piëch bewusst eine Führungskrise angezettelt hat, braucht nur in seiner Biografie blättern. Setzt sich Piëch einmal etwas in den Kopf, dann verfolgt er sein Ziel mit einem einem fast fanatischen Eifer bis zum Schluss. "Wenn ich etwas erreichen will, gehe ich auf das Problem zu und ziehe es durch, ohne zu merken, was um mich herum stattfindet", schreibt Piech in seinem Buch. Seine Umgebung möge den Zustand "nicht so richtig gemütlich finden. Es steckt aber nichts anderes dahinter als völlige Konzentration auf das eine Wesentliche."

Der 77 Jahre alte Salzburger beschreibt seine Vorgangsweise wie einen Schlachtplan: eine Aufsichtsratssitzung, bei der er etwas durchbringen will. Was dann folgt, ist die Umschreibung für einen kompromisslosen Tunnelblick auf einen Gegner oder ein Problem, den Piech erst weitet, wenn die Situation gelöst ist.

Die 6 Top- Kandidaten

Die Kandidaten: Audi-CEO Rupert Stadler, Skoda-Chef Winfried Vahland, VW-Nutzfahrzeuge-Chef Andreas Renschler (1. Reihe, v. li.n.re.); Porsche-CEO Matthias Müller, VW-Markenchef Herbert Diess und VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch (2. Reihe, v.li.n.re.)

Hinter den Kulissen wird bereits mit spekuliert, wer die Nachfolge von Winterkorn im Sinne des VW-Patriarchen antreten könnte. Top-Kandidat ist der derzeitige Audi-Chef Rupert Stadler (i. Bi. 1. Reihe, li.) . Der 52-Jährige kann auf eine geradlinige Karriere zurückblicken und hat das Erbe von Piëch als Audi-CEO fortgeführt. Er hatte 2007 bereits die Nachfolge von Winterkorn als CEO bei Audi angetreten, als dieser VW-Chef wurde. Allerdings: Stadler ist kein Techniker, sondern Betriebswirt. Und Piëch soll angeblich in erster Linie Techniker in die Führungsspitze hieven.

Auch dem Skoda-Chef Winfried Vahland (58) (1. Reihe, 2. v. li.) werden Chancen auf den Chefsessel eingeräumt. Er hat in der vergangenen Dekade die Skoda zu einer Erfolgsstory geführt. Vor allem in China war Vahland so erfolgreich, dass er der Kernmarke VW zur Konkurrenz wurde. Herbert Diess (56) (2. Reihe, Mitte, 2. v. li.) war sieben Jahre lang Vorstandsmitglied bei BMW. Er kommt per 1. Juli von BMW zu VW und soll die Marke VW schärfen. Beide gelten hinter Stadler als verheißungsvolle Kandidaten. Dies fehlt im Gegensatz zu Vahland das Netzwerk bei VW. Und somit das, was salopp "Stallgeruch" genannt wird.

Eine weitere Führungsreserve ist Andreas Renschler (57) (1. Reihe, re.) , VW-Vorstandsmitglied und zuständig für die Nutzfahrzeugsparte. Er könnte ebenso das Ruder übernehmen. Der Wirtschaftsingenieur kam erst 2014 von Daimler, nachdem er dort keine Perspektive hatte, die Spitze zu erklimmen. Er soll aber Scania und MAN stärker zusammenführen und für noch mehr Schlagkraft in der Nutzfahrzeugsparte sorgen. Ein Abzug von Renschler von der LKW-Sparte ist eher unwahrscheinlich.

Auch Porsche-Chef Matthias Müller (61) (2. Reihe, li.) wird schon als Winterkorn-Nachfolger gehandelt, galt bisher als Außenseiter für den Top-Job. Der studierte Wirtschaftsinformatiker und gelernte Werkzeugmacher ist ein Kenner des VW-Konzerns, war er vor dem Wechsel zu Porsche lange Zeit bei Audi, wo er als Lehrling einst seine berufliche Laufbahn gestartet hat. Er kennt Winterkorn schon seit der Zeit, als dieser bei Audi CEO war. Unter Winterkorn war er Chefkoordinator der Sportmarken von VW. Seit 2010 pilotiert Müller den Porsche-Konzern - von einem Rekord zum nächsten. Porsche ist im Konzern der zweitgrößte Gewinnbringer des 12-Marken-Konzerns.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch (64) (2. Reihe, re.) werden ebenso Chancen ausgerechnet. Der gebürtiger Österreicher dürfte als Finanzchef nicht ganz den Vorstellungen von Piëch entsprechen, der vorzugsweise einen technikaffinen Chef inthronisieren will. Außerdem ist er als Finanzchef ungleich wichtiger für den VW-Konzern - womit man wiederum bei Stadler landet, der letztendlich als unumstrittener Top-Kandidat gilt, wenngleich er "nur" Betriebswirt ist. Oder vielleicht doch beim Porsche-Chef Müller.

Lesen Sie auch hier => Machtkampf im Volkswagen-Konzern: Piëch gegen Winterkorn

Wirtschaft

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Wirtschaft

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab

Wirtschaft

ILO-Trendbericht: Arbeitslosigkeit nahm 2015 global zu