Die große Stickoxid-Lüge der Autohersteller

Nicht nur VW, viele Autohersteller tricksen bei den gefährlichen Stickoxiden offenbar massiv. Bisher ist die EU mit ihrer Kritik auf taube Ohren gestoßen. Das könnte sich mit dem VW-Skandal nun ändern. Der Hauptschuldige: Das Dieselauto.

Die große Stickoxid-Lüge der Autohersteller

Anneliese Proissl

Man muss schon ziemlich abgebrüht sein, wenn man - wie in den USA - landesweit Werbespots über „clean diesel“, also sauberen Diesel, ausstrahlen lässt, aber in Wahrheit weit davon entfernt ist, die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten. Und sogar teils deutlich schlechter als die Konkurrenz abschneidet. Aber diese schier unglaubliche Tatsache ist mit dem Schuldeingeständnis von VW-Boss Martin Winterkorn amtlich. Man hätte sich als Konsument wohl von vielen Konzernen wilde Tricks erwartet, aber nicht von VW, mit dem stets korrekt wirkenden Winterkorn an der Spitze. Die unverwüstliche Eiche in der Autobranche – die nun vor dem finalen Fall stehen dürfte.

Aber warum war es so wichtig, die Amerikaner von Dieselautos zu überzeugen, wenn diese schon beim Wort Diesel die Nase rümpfen und diese Autos seit jeher für nichts anderes als stinkende Lastenfahrzeuge mit schlechten Beschleunigungswerten abstempeln? Die Gründe: Milliardeninvestitionen in die Dieseltechnologie, nicht nur von VW, sondern vieler Hersteller. Der Diesel gilt nach wie vor als Wunder der Technik: Er schafft es, bei der selben Hubraumgröße wie ein Benziner vielfach schneller zu beschleunigen und verbraucht im Schnitt weniger Sprit und kostet noch dazu weniger als ein Benziner. Eine Win-Win-Situation wie aus dem Bilderbuch - wie es scheint: Die Hersteller können die Vorschriften für den Kraftstoffverbrauch ihrer Fahrzeugpalette einhalten, die Kunden profitieren selbst bei großen und leistungsstarken Fahrzeugen von günstigeren Autos mit hohem Drehmoment.

PR-Offensive sollte schwache Leistung übertünchen

Nur bei einem winzigen, lästigen Detail spießt es sich: Bei den Umweltgiften, die aus dem Auspuff kommen: Die gefürchteten, weil gefährlichen Stickoxide (NOx). Das ist VW nun in den USA zum Verhängnis geworden. Dort gelten die weltweit strengsten Auflagen für Autoabgase. Anders als bei den relativ laxen Vorgaben für den Kraftstoffverbrauch kennen die Amerikaner bei Schadstoffen aus dem Auspuff kein Pardon. Genau da hat sich Winterkorn nun den Schnitzer seines Lebens geleistet. Er hat eine Ingenieursleistung öffentlich gefeiert, die nicht im erforderten Ausmaß erbracht wurde. So hat der VW Jetta, sparsames Motörchen hin oder her, die zulässigen Grenzwerte für Stickoxide in den USA laut Experten um das 15- bis 35-fache überschritten, auch der VW Passat liegt angeblich weit über dem zulässigen Grenzwert.

Europa bei Stickoxiden noch immer zu lasch

Die US-Umweltbehörde EPA prüft dazu mit eiserner Hand, ob die Limits für die als krebserregend geltenden Stickoxide eingehalten werden. Pro gefahrenen 1,6 Kilometer (1 Meile) dürfen Pkws dort höchstens 50 Milligramm NOx ausstoßen. Das ist weniger als die Hälfte, was Autos in Europa selbst nach der neuen Euro-6-Norm ausstoßen dürfen. So dürfen Dieselneuwagen seit dem 1. September pro Kilometer nur noch 80 Milligramm NOx emittieren. Bisher waren es immerhin 180 Milligramm.

Stickoxid-Skandal in Europa: 560 Milligramm Stickoxide statt 80

Aber auch in Europa wird die Luft für Dieselstinker immer dünner. Selbst die deutsche Regierung soll bei der EU-Kommission intern den "viel zu hohen" Ausstoß von Stickoxid bei neuen Diesel-Autos beklagt haben. Wie wenig es den Herstellern im Schnitt gelingt die gefährlichen Giftstoffe aus dem Auspuff im Zaum zu halten, zeigen Messungen an neuen Fahrzeugen. Das unabhängige International Council on Clean Transportation (ICCT) an 15 Autos mit Dieselmotor ergab: Die Pkw überschreiten durchschnittlich den NOx-Grenzwert der EU-Abgasnorm Euro 6 (80 Milligramm je Kilometer) um das Siebenfache. Das heißt: Die getesteten Pkw stießen im Schnitt 560 Milligramm pro Kilometer aus.

Die EU-Kommission hat aufgrund hoher Stickoxid-Werte der deutschen Regierung deshalb bereits im Juli in einem harschen Schreiben mitgeteilt, sie solle in mehreren Großstädten Dieselautos gleich komplett verbieten, da die Stickoxid-Werte dort viel zu hoch seien. Doch bisher denkt man in der deutschen Regierung offenbar nicht daran, ernsthaft etwas zu unternehmen. Denn die wenig tröstliche Antwort der deutschen Regierung gegenüber der EU war laut einem Bericht der Funke Medien, dass die Luftbelastung in den nächsten Jahren aufgrund der hohen Stickoxide weiter hoch bleiben werden.

Strenge Amerikaner könnten Hersteller und Regierungen antreiben

Doch die Amerikaner mit ihren strengen Vorschriften könnten nun Zund in die lasche Vorgehensweise der Europäer bringen. Zumal nach dem Eingeständnis von VW die EPA nun auch die Dieselfahrzeuge anderer Hersteller genauer prüft. Drastische Steuererhöhungen für Dieselautos zählen zu den möglichen Auswirkungen, wenn es den Autoherstellern nicht rasch gelingt, die Diskussion um die NOx-Werte unter den Teppich zu kehren oder mit technischen Mitteln dem Problem Herr zu werden. Gelingt das nicht, stehen dem Diesel schwere Zeiten bevor.

Schlägt der Benziner in Zukunft den Diesel?

Noch sieht es zwar nicht danach aus. Von Jänner bis August waren in Österreich rund 57 Prozent aller verkauften Autos Diesel. Aber Konsumenten könnten, angesichts der Unwägbarkeiten beim Diesel, immer öfter zu Benziner greifen. Denn was FORMAT.at bereits im Juli im Artikel gefragt hat "Sind Dieselautos bald nichts mehr wert?" könnte tatsächlich früher oder später Realität werden. Zumal die Unterschiede zwischen Diesel und Benziner in den vergangenen rund fünf Jahren deutlich geschrumpft sind. Mit konsequentem Downsizing und Turboladern gelingt es den Herstellern immer öfter, auch Benzinmotoren zu einem sparsamen Verbrauch bei fast gleichbleibender Leistung zu verhelfen.

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