VW will langsam zurück in die Normalität fahren

VW will langsam zurück in die Normalität fahren

Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn

Nach dem Machtkampf versucht VW-Vorstandsboss Martin Winterkorn, den DAX-Konzern zurück in die Normalität zu führen. Doch es warten noch etliche Aufgaben auf ihn - unter anderem in den USA.

Mitteilungen zu Bilanzzahlen sind für gewöhnlich eher langweilig. Doch bei Volkswagen ließ am Mittwoch ein Zitat von Vorstandsboss Martin Winterkorn aufhorchen: "Die gesamte Mannschaft arbeitet mit voller Konzentration an dem Ziel, auch 2015 zu einem Erfolgsjahr zu machen", erklärte der Konzernchef mit den Quartalszahlen.

Es klingt wie eine Ansage von ganz oben nach dem Motto: "Wir hier kümmern uns nur ums Geschäft, nichts lenkt uns ab. Basta!" Volle Konzentration - das sollte für die Mannschaft bei Europas größtem Autobauer eine Selbstverständlichkeit sein. Aber zuletzt war bei den Wolfsburgern nichts mehr selbstverständlich.

Machtkampf und Schockstarre

Der Machtkampf in der Führungsspitze mit den Kontrahenten Winterkorn und seinem einstigen Förderer, VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, lenkte den Konzern in eine Schockstarre. Die Krise bestimmte gut zwei Wochen lang die Nachrichten. Mit Piechs Rücktritt am vergangenen Samstag erwacht der Dax-Konzern nun wieder aus dem Lähmungszustand. Auftakt dafür: Eine Riesensause am Dienstagabend in Berlin und glänzende Geschäftszahlen am Mittwoch.

Bei der Party in Berlin - es ging um die Eröffnung der neuen Hauptstadt-Repräsentanz - fuhr VW so richtig auf. Weltstar Robbie Williams kam am späten Abend als Überraschungsgast vorbei. Und gleich seine erste Zeile könnte nicht besser passen: "Oh es schien, als sei das "für immer" heute zum Stillstand gekommen", stimmte Robbie seinen Song "Supreme" an. Und in der Tat: Bei Volkswagen war zuletzt alles zum Stillstand gekommen. Piech hatte seinem beruflichen Ziehsohn Winterkorn öffentlich das Vertrauen entzogen - und stand am Ende selbst auf verlorenem Posten.

Fußball statt Turbulenzen

Nun sollte die Stunde Null nach dem Abgang des Patriarchen schlagen. In Berlin, Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße - an dieser Top-Adresse steht die runderneuerte Hauptstadt-Repräsentanz von VW. Sichtlich mühte sich der Konzern, zur Normalität zurückzufinden. Scheinwerfer an, Small Talk auf der Bühne, Winterkorn strahlt - aber kein Wort zu den Turbulenzen. Dabei hat er ein Heimspiel vor hunderten Gästen. Doch der Sieger des Machtkampfes redet über die Bedeutung des Standortes Deutschland, über autonomes Fahren - und Fußball. Daneben der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der sich brav als Audi-Fan outet. Dann geht es schon ans Buffet.

Und so liegen nach dem Schweigen vom Abend die Zitate aus der Bilanz-Mitteilung am nächsten Morgen auf der Goldwaage. Es sind Winterkorns erste weitreichenden Worte nach dem Drama um die Frage, wer im Konzern das Sagen hat. Nach Piechs Rücktritt steht er als großer Sieger da. Doch ist etwas an ihm hängen geblieben?

In der Mitteilung betont Winterkorn, sein Weg stimme. Man sei "gut aufgestellt" für die unterschiedlichen Entwicklungen auf den wichtigen Märkten, lässt er erklären. Vor allem "die vielfältige Modellpalette" und "stetig steigende Präsenz auf allen wichtigen Weltmärkten" zählten zu den "bewährten Stärken unseres Konzerns". Klingt wie ein Klopfer auf die eigene Schulter.

Amerika - eine "Katastrophenveranstaltung"

Dabei wurde in der Führungskrise auch die Kritik an Winterkorn lauter. Denn auf dem zweitwichtigsten Weltmarkt USA bekommt Volkswagen Pkw kein Bein auf den Boden. Der Chef versprach zwar neue Modelle - aber die kommen frühestens in eineinhalb Jahren. Und so muss die "stetig steigende Präsenz" zumindest in den USA erst noch mit Leben gefüllt werden, bevor die dortige "Katastrophenveranstaltung", wie sie der oberste Betriebsrat Bernd Osterloh schon nannte, noch ihr Happy End findet.

Auch andere Großbaustellen rückten stärker in der Öffentlichkeit: die gewinnschwache Kernmarke VW rund um Golf und Passat, die im Berliner "Drive"-Forum prächtig ausgestellt werden, oder das noch immer fehlende Billig-Modell für Schwellenländer. Immerhin, im ersten Quartal zahlte sich Winterkorns milliardenschwere Effizienzkur bei VW-Pkw aus, ein dreistelliger Millionenbetrag ist schon eingespart.

Der Volkswagen-Aufsichtsrat berät am Montag, den 4. Mai in Hannover den Zeitplan für die Suche nach einem neuen Vorsitzenden.

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