Dieselgate-Rückrufe: Der VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand

Dieselgate-Rückrufe: Der VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand
Dieselgate-Rückrufe: Der VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand

VW-Dieselskandal: Deutschland und Österreich rufen Millionen Autos zurück

Im Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte zwingt das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Volkswagen zu einem Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. "Wir ordnen den Rückruf an", sagte ein Sprecher der Flensburger Behörde. In Österreich ordnet Verkehrsminister Alois Stöger den Rückruf Hunderttausender Fahrzeuge an. In den 28 Ländern der EU müssen insgesamt 8,5 Millionen Dieselautos in die Werkstatt.

Der Abgas-Skandal von Volkswagen steuert einem neuen Höhepunkt entgegen. In den 28 EU-Ländern müssen anch Angaben von VW rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurück in die Werkstätten. Es handelt sich hiermit um die größte Ruckrufaktion in der Geschichte des deutschen Autokonzerns. Bisher war von weltweit insgesamt rund elf Millionen betroffenen Dieselfahrzeugen die Rede, in denen die Software steckt, mit der VW die Abgaswerte manipuliert hatte.

In Deutschland sind laut VW 2,4 Millionen Fahrzeuge von der Rückrufaktion betroffen, in Österreiech werden 363.400 Fahrezuge in die Werkstätten gerufen. Unklar blieb dabei aber anfangs, ob das Manipulierungsprogramm auf allen Märkten arbeitet und ob Vorschriften dabei verletzt werden. Ungewiss war zudem, ob überall ein Rückruf die Folge sein muss. Das KBA wertet die VW-Software als "unzulässige Abschalteinrichtung". Das sehen die Behörden in den USA ähnlich, wo der Skandal begonnen hatte.

VW-Vorstandschef Matthias Müller schrieb am Donnerstag in einem Brief an den deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dass die KBA-Entscheidung nun "eine Möglichkeit eröffnet, für die Europäische Union ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen in allen Mitgliedsstaaten zu erreichen". Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur in Hannover vor. Müller sicherte den betroffenen Kunden darin Transparenz zu. VW werde "hart daran arbeiten, Vertrauen wieder herzustellen".

Nach Angaben des deutschen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) soll Anfang 2016 der Rückruf gestartet werden. Bis Ende November wurde Volkswagen verpflichtet die technischen Lösungen für die Fahrzeuge dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) vorführen.

Auch Österreichs Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) ordnete VW den Rückruf aller 363.400 Fahrzeuge an. Beim Zeitplan würde man sich an Deutschland orientieren, laut Verkehrsministerium sei das deutsche KBA europaweit für den Rückruf zuständig.

"Unsere rechtliche Prüfung hat ergeben, dass die Anordnung des KBA auch für jene Autos gilt, die in Österreich unterwegs sind. Das heißt konkret: Für die Autofahrer soll kein Nachteil entstehen. Diese Rückrufaktion muss zu 100 Prozent erfüllt werden. Das BMVIT prüft derzeit das rechtliche Vorgehen, um die Überprüfung der Aktion sicherzustellen. Es ist an Porsche Österreich (als Importeur, Anm.), die Autofahrerinnen und Autofahrer zu informieren", sagt Ministeriumssprecherin Andrea Heigl.

In Österreich konkret betroffen:

  • 180.500 VW-Pkw
  • 24.400 VW-Nutzfahrzeuge
  • 72.500 Audi
  • 54.300 Skoda
  • 31.700 Seat

Die "Salzburger Nachrichten" berichten heute, dass die Diskrepanz zwischen den Herstellerangaben und der Realität den österreichischen Behörden seit langem bekannt war. Weil die Stickoxidwerte in Österreich stiegen und ein EU-Mahnverfahren drohte, schrieb die Republik nach Brüssel, dass die hohen Werte dem Land nicht angelastet werden dürften. Begründung: "Messungen zeigen, dass die realen Emissionswerte die Emissionen im gesetzlich vorgeschriebenen Prüfzylus um den Faktor 3 (Euro IV) bis 5 (Euro V) übersteigen."

Software-Update wird nicht bei allen Wagen ausreichen

VW hatte dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vergangene Woche einen Plan vorgelegt, wie die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung gebracht werden sollen. Diesen hatte die Behörde seither geprüft. Ein VW-Sprecher sagte, man habe noch keinen Bescheid vom Kraftfahrt-Bundesamt erhalten.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte vergangene Woche bereits über Pläne von Volkswagen für einen umfassenden Rückruf berichtet. Davon seien Fahrzeuge mit Euro-5-Dieselmotoren der Größe 2 Liter, 1,6 Liter und 1,2 Liter Hubraum betroffen. Technisch spreche VW bei den 2-Liter-Motoren von einer Softwarelösung, die in diesem Jahr vorliegen solle und ab Beginn des nächsten Jahres neu aufgespielt werden könne. Bei den 1,6-Liter-Motoren werde zusätzlich zu einer neuen Software mit großer Sicherheit eine motortechnische Anpassung nötig sein, die laut Volkswagen nicht vor September 2016 zu erwarten sei.

Im September hatte Dobrindt noch von 2,8 Millionen betroffenen VW-Fahrzeugen gesprochen. Die Differenz zu den 2,4 Millionen Autos, für nun ein Rückruf angeordnet wurde, erklärt sich dadurch, dass etwa 400.000 manipulierte Autos nicht mehr auf den Straßen unterwegs seien. Am Nachmittag treffen sich in Brüssel die Regulierungsbehörden der einzelnen EU-Länder mit Vertretern der EU-Kommission, um über den Fortgang der Untersuchungen, den Informationsaustausch und einheitliche Testmethoden zu diskutieren.

Rückrufkosten trägt Volkswagen

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte in einem Zeitungsinterview Anfang Oktober gesagt, der Rückruf könne im Jänner beginnen und werde sich voraussichtlich bis Ende 2016 hinziehen. Ein Grund seien verschiedene Kombinationen des betroffenen Motors EA 189 mit Getrieben sowie nach Ländern spezifische Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende." Für die meisten Motoren genüge ein Software-Update in der Werkstatt. Manche Fahrzeuge benötigten aber auch neue Einspritzsysteme und Katalysatoren. Notfalls müssten die Autos umgebaut werden. Die Kosten trage Volkswagen. Auch ein Austausch von Autos gegen Neuwagen werde diskutiert.

Volkswagen hatte im September zugegeben, in den USA Diesel-Emissionswerte mit einer Software manipuliert zu haben. Dort drohen dem Autobauer hohe Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen. Nach dem US-Justizministerium und der Umweltbehörde EPA nehmen nun auch die US-amerikanischen Wettbewerbshüter Ermittlungen gegen Volkswagen auf. Die Bundesbehörde wird unter anderem wegen irreführender Werbung aktiv. VW wirbt in den USA mit dem Slogan Clean Diesel.

Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware unterwegs. Ob und wie weit diese auch in anderen Ländern unerlaubt eingreift, wird noch untersucht.

Wirtschaft

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Wirtschaft

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab

Wirtschaft

ILO-Trendbericht: Arbeitslosigkeit nahm 2015 global zu