VW-Dieselgate: Razzien, Briefe und Imagepolitur

VW-Dieselgate: Razzien, Briefe und Imagepolitur

VW versucht sein Image wieder aufzupolieren.

Volkswagen hat sich nach dem Skandal wegen Manipulation der Abgaswerte bei den italienischen Kunden entschuldigt. Die italienische Polizei hatte am Donnerstag den VW-Sitz in Verona durchsucht. Auch in Frankreich und Wolfsburg fanden Razzien statt. Von der betrügerischen Software gab es vermutlich mehrere Versionen.

Die Ermittlungen gegen den Autobauer Volkswagen wegen der Abgas-Manipulationen nehmen auch im Ausland Fahrt auf. Ermittlungsbehörden durchsuchten den VW-Sitz in Frankreich und in Italien, wie am Wochenende bekanntgeworden ist. Die Razzia in Frankreich fand am Freitag statt, wie ein VW-Sprecher in Wolfsburg am Sonntag bestätigte. Zuvor hatte bereits das Wochenblatt "Journal du Dimanche" darüber berichtet. Der Konzern habe "in vollständiger Transparenz mit der Polizei kooperiert", sagte eine VW-Sprecherin in Frankreich.

Laut Staatsanwaltschaft wurden Computer und Dokumente aus den Räumen der VW-Zentrale in Villers-Cotterêts im Département Aisne in der Nähe von Paris mitgenommen. An dem Standort sind rund 700 Menschen beschäftigt. Die französische Justiz hatte bereits Vorermittlungen wegen schweren Betrugs eingeleitet. In Frankreich sind rund 950.000 VW-Fahrzeuge vom Abgas-Skandal betroffen. VW hatte mit einer Software Abgastests manipuliert.

Am vergangenen Donnerstag hatte die italienische Finanzpolizei mehrere Büros von Volkswagen in Italien durchsucht. Betroffen waren Räumlichkeiten am Hauptsitz in Verona und bei der Tochter Lamborghini in Bologna, wie ein Sprecher der Finanzpolizei in Verona gesagt hatte. Die Staatsanwaltschaft Verona ermittelt gegen einige Manager des Konzerns in Italien wegen des Verdachts auf Handelsbetrug. In Italien sind knapp 650.000 Autos von dem Skandal um gefälschte Abgaswerte bei Volkswagen betroffen. Die Staatsanwaltschaft in Turin hatte bereits in der letzten Septemberwoche Ermittlungen aufgenommen. Auch die italienische Kartellbehörde beschäftigt sich mit dem Fall.

Auch in Deutschland hatte es bereits eine groß angelegte Razzia in Wolfsburg und anderen Orten gegeben. Auf der Suche nach den Schuldigen in der Abgasaffäre stellten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittler Akten und Computer sicher. Es seien sowohl Geschäftsgebäude des Konzerns als auch Wohnungen von VW-Mitarbeitern durchsucht worden, hieß es.

Manipulation in mehreren Versionen

Volkswagen hat nach Angaben von Insidern bei der Manipulation der Abgaswerte mehrere Versionen seiner Software eingesetzt. Die illegale Software sei an vier verschiedene Motorentypen angepasst worden, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sprecher von VW in Europa und in den USA lehnten eine Stellungnahme ab und verwiesen auf laufende Ermittlungen.

Fraglich ist vor allem, wie viele Mitarbeiter bei VW an der Manipulation der Abgaswerte beteiligt waren. Ein VW-Sprecher sagte, derzeit werde intern intensiv ermittelt, wer wann was wusste. Es sei aber noch viel zu früh für Ergebnisse. Manche Experten gehen davon aus, dass bei unterschiedlichen Software-Versionen möglicherweise mehr VW-Mitarbeiter von den Manipulationen gewusst hätten. Wenn viele Spitzenmanager beteiligt waren, könnte das Auswirkungen auf die Strafzahlungen haben, die auf den Konzern zukämen, sagte Brandon Garrett, Wirtschaftsstrafrechtsexperte bei der University of Virginia. "Je mehr Führungskräfte beteiligt waren, desto eher wird das Unternehmen als schuldig angesehen, das eine hohe Strafe verdient."

In einem Schreiben an 31 europäische Amtskollegen hat der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt erklärt, dass der VW-Konzern mit der Manipulation gegen Europarecht verstoßen hat. Dobrindt verwies in dem zweiseitigen Brief auf einen Bescheid des deutschen Kraftfahrt-Bundesamts (KBA). Darin habe die Kontrollbehörde festgestellt, dass es sich bei den von VW in bestimmte Diesel-Fahrzeuge eingebauten Softwareprogrammen um unzulässige Abschalteinrichtungen handle - nach einem Artikel der EU-Verordnung Nr. 715/2007. Die Verordnung regelt unter anderem die Typ-Genehmigung von Autos hinsichtlich der Emissionen und den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen.

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