VW-Chef Winterkorn: Nach bewegten Tagen zurück zum Geschäft

VW-Chef Winterkorn: Nach bewegten Tagen zurück zum Geschäft

Einer der Sieger aus dem VW-Machtkampf: CEO Martin Winterkorn (li.).

Volkswagen legt nach dem drei Wochen andauernden Machtkampf in der Führungsspitze einen neuen Gang ein. CEO Martin Winterkorn geht gestärkt in die Hauptversammlung. Er will den Konzern wieder in "ruhigerem Fahrwasser" steuern. Und sich auf das Geschäft konzentrieren. Ferdinand Piech, fehlt auf der Hauptversammlung. Unterdessen wurde die neue Struktur der LKW-Sparte bekannt gegeben - als ersten Schritt für einen Konzernumbau.

"Hinter uns liegen - vorsichtig gesagt - bewegte Tage", sagte Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn am Dienstag in Hannover vor Tausenden Aktionären auf der VW-Hauptversammlung. "Ich weiß: Viele von Ihnen haben sich Gedanken gemacht um Volkswagen. Um das Unternehmen, das uns allen so sehr am Herzen liegt." Der Konzern sei nun aber wieder "in ruhigerem Fahrwasser unterwegs. Der Fokus liegt jetzt wieder auf dem Geschäft."

Volkswagen versucht nach dem erbitterten Machtkampf an der Führungsspitze einen Neustart. Bei dem Aktionärstreffen fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt der langjährige Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Piech hatte die Führungskrise beim größten europäischen Autobauer mit dem Versuch einer Demontage Winterkorns ausgelöst. Der Betriebsrat, das Land Niedersachsen als Ankeraktionär sowie die Großaktionäre der Familie Porsche hatten aber zu Winterkorn gestanden. Die Familien Porsche und Piech halten die Stimmenmehrheit an VW. Zusammen mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschef Piech war auch dessen Ehefrau Ursula als Aufsichtsrätin zurückgetreten.

Winterkorn würdigte die Verdienste Piechs um Volkswagen: "Dieser Konzern und seine Menschen - und auch ich - haben Herrn Dr. Piech sehr viel zu verdanken." Piech habe die Automobilindustrie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt wie kein Zweiter - als Unternehmer, als Ingenieur und als "mutiger Visionär".

Die Kritik der Aktionäre

Die Geschäftsbasis von Volkswagen sieht Winterkorn durch die Führungskrise nicht beschädigt. "Es gab in den letzten Wochen unzählige Interpretationen, Spekulationen und leider auch Übertreibungen", sagte er. "Sie als unsere Anteilseigner müssen wissen: Volkswagen ist ein kerngesundes, gut aufgestelltes Unternehmen. Ein Unternehmen mit sehr guten Geschäftsergebnissen und mit mindestens genauso guten Zukunftsperspektiven."

Aktionäre kritisierten die Führungsdebatten bei VW. Der Machtkampf sei "schrecklich unprofessionell" gewesen, sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker. Auch andere Aktionäre forderten, bei VW müsse nun wieder Ruhe einkehren.

Man wisse um die Aufgaben, sagte Winterkorn. "Und wir haben sie längst angepackt." Dazu zählen die renditeschwache Kernmarke VW rund um die Modelle Golf und Passat, ein fehlendes "Budget Car" als billiges Einstiegsmodell in Schwellenländern und das angeschlagene US-Geschäft. VW habe die Probleme in den USA erkannt und wolle dort nun in die Offensive gehen, sagte Winterkorn. "Dafür stehe ich."

Zurecht gerücktes Bild

Die Geschäftsbasis des Konzerns sieht Winterkorn durch die Führungskrise nicht beschädigt. "Es gab in den letzten Wochen unzählige Interpretationen, Spekulationen und leider auch Übertreibungen", sagte er. "Sie als unsere Anteilseigner müssen wissen: Volkswagen ist ein kerngesundes, gut aufgestelltes Unternehmen. Ein Unternehmen mit sehr guten Geschäftsergebnissen und mit mindestens genauso guten Zukunftsperspektiven."

Lesen Sie auch => Die Mängelliste von VW

Auch der kommissarische VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber würdigte die Leistungen Piechs. "Piech hat sich außerordentliche Verdienste um Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie erworben", sagte der frühere IG-Metall-Chef Huber unter dem Beifall der Aktionäre.

Die Suche nach dem Piech-Nachfolger

Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef will sich Volkswagen Zeit lassen. Man werde "nichts überstürzen", sondern mit Ruhe und Umsicht agieren, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) vor Beginn des Aktionärstreffens vor Journalisten. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird am Dienstag bei der obligatorischen Aufsichtsratssitzung im Anschluss an die Hauptversammlung keine Entscheidung zur Piech-Nachfolge fallen.

Weil nannte den Rücktritt Piechs einen "Einschnitt" in der Geschichte von VW. Auch er betonte dessen große Verdiente um den Autobauer. Für Piech und seine Ehefrau waren Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piech in das Kontrollgremium nachgerückt. Beide sind Nichten Ferdinand Piechs.

Noch Ende der vorigen Woche soll Piech nach Angaben der Bild-Zeitung sich sogar gegen seine Nichten als Aufsichtsrat gestemmt haben. Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle sowie Ex-Siemens-Vorstand Brigitte Ederer aus Wien sollten sein Mandat und das seiner Frau im Aufsichtsrat übernehmen.

Die notwendige Klärung

Weil sagte mit Blick auf den Machtkampf und die versuchte Demontage von VW-Chef Winterkorn durch Piech, es sei eine "Klärung" notwendig gewesen: "Wir alle haben die Situation nicht haben wollen, mussten aber damit umgehen." Einen nachhaltigen Image-Schaden für VW sieht der niedersächsische Regierungschef nicht. Volkswagen könne sich nun wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren.

Erste Umbaumaßnahmen

Unterdessen unternimmt VW erste Schritte für eine Dezentralisierung seiner Führung. Dazu bündelt der Konzern sein schweres Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding. Die neue Dachgesellschaft für die Lkw und Busse im VW-Konzern erhält einen eigenen Aufsichtsrat, in dem die Arbeitnehmer nach Konzernvorbild ein gewichtiges Wort mitreden. Die Pläne für die Holding sind schon seit längerer Zeit bekannt.

Die Dezentralisierung in der Nutzfahrzeug-Sparte könnte als Blaupause für weitere Teile des Konzerns dienen. "Wir brauchen klare Strukturen im Konzern, um in den einzelnen Bereichen schnell und flexibel handeln zu können", forderte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Von der neuen Holding verspricht sich VW eine "engere Vernetzung der Marken, kürzere Entscheidungswege und mehr Tempo in der Umsetzung".

Für erfreuliche Nachrichten sorgt derweil das milliardenschwere Sparprogramm für mehr Effizienz bei Volkswagens Pkw-Kernmarke. "Wir rechnen damit, dass deutlich über eine Milliarde Euro davon bereits im laufenden Jahr ergebniswirksam wird", sagte Winterkorn.

Insgesamt will der Autobauer bei der Hauptmarke etwa fünf Milliarden Euro bis 2017 einsparen. Im ersten Quartal hatte das Programm für mehr Kostenbewusstsein einen Betrag "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" freigelegt - und gewinnt nun an Fahrt.

Steuertipps

So funktioniert die Steueramnestie für Russen mit Auslandsvermögen

Wirtschaft

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Wirtschaft

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab