Von USA bis Japan: Wie erfolgreich Quantitative Easing bisher war

Im EZB-Hauptquartier in Frankfurt wird derzeit über den Kauf von Staatsanleihen diskutiert.

Im EZB-Hauptquartier in Frankfurt wird derzeit über den Kauf von Staatsanleihen diskutiert.

Die positive Wirkung von Anleihenkäufen durch Notenbanken auf die Wirtschaft ist heftig umstritten. Die Analysten der Hypo Capital Management haben nun die Auswirkungen der quantitativen Lockerung durch die Zentralbanken von Japan, der USA, England, der Schweiz und der EU unter die Lupe genommen und analysiert. Und warum manche Experten die geplanten EZB-Maßnahmen als "hochriskante Operation" einstufen.

Wenn es darum geht, Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, scheint die Devise zu sein: Viel hilft viel. Gemessen am BIP zeigt sich in der Vergangenheit, dass diejenigen Länder mit der größten Geldausweitung das größte Wachstum seit der Krise verzeichnen konnten.

US-Notenbank überragt alle

Das prozentual, stärkste Bilanzwachstum verzeichnete die US-Notenbank FED. Deren Bilanz hat sich seit 2007 mehr als verfünffacht. Kein anderes Land hat versucht die Wirtschaft mit derart viel Geld zu beleben. Dicht dahinter auf Platz zwei, liegt die Schweizer Nationalbank, die im Jahr 2012 die Bank of England endgültig eingeholt hat, nachdem die Schweizer Notenbank beschloss hat den Franken an den Euro zu koppeln. Die Schweizer Notenbank hat ihre Bilanz seither um rund 480 Prozent erhöht. Auf Platz drei liegt die chinesische Zentralbank. In absoluten Zahlen verfügt sie derzeit sogar über die größte Bilanzsumme unter den Notenbanken. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Bilanzsumme der sogenannten Peoples Bank of China sogar verzehnfacht.

"Hochriskante Operation"

Doch die Hypo Capital Management zeigt sich in ihrer aktuellen Analyse skeptisch über die tatsächliche Wirkung des Quantitative-Easing (QE). „Es ist schwer nachzuweisen, wie und ob sie tatsächlich wirkt“, so Nina Nedialkova, Analystin der Hypo Capital Management. Ingesamt sei die Wirtschaft in den betroffenen Ländern seit der Einführung der geldpolitischen Maßnahme im jeweiligen Land zwar angezogen, nur der Grund dafür muss nicht zwangsläufig auf die Notenbankenmaßnahmen zurückzuführen sein. "Denn eindeutige Schlüsse, dass die Maßnahmen gewirkt habe, gebe es laut Hypo. Andere Experten warnen gar vor den Auswirkungen der geplanten Maßnahmen der EZB. Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben gegenüber der Passauer Neuen Presse: "Es handelt sich dabei um eine hochriskante Operation mit unsicherer Wirkung für die Preisentwicklung in der Eurozone. Die Gefahr ist groß, dass durch das billige Geld der Reformeifer für mehr Wettbewerbsfähigkeit erlahmt." Auch der deutsche Wirtschaftsweise Lars Feld warnte, das Ankaufprogramm würde den Druck von Italien und Frankreich nehmen, endlich Reformen durchzuführen und zu sparen.

USA seit Einführung von QE wirtschaftlich erfolgreicher

In den USA sieht es jedoch grundsätzlich so aus, als hätte die Geldschwemme Erfolg gehabt. „Ob die Impulse in der Wirtschaft auf die Notenpresse zurückzuführen sind, lässt sich allerdings nicht eindeutig sagen. Zumindest hat die Notenbank so Vertrauen geschaffen und so vielleicht einen indirekten Effekt gehabt: Unternehmen haben investiert und Bürger konsumiert. Der psychologische Effekt war offenbar wirkungsvoll“, so Hypo-Analystin Nedialkova.

Nachhaltiges Wachstum in England seit QE

Auch in England lassen die Anleihenkäufe durch die Notenbank auf einen Erfolg schließen: Dafür spricht ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum seit der Implementierung der geldpolitischen Schritte. Sowohl der USA als auch England ist es gelungen einer Deflation zu entkommen.

Schweizer Wirtschaft brummt bisher

Eine interessante Entwicklung ist in der Schweiz festzustellen. Das QE scheiterte bei der Bekämpfung der Deflation, allerdings hat sich die Wirtschaft seit 2009 erholt.

Geringster Erfolg in Japan

Von allen Ländern, die QE-Programme umgesetzt haben, ist Japan das Land, das bisher de facto keinen Erfolg damit hatte. Weder gelang es die Deflation zu bekämpfen noch das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Abwertung des Yen half nicht, die Inflation zu beleben. Durch die schwache Währung stiegen zwar die Exporte, aber unter dem Strich hat sich seit 2010 wenig getan und das Wirtschaftswachstum blieb schwach, so die Analyse der Hypo.

Geldschwemme in der Eurozone bisher ohne Erfolg

Auch in der Eurozone zeigten die bereits durchgeführten Liquiditätsspritzen (QE1 und QE2) keinen Erfolg. Weder stieg das Wirtschaftswachstum noch die angestrebten Inflation von zwei Prozent. Im Gegenteil, die Eurozone kämpft sogar mit Deflation. Ob das bereits im Herbst 2014 eingeleitete QE3-Programm, das sich noch immer im Umsetzungsphase befindet, wird sich zeigen.

Keine Wirkung auf Inflation

Ein Effekt der Geldschwemme blieb jedoch praktisch gänzlich aus. Die Inflationsraten der betroffenen Länder sind langfristig nicht gestiegen. Die USA konnte die Inflation nur kurzzeitig zwischen ein und zwei Prozent stabilisieren. Japan konnte die Deflation zwar für einige Monate hinter sich lassen, aber der Trend geht nach wie vor nach unten, so die Hypo in ihrer Analyse. Die FED und die Bank of England konnten die Deflation bisher zumindest verhindern. Die EZB und Schweiz befinden sich allerdings in einer Deflation und Japan ist nachdem es nach Jahren der Deflation entkommen ist, gerade einmal bei einer Inflationsrate von null Prozent.

Doch eine Deflation muss grundsätzlich nicht schlecht sein. "Tatsächlich ist eine Deflation eher ein Symptom als eine Krankheit", so Hypo-Analystin Nedialkova. Je nachdem was die Deflation ausgelöst hat, muss man zwischen einer „guten“ angebotsseitigen und der „schlechten“ nachfrageinduzierten Deflation unterscheiden. Also eine Deflation aufgrund eines zu großen Angebots oder einer zu geringen Nachfrage, unter anderem wegen mangelnder Kaufkraft infolge von Wirtschaftsrückgängen und steigender Arbeitslosigkeit. Mit steigender Kaufkraft und einer gesunden Wirtschaft, konsumieren Bürger bei fallenden Preisen jedoch mehr.

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