Von OMV bis BP: Öl-Unternehmen setzen den Rotstift an

Von OMV bis BP: Öl-Unternehmen setzen den Rotstift an
Von OMV bis BP: Öl-Unternehmen setzen den Rotstift an

Die OMV wird nun doch nicht an der kroatischen Adriaküste nach Öl bohren; doch das Umdenken ist weniger ein Einknicken gegenüber den NGOs, sondern vielmehr wirtschaftliches Kalkül. Und auch andere Unternehmen kürzen ihre Investitionen. Eine Analyse mit Ausblick.

Viel Kritik hatte es von den österreichischen NGOs und der kroatischen Tourismusbranche gegen die Pläne der OMV gegeben, an der kroatischen Adriaküste nach Öl und Gas zu bohren; nun stehen die Projekte vor dem Aus. Die OMV wird, gemeinsam mit seinem US-Partner Marathon Oil, die Verträge nicht unterschreiben, mit denen sie das Recht für die Erkundung von Öl- und Gasvorkommen erlangt hätte. Marathon Oil hält am besagten Joint Venture 60 Prozent, die OMV 40 Prozent.

Von der OMV heißt es gegenüber Format.at, dass vor allem wirtschaftliche Überlegungen hinter der Entscheidung stehen; hinzu kommen schwer lösbare Grenzstreitigkeiten zwischen Kroatien und Montenegro. Proteste der NGOs – wie etwa eine Petition von Global 2000, die von 5.700 Österreichern unterschrieben wurde – hatten laut einem OMV-Sprecher keinen Einfluss auf die Entscheidung.

Andere Unternehmen sollen zum Zug kommen

Die OMV und Marathon Oil hatten sich sieben von insgesamt zehn Lizenzen gesichert. Die Verträge mit anderen Unternehmen werden laut Barbara Doric, Chefin der kroatischen Agentur für Kohlenwasserstoffe, im September unterzeichnet; die sieben OMV-Marathon-Lizenzen werden neu ausgeschrieben. Ob sich dann jemand findet, der unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen an der Adria bohren möchte, das muss sich noch zeigen.

Insgesamt möchte die OMV mit dem Programm „Fit4Fifty“ seine Kosten und Investitionen senken: Mittelfristig will die OMV bis 2017 jährlich 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro investieren; im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es 707 Millionen Euro, um 2 Prozent weniger als im ersten Quartal des Vorjahres. Bankkreisen zufolge möchte die OMV auch bis zu 30 Prozent am Ölfeld Rosebank in der Nordsee veräußern. Der Verkauf wird von der britischen Bank Barclays begleitet und könnte den Österreichern 450 Millionen Euro einbringen. Derzeit hält die OMV die Hälfte an dem westlich der Shetland-Inseln gelegenen Feld, das vom US-Ölkonzern Chevron betrieben wird.

Zulieferer als Leidtragende des Sparprogramms

Die Österreicher sind nicht die einzigen, die einen Sparkurs fahren: Angesichts des niedrigen Ölpreises ist die gesamte Branche gezwungen, ihre Investitionsentscheidungen zu hinterfragen. So verkündete etwa auch BP-Chef Bob Dudley am Vortag, die Investitionen zu kappen und Unternehmensanteile in Milliardenhöhe zu verkaufen, um den Konzern für eine längere Periode niedriger Preise zu wappnen; der brasilianische Ölkonzern Petrobras reduziert für die Jahre 2015 bis 2019 die Investitionen um 37 Prozent auf 116 Milliarden Euro; der zweitgrößte US-Ölkonzern Chevron baut aufgrund von Einnahmeeinbußen 1.500 Stellen ab.

Leidtragende dieser Entwicklung sind die Ausrüster der Branche, wie etwa der österreichische Anbieter Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipmnet (SBO): Die Aktie ist seit einem Jahr der größte Verlierer im ATX; im ersten Quartal musste der Personalstand um 200 Leute auf 1534 Mitarbeiter (per Ende März) reduziert werden.

Die wichtigsten Kennzahlen zu Schoeller-Bleckmann Oilfield im ersten Quartal 2015.

Ebenso merkt der Schweizer Konzern Sulzer die geringe Nachfrage nach Ölpumpen; der Gesamtumsatz des Konzerns sank im ersten Halbjahr um 6,6 Prozent auf 1,39 Milliarden Franken (1,31 Milliarden Euro), in der Division Pumps Equipment ging er gar um 10,2 Prozent auf noch 727 Millionen Franken zurück. Saipem, ein italienischer Öldienstleister, leidet überhaupt unter dem Scheitern des „South Stream“-Projekts - eines gemeinsamen Vorhabens der OMV mit der russischen Gazprom – und streicht deshalb 8800 von 50.000 Jobs.

Lichtblicke gibt es für die Zulieferer nicht viele, außer vielleicht auf politischer Ebene – Gerald Grohmann, CEO von SBO, verrät im Gespräch mit Format.at, dass er sich Chancen im Iran erhofft. Allerdings verhält sich das Geschäft der Zulieferer analog zum Ölpreis – und der dürfte unter anderem durch den Einstieg des Irans in das globale Geschehen, aber auch durch den Fracking-Boom in den USA, weiterhin niedrig bleiben.

USA lassen sich nicht aushungern

Denn durch das Aufkommen des Fracking haben die USA den Spieß herum gedreht: Mussten die Amerikaner noch im Jahr 2005 60 Prozent ihres Bedarfs an Erdöl importieren, so geht BP in seinem „Energy Outlook 2035“ davon aus, dass die USA durch die "shale revolution" Anfang der 2030er-Jahre zum Selbstversorger in Sachen Erdöl werden. 2014 hatten die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien von der Spitze der größten Ölproduzenten der Welt verdrängt. Bis 2021 werden die USA vollkommen energieautark sein. Das stört vor allem die anderen ölproduzierenden Staaten, denen durch die niedrigen Ölpreise Umsätze entgehen. Die OPEC beschloss daher gegen Ende vergangenen Jahres eine ungewöhnliche Herangehensweise: Durch eine Beibehaltung der Förderquoten soll der Ölpreis niedrig gehalten werden, so dass sich Fracking für die US-Unternehmen nicht mehr rentiert.

Doch die Fracking-Unternehmen haben sich konsolidiert und sind effizienter geworden. Galt vor einem Jahr noch die Faustregel, das sich Schieferöl-Förderer nur bei einem Preisniveau von über 80 Dollar über Wasser halten können, so stellten sich die US-Förderer mit Kürzungen von Investitionen und Jobstreichungen neu auf; nun finden bei einem Ölpreis von 55 Dollar weiterhin 50 Prozent der Bohraktivitäten statt, heißt es von einem hochrangigen Brancheninsider zu Format.at.

Bedarf: 92 Millionen Barrel pro Tag

"Dank des technischen Fortschritts sieht die US-Schieferölindustrie einem langen Boom entgegen," sagte dazu kürzlich der Experte Mark Mills vom Manhattan Institute: Letztlich könnten Fracking-Firmen auch bei einem Ölpreis von 20 Dollar pro Barrel profitabel werden – und wären somit ähnlich gut aufgestellt wie die Konkurrenz in Ländern wie Saudi Arabien.

Der Brent-Ölpreis im Jahresverlauf.

Doch neben Fracking gibt es auch andere Faktoren, die den Ölpreis beeinflussen; darunter die makroökonomische Entwicklung in Schwergewichten wie China auf der Nachfrageseite. Auf der Angebotsseite gilt es zu bedenken, dass in Ländern wie Libyen, dem Yemen oder dem Iran die Produktion derzeit quasi stillsteht - allein Libyen würde aber bei Vollproduktion 1,5 Millionen Barrel pro Tag zum Weltmarkt beisteuern. Derzeit liegt der globale Bedarf bei 92 Millionen Barrel pro Tag; die momentane Überproduktion durch den Fracking-Boom und eine schwächelnde Nachfrage aus China beträgt täglich je nach Experteneinschätzung ein bis zwei Millionen Barrel.

Öl bleibt wichtigster Energieträger - Anteil geht aber zurück

Laut „BP Energy Outlook 2035“ wird bis 2035 der Anteil vom Öl am Gesamtenergiemix auf rund 28 Prozent zurückgehen – derzeit liegt er bei 32,6 Prozent und ist weltweit gesehen der wichtigste Energieträger. Der Kohle-Anteil geht um vier Prozent leicht auf 26 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Gas wird vor allem auch aus den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde - China und Indien – zunehmen: Der Gas-Anteil am gesamten Energieverbrauch steigt von aktuell rund 23,7 auf 26 Prozent. Der Anteil von Wasserkraft bleibt stabil bei rund 7 Prozent, erneuerbare Energie inklusive Bio-Treibstoffe steigen auf rund 7 Prozent. Die Nuklearenergie verharrt bei rund 5 Prozent.

Die globale Verteilung der Primärenergiequellen bis zum Jahr 2035.

Russland liegt nach den USA und Saudi-Arabien auf Rang drei der größten Ölproduzenten und bleibt BP zufolge auch der weltweit größten Energie-Exporteure. Europa importiert hingegen weltweit die meiste Energie. Bis 2035 wird die Energienachfrage auf dem Erdball um 37 Prozent ansteigen. Ein Drittel des Gesamtwachstums soll Gas ausmachen. Genau so ein Drittel sollen Öl und Kohle gemeinsam beisteuern, erklärt Alexander Naumov, BP Global Oil Markets Economist.

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