Vereint im Optimismus: Griechische Jungunternehmer in London

Vereint im Optimismus: Griechische Jungunternehmer in London

Eines der zahlreichen Treffen von "Reload Greece": Inzwischen hat die Initiative etwa 30 Mitglieder.

Beim Treffpunkt "Relaod Greece" in London versuchen griechische Jungunternehmer, die Probleme ihrer Heimat zu lösen. "Nicht reden, sondern machen", heißt die Devise der Auswanderer, die auch für ein besseres Image Griechenlands eintreten.

Es fällt Meliti Babili Thymara schwer, über ihre Freunde in Griechenland zu sprechen. Sie seien arbeitslos oder arbeiteten zwölf Stunden am Tag, ohne davon leben zu können, sagt die 24-Jährige, die in Athen aufgewachsen ist: "Sie haben das Gefühl, dass sie die kreativsten und produktivsten Jahre ihres Lebens verschwenden."

Meliti muss dieses Gefühl nicht haben. Die Griechin kam 2008 zum Studium nach Großbritannien. Von dort aus will sie dem Chaos in ihrer Heimat nicht einfach zusehen. Mit vier anderen jungen Griechen hat sie 2012 Reload Greece gegründet, einen Hub für Jungunternehmer in London.

Olivenöl für England

Inzwischen hat die Initiative etwa 30 Mitglieder und nennt sich "Mittelpunkt des Jugend-Unternehmergeistes in London". Künftige Unternehmer sollten lernen, wie sie Ideen umsetzen können, erklärt Markos Kiosseoglou, "und etwas Positives für ihre Heimat bewirken".

Der 29-Jährige, der die "Reloader" managt, nennt ein Beispiel: Eine Frau organisiert Reisen für Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen auf die griechische Insel Lesbos, wo sie lernen, wie Olivenöl gemacht wird. Das Öl wird dann in Großbritannien verkauft, um die Reisen zu finanzieren. "Das hat dann eindeutig eine Wirkung in beiden Ländern", sagt Markos.

"Weniger reden, mehr handeln"

Damit es künftig mehr solcher Projekte gibt, bringt Reload Greece junge Menschen mit erfolgreichen Unternehmern zusammen. "Wir bieten Netzwerke, Unterstützung und Ressourcen für Leute mit Ideen", fasst es Maria Xypaki zusammen, die seit zwei Jahren dabei ist. Finanziert wird die Initiative über Sponsoren wie die Stavros-Niarchos-Stiftung, die sich den Kampf gegen die Krise auf die Fahnen geschrieben hat.

"Weniger reden, mehr handeln" - das sei 2012 die Motivation gewesen, erzählt Meliti. In diesem Jahr beschloss Athen auf Druck der Geldgeber gleich zwei Sparpakete. "Wir mussten der Welt zeigen, dass es eine Seite von Griechenland gibt, die nicht in den Schlagzeilen zu finden war. Eine kreative, produktive, innovative, inspirierende, wunderbare Seite, die manchmal sogar wir selbst vergessen."

Vereint im Optimismus

Auch Markos fürchtet, dass die Dauerkrise seine Heimat ins falsche Licht rückt. Ja, es sei schlimm, sagt er. Aber das mache das Land nicht gefährlich, es mache die Menschen nicht weniger gastfreundlich oder fauler.

Was die "Reloader" eint, ist ihr Optimismus. "Man muss optimistisch sein, um weitermachen zu können", sagt Maria, die vor fünf Jahren zum Studium nach London kam. In Deutschland sei man der Meinung, die Griechen hätten ihre wirtschaftliche, politische und soziale Notlage verdient, meint die 30-jährige Athenerin und fügt an: "Früher oder später wird die Situation stabiler. Und dann müssen wir wieder aufbauen."

Seit Jahren verlassen junge Griechen scharenweise ihre Heimat, um zu lernen und einen Job zu finden. Macht die Abwanderung nicht alles noch schlimmer? "Nicht unbedingt", glaubt Markos. "Mit den wenigen Möglichkeiten und der hohen Arbeitslosenquote werden junge Leute so keine Last für die griechische Wirtschaft, sondern gehen ins Ausland, um ihre kreative Energie zu bündeln." Er, Maria und Meliti nennen das Diaspora. In der wollen sie nicht auf Dauer leben - auch wenn sie es in London gerade leichter haben als ihre Familien und Freunde zu Hause. "Natürlich wollen wir alle eines Tages wieder zurück", sagt Markos, "deswegen haben wir ja das Projekt gegründet."

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