USA droht wegen tiefen Ölpreises Frackingflaute

USA droht wegen tiefen Ölpreises Frackingflaute
USA droht wegen tiefen Ölpreises Frackingflaute

Volle Rohöllager und eine gespaltene öffentliche Meinung könnten bald zur Fracking-Flaute in den USA führen.

Fracking galt in den USA lange als energiepolitischer Heilsbringer. Die Anhänger der umstrittenen Fördermethode für Schiefergas und Schieferöl frohlockten, dass die Vereinigten Staaten in nicht allzu ferner Zukunft ihren gesamten Energiebedarf selbst abdecken könnten. Bundesstaaten wie North Dakota, unter dessen Präriegras riesige Schieferölvorkommen liegen, erlebten einen Wirtschaftsboom. Doch seit einigen Monaten herrscht Ernüchterung - Grund ist vor allem der Absturz des Ölpreises.

Die USA decken bereits einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl ab. Ende 2012 sorgte eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) für Aufsehen, die den Vereinigten Staaten für das Jahr 2030 eine vollkommene Unabhängigkeit von Energieträgern aus dem Ausland prophezeite. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen, prognostizierte die IEA.

Das Kabinett in Berlin verabschiedete vergangene Woche ein Gesetzespaket mit Regeln, die für das Fracking künftig in Deutschland gelten sollen. Der Entwurf sieht ein prinzipielles Verbot des Einsatzes giftiger Chemikalien sowie des Bohrens in Wasserschutz- und Gewinnungsgebieten vor. Umweltverträglichkeitsprüfungen, die Bürgerbeteiligungen einschließen, werden vorgeschrieben. In Tiefen von weniger als 3000 Metern, also da wo unkonventionelles Fracking eingesetzt wird, ist es kommerziell "grundsätzlich" verboten. Ausnahmsweise soll es nach erfolgreichen Probebohrungen und einem Ja der Mehrheit einer unabhängigen, sechsköpfigen Expertenkommission aber erlaubt werden können. Die Behörden müssen dem Votum aber nicht folgen. Fracking über diesen Weg würde frühestens ab 2019 möglich sein.

Beim Fracking - kurz für "hydraulic fracturing" - werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein gepresst. Durch den dadurch entstehenden Druck soll Gas oder Öl freigesetzt werden. Kritiker warnen davor, dass die chemischen Substanzen durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen könnten. Auch in den USA stemmen sich Fracking-Gegner gegen die Fördermethode. Der Bundesstaat New York etwa verhängte ein Fracking-Verbot und begründete dies mit möglichen Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung.

Die öffentliche Meinung zu Fracking ist in den USA gespalten: 40 Prozent sind jeweils dafür und dagegen.

Meinung bei Fracking gespalten

Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge ist die öffentliche Meinung in den USA beim Thema Fracking gespalten. Befürworter und Gegner halten sich mit je 40 Prozent die Waage, 19 Prozent der Amerikaner haben keine Meinung. Anhänger von Präsident Barack Obamas Demokraten sehen Fracking demnach eher kritisch, Republikaner sind dagegen Fracking-Fans.

Obama erließ vor gut einer Woche erstmals Vorschriften für die Förderung von Schieferöl und Schiefergas auf bundeseigenem Land. Laut "New York Times" sind davon rund 100.000 Förderstätten betroffen. Kontrolleure der Regierung sollen künftig die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen. Außerdem müssen die Unternehmen die verwendeten Chemikalien öffentlich machen und detaillierte Informationen über die geologischen Bedingungen an den Bohrstellen vorlegen. Weiterhin sollen einheitliche Standards für die Lagerung und den Einsatz der chemischen Substanzen gelten.

2013 förderten die USA so viel Öl wie seit 24 Jahren nicht mehr. Experten zufolge darf der Preis pro Barrel aber nicht unter 60 Dollar rutschen, da sonst das Fracking unrentabel wird.

Die drohende Fracking-Flaute in den Vereinigten Staaten hat aber vor allem wirtschaftliche Gründe. Seit vergangenem Sommer hat sich der Ölpreis mehr als halbiert, Förderfirmen in den USA gerieten in der Folge unter finanziellen Druck. Bei dauerhaft niedrigen Energiepreisen könnte sich das aufwendige Verfahren nicht mehr rechnen. Die Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) lieferte Mitte März eine Gegenanalyse zur optimistischen Aussicht der IEA und erklärte, dass der Ölboom in den USA am Jahresende vorbei sein könnte.

Rohöllager bis zum Bersten gefüllt

Eine Studie der Energy Watch Group - ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern - warnte mit Verweis auf die jüngsten Entwicklungen in der US-Frackingindustrie vor einem Ausbau der Schiefergasförderung in Deutschland und Europa. "Massenkündigungen und Insolvenzen zeigen ein völlig anderes Bild als das des jahrelangen sicheren Aufschwungs der fossilen Wirtschaft", heißt es in dem Bericht.

Die Rohöl-Lager in den USA sind dank Fracking allerdings prall gefüllt. Nach Angaben des US-Energieministeriums liegen die Ölbestände auf einem so hohen Niveau wie seit mindestens 80 Jahren nicht mehr.

Bei den US-Rohölbeständen jagt ein Rekordwert den nächsten. Laut US-Energieministerium lagern Ende März 466 Millionen Barrel Rohöl in den insgesamt vier amerikanischen Lagerstätten. Für über 700 Millionen Barrel gibt es Platz.

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