"Ein schwieriges Thema": Porsche und Audi im VW-Diesel-Schlamassel

Die VW-Töchter Porsche und Audi haben PS-starke Motoren im Sortiment und zahlungskräftige Kunden im Visier. Beide Autobauer sind erst vor einigen Wochen in den Sog des Dieselskandals geraten. Der Grund: Audi-Motoren. Wie verärgert ist man darüber bei Porsche?

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Für Porsche hatte 2015 lange nach einem Jahr auf der Überholspur ausgesehen. Doch inzwischen ist man mit drin im Diesel-Schlamassel. Eigentlich liefen die Geschäfte sehr gut, immer wieder verkündete der Sport- und Geländewagenbauer Rekordzahlen. Selbst als der Betrug der Konzernmutter VW ans Licht kam, zeigten sich die Stuttgarter demonstrativ gut gelaunt.

Damit könne man gar nichts zu tun haben, schließlich habe man kleine Dieselmotoren gar nicht im Programm. Dass der bisherige Chef Matthias Müller nun VW-Chef geworden ist, belege zudem den hohen Stellenwert von Porsche im Volkswagen-Konzern, fügten sie stolz hinzu.

Traditionelle Rivalen

Aber seit einem Monat ist Schluss mit lustig. In den USA hat Porsche zwischen 2012 und 2015 mindestens 13.000 Cayenne-Geländewagen ausgeliefert, die nach den dortigen Regeln eine unerlaubte Software an Bord haben. Die betreffenden 3,0-Liter-Dieselantriebe wurden von Audi hergestellt - Porsche setzt bei Eigenfabrikaten auf Benziner.

Also ausgerechnet Audi. Die beiden PS-starken VW-Töchter sind traditionell Rivalen - die Zielkundschaft ist teils deckungsgleich, Geländewagen wie der Porsche Cayenne und Audi Q7 sind vom Typus ähnlich. Rechtlich gesehen ist die Sache klar. Porsche ist in der Haftung, schließlich hat die Stuttgarter Firma die Autos verkauft.

Dennoch: Ist nicht doch Audi irgendwie (mit) schuld daran, dass die weiße Weste von Porsche nun beschmutzt ist? Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass die Enttäuschung unter Porsche-Ingenieuren groß ist. Mit Blick auf Audi werde "natürlich Vertrauen getrübt, wenn so etwas passiert". Hängt der Haussegen also schief?

Hand in Hand durch die Krise?

"Von einem Streit unter Konzerntöchtern kann überhaupt keine Rede sein", beteuert ein Porsche-Sprecher. Ähnlich klingt es offiziell aus den Audi-Reihen. Streit? Nein. "Das Verhältnis ist kollegial und gut", sagt ein Sprecher des Ingolstädter Unternehmens.

Überraschender ist, was auch höhere Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand verlautbaren. "Das ist ein schwieriges Thema", sagt zwar ein Porsche-Manager, der seinen Namen nicht nennen will. "Aber es bringt uns doch nichts, jetzt mit dem Finger auf Audi zu zeigen."

Man müsse zusammen durch die Krise steuern, ein offener Streit wäre da nur kontraproduktiv. Auch ein Audi-Vertreter wischt die Frage nach angeblichem Zwist beiseite. Es herrsche gesunder Wettbewerb. "Was bleibt einem denn übrig? Wir sind doch aufeinander angewiesen."

Porsche als "klar abgegrenzte Marke"

Nachfrage in Wolfsburg: Gibt es den Schwesternkampf? "Das ist totaler Kokolores", heißt es aus VW-Konzernkreisen. Das Verhältnis zwischen Audi und Porsche sei aus Wolfsburger Sicht "absolut unproblematisch".

Es dürfte auch am Einbau von Porsche in den VW-Konzern 2009 und an der vollständigen Übernahme 2012 liegen, dass in Stuttgart und Ingolstadt zumindest keine harten Vorwürfe gegeneinander laut werden. "Die Integration von Porsche hat gut funktioniert. Porsche wird als eigenständige, klar abgegrenzte Marke geführt", sagt Analyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Insofern sei die Wettbewerbslage unter einem gemeinsamen Dach für Porsche positiv - weil so verhindert werde, dass man auf Rabatte setze, um den Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. "Solche Rabatte würden zulasten des Gesamtkonzerns gehen, also lässt man das bleiben."

Psychologe: Es gibt nur Verlierer

Interne Grabenkämpfe hätten auch aus Sicht des Wirtschaftspsychologen Joost van Treeck nur Verlierer. Im VW-Konzern dürfe es bloß nicht zu Unstimmigkeiten kommen, "da diese dann die Organisationsstruktur bedrohten und man innerhalb der Töchter in gegenseitigen Anschuldigungen erstarren würde", erklärt der Professor. Wie in einer Partnerschaft müsse es darum gehen, gemeinsam die Krise zu meistern.

Den Imageschaden für Porsche im Dieselskandal hält van Treeck für begrenzt. Selbst wenn nun negative Einschätzungen hinzukämen, würde das "positive Polster" vorerst nicht aufgebraucht. Ähnliches gelte für Audi, auch wenn Audi vom Dieselproblem stärker betroffen ist.

Trotz all der relativ positiven Stimmen in schlechten Zeiten: Zoff könnte es geben - nach Einschätzung Dudenhöffers etwa rund um die Person Rupert Stadler. "Die Verärgerung über Stadler ist das größte Problem." Der Audi-Chef betreibe schlechtes Krisenmanagement. Er hatte Manipulationen zunächst ausgeschlossen - später musste er doch einräumen, dass bestimmte Audi-Modelle mit einer in den USA nicht erlaubten Software unterwegs sind.

Sollte es für Stadler im Dieselskandal eng werden, hätte VW-Boss und Ex-Porscheaner Müller ein Wörtchen mitzureden. Dann könnte es doch noch laut werden zwischen Stuttgart, Ingolstadt und Wolfsburg.

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