Takeover: Syngenta kämpft weiter gegen Monsanto

Takeover: Syngenta kämpft weiter gegen Monsanto

Syngenta Zentrale in Basel

Der Versuch, den Konkurrenten Syngenta zu übernehmen rückt den Saatgut-Multi Monsanto erneut ins Blickfeld. Syngenta-Verwaltungsratschef Michel Demaré hält Verkaufsgespräche mit Monsanto für "total verantwortungslos".

Seit Jahren bemüht sich Monsanto, den Markt weiter zu bereinigen und den Schweizer Konkurrenten Syngenta zu übernehmen. Es ist der dritte Anlauf innerhalb der vergangenen vier Jahre. 449 Franken je Aktie hatte diesmal geboten, womit das Gebot 35 Prozent über dem damaligen Aktienkurs lag und in Summe rund 45 Milliarden Dollar schwer war. Aktuell notiert Syngenta bei 405 Franken. Zuletzt wurde dieses Angebot um eine Gebühr von zwei Milliarden Dollar erhöht, falls der Deal am Veto der US-Kartellbehörden scheitern würde.

Der 1901 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gegründete Monsanto-Konzern beherrscht mit den zwei weiteren Big Playern, Syngenta und Dupont den globalen Saatgut-Markt. Die drei Unternehmen kontrollieren rund 50 Prozent des Geschäfts.

DuPont, Monsanto und Syngenta im Vergleich. Stand: Mai 2015

Kampf gegen Monsanto

Syngenta hat das Übernahmeangebot, das den mit Abstand größten Agrarmittelkonzern mit einem jährlichen Umsatz von rund 31 Milliarden Dollar entstehen lassen würde, umgehend abgelehnt und kämpft seither mit allen Mitteln gegen die feindliche Übernahme.

Nun hofft Syngenta im Abwehrkampf auch auf die Unterstützung der die eigenen Aktionäre. In einer Videobotschaft an die Aktionäre hat Vorstandschef Michel Demaré nun erneut die Gründe herausgestrichen, weshalb Syngenta die Übernahme bekämpft. Es wäre seitens des Verwaltungsrats "total verantwortungslos", sich auf Verhandlungen mit Monsanto einzulassen, erklärte Demaré.

The Chairman of Syngenta’s Board of Directors, Michel Demaré, today outlined the company’s position on Monsanto’s recent approach, which was rejected for not being in the best interests of Syngenta, its shareholders and its stakeholders.

Der Syngenta-Verwaltungsratschef reagiert damit auch auf den Druck aus Reihen der eigenen Aktionäre, die mittlerweile eine eingehende Prüfung des Monsanto-Offerts fordern. Demare betont allerdings, dass sich die Rechtsberater des Unternehmens inzwischen bereits dreimal mit Monsanto-Vertretern getroffen hätten, um die kartellrechtlichen Bedenken gegen die Fusion dazulegen. Monsanto sei aber auf diese Bedenken nicht eingegangen und habe auch keine Lösungen vorgeschlagen.

Das Monsanto-Angebot sei außerdem zu einem Zeitpunkt gekommen, als der Aktienkurs kurzfristig wegen der Währungsschwäche in Schwellenländern und tiefer Rohstoffpreise belastet gewesen sei. "Darum denken wir, dass die Aussichten von Syngenta im Aktienkurs nicht richtig widergespiegelt wurden." Sollte Monsanto oder "irgendeine andere Partei" in Zukunft einen neuen Vorschlag machen, sei der Verwaltungsrat dagegen verpflichtet, diesen zu prüfen.

Monsanto hat allerdings eine Erhöhung des Angebots ohne Einblick in die Syngenta-Bücher ausgeschlossen. Die sechs größten Eigner von Syngenta sind US-Fonds, danach folgen der norwegische Staatsfonds und die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse.

Den Aktionären stellte Demare eine "spannende" Zukunft in Aussicht. Der Verwaltungsrat sei "sehr enthusiastisch", was die aktuelle Angebot Pflanzenschutzmitteln und die Neuentwicklungen betreffe. "Wir haben klare Pläne, wie wir unsere Margen im Saatgutgeschäft erhöhen wollen", warb Demare. Er sei zuversichtlich, dass Syngenta seine Wachstumsziele sowie eine operative Rendite (Ebitda-Marge) von 24 bis 26 Prozent bis 2018 erreichen könne.

Kritik gegen Monsanto

Nicht nur Syngenta kämpft gegen Monsanto. Aufgrund seiner offensiven Ausrichtung für genmaipuliertes Saatgut steht Monsanto seit Jahren im Mittelpunkt der Kritik von Umweltschutzorganisationen und Globalisierungskritiker. Neben gentechnisch verändertem und patetrechtlich geschütztem Saatgut für Mais, Baumwolle, Soja, Raps und Zuckerrüben liefert Monsanto über die Tochtergesellschaft Seminis auch Obst- und Gemüsesaatgut in über 150 Länder.

Besonders intensive Proteste gegen die Produktpolitik Monsantos gab es in Europa, weshalb das Unternehmen auch im Mai 2013 erklärt hat, keine weiteren Anträge mehr auf Zulassung seiner Produkte in Europa zu stellen.

Aktuell muss sich Monsanto mit dem Umstand auseinandersetzen, dass der Wirkstoff Glyphosat durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wurde. Dieser Wirkstoff kommt auch im Herbizid Roundup zum Einsatz - einem der wichtigsten Umsatzbringer des Unternehmens

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff zur Bekämpfung von Unkraut. Neben Landwirten nutzen auch Städte und Unternehmen die Chemikalie, um ihre Grünflächen frei von Unkräutern zu halten. Bekanntestes Produkt ist Roundup, das sich Monsanto Anfang der 70er Jahre patentieren ließ. Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA überprüft momentan die Zulassung von Glyphosat und will noch in diesem Jahr entscheiden, ob der Einsatz des Pestizids begrenzt werden soll.

Die französische Umweltministerin Segolene Royal hat die Gartencenter in ihrem Land aufgefordert, das Unkrautvernichtungsmittel Roundup des US-Herstellers Monsanto aus dem Verkauf zu nehmen. "Frankreich muss den Kampf gegen Pestizide vorantreiben", sagte Royal.

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