T-Mobile USA: Vom Sorgenkind zum Star der Branche

T-Mobile USA: Vom Sorgenkind zum Star der Branche

John Legere lenkte T-Mobile in den USA mit unkonventionellen Methode in die Erfolgsspur.

Mit unkonventionellen Methoden machte T-Mobile USA Chef John Legere den Mobilfunkanbieter vom Problemkind zum Star der Branche. Nun konnte T-Mobile USA im nationalen Wettbewerb sogar den mächtigen Konkurrenten Sprint überholen. Auch an der Börse ist das Papier eine Bank.

Die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA, feiert einen historischen Erfolg: Erstmals in ihrer Geschichte zieht das Unternehmen am ewigen Rivalen Sprint vorbei und nimmt unter den US-Mobilfunkern den dritten Platz ein. Dabei war der das Unternehmen bis vor zwei Jahren das Sorgenkind des Mutterkonzerns. Nun macht die Deutsche Telekom mehr Umsatz in den USA als in ihrem Heimatmarkt, den sie im Namen trägt. Möglich machte die Trendwende ein neuer Chef für das US-Geschäft, neue Tarife und Milliarden-Geldspritzen aus Bonn. Geholfen hat auch die Ignoranz der mächtigen Rivalen in den USA: Sie nahmen die Offensive des Nachzüglers lange einfach nicht ernst.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen - bis Ende des letzten Jahrzehnts war das US-Geschäft Wachstumsmotor der Deutschen Telekom gewesen. Den Sprung über den Atlantik hatte sich die Bonner 2001 einiges kosten lassen: 40 Milliarden Euro machte der damalige Vorstandschef Ron Sommer für den Kauf des T-Mobile-Vorgängers Voicestream locker. Der Preis stellte sich als viel zu hoch heraus - ein Jahr später schrieb die Telekom 20 Milliarden Euro ab, vor allem wegen des US-Abenteuers. Aber Handys wurden in Amerika erst wesentlich später populär als in Europa - ein gewaltiger Aufholeffekt bescherte den Bonnern in Übersee lange gute Geschäfte. Das änderte sich 2009: Da T-Mobile in den Jahren des Booms zu wenig investiert hatte und das Netz löcherig war, nahmen die Kunden Reißaus. Bonn war ratlos. Der Befreiungsschlag sollte 2011 kommen, als der Verkauf des damals viertgrößten Mobilfunkers an US-Platzhirsch AT&T beschlossen wurde - zum Traumpreis von 39 Milliarden Dollar. Doch die US-Wettbewerbshüter stoppten die Transaktion. Der Kundenexodus beschleunigte sich. Trostpflaster waren drei Milliarden Dollar Entschädigung und wichtige Funkfrequenzen in den USA, die die Telekom von AT&T für die Vertragsauflösung bekam.

Der neue Chef

Symbolfigur der erneuten Wandlung von T-Mobile US zur Wachstumslokomotive ist John Legere. Den eigenwilligen Manager setzte der einstige Telekom-Chef Rene Obermann 2012 an die Spitze der zu diesem Zeitpunkt schwer angeschlagenen Amerika-Tochter. Legere bekam den Zuschlag, da er zuvor den Glasfaseranbieter Global Crossing erfolgreich auf Vordermann gebracht hatte. Dafür setzte er allerdings die Hälfte der Belegschaft vor die Tür. Bekannt für seinen rauen Umgangsstil versprach er einen baldigen Turnaround von T-Mobile US. Wegen seiner vollmundigen Ankündigungen hatte er bei Telekom-Vorständen bald den Spitznamen "Großmaul" weg. Doch Legere gab alles: Fortan wurde er zum Dauerbotschafter der Firma und trug bei öffentlichen Auftritten stets ein rosa T-Mobile-Hemd unter der schwarzen Lederjacke. Legendär ist sein Versuch, sich auf eine Party des Rivalen AT&T zu schleichen, weil sein Lieblings-Rapper dort spielte. Er wurde an die Luft gesetzt - die Presse berichtete darüber. Bis heute zieht er auf Twitter gerne über die Konkurrenz her.

Substanzieller für den Unternehmenserfolg war aber seine Tarifoffensive, die Mobilfunkkunden nicht mehr für Jahre an den Anbieter bindet, um ein subventioniertes Smartphone zu erhalten. T-Mobile-Kunden erhalten Gerät und Mobilfunkvertrag unabhängig voneinander. Erfolgreich war zudem das Angebot, neue Kunden aus den Laufzeitverträgen der Konkurrenz herauszukaufen. Dazu spendierte die Telekom ab 2012 einen milliardenteuren Netzausbau und schluckte den kleineren US-Konkurrenten MetroPCS. Nach jahrelangem Gefeilsche wurde T-Mobile im Frühjahr 2013 mit Apple handelseinig und nahm das in den USA extrem gefragte iPhone ins Programm. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Im zweiten Quartal 2013 verbuchte die Telekom zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder mehr Vertragskunden, die besonders lukrativ sind.

Der Erfolg

Nun gelang der Durchbruch: Mit 58,9 Millionen Kunden verdrängte T-Mobile im zweiten Quartal 2015 Sprint vom dritten Platz in der amerikanischen Mobilfunkbranche. Der Erzrivale zählte gut zwei Millionen Kunden weniger. Die US-Marktführer sind für die Deutschen aus eigener Kraft aber weiter unerreichbar: AT&T und Verizon zählen etwa doppelt so viele Handykunden wie T-Mobile.

Auf ihren Lorbeeren kann sich die Telekom in den USA nicht ausruhen: Nächstes Jahr steht eine große Versteigerung von Funkfrequenzen an. Davor benötigt T-Mobile einen Partner mit tiefen Taschen. Nach geplatzten Übernahmeverhandlungen mit Sprint spricht die Telekom nach Aussagen von Insidern vom Juni mit dem US-Fernsehbetreiber Dish über eine Kombination. Das US-Abenteuer ist noch nicht zu Ende.

Auch an der Börse ist T-Mobile USA weiter ein Trendig Topic. Aktuell notiert das Papier bei gut 40 Dollar. Als Legere an die Spitze des Unternehmens kam dümpelte der Kurs bei gut fünf Dollar dahin. Aktueller Kurs T-Mobile USA

Auch die Aktie von T-Mobile USA wurde mit John Legeres Arbeitsbeginn zum Erfolgspapier.

Wirtschaft

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Wirtschaft

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab

Wirtschaft

ILO-Trendbericht: Arbeitslosigkeit nahm 2015 global zu