Starker Franken lässt Schweizer um ihre Jobs zittern

Starker Franken lässt Schweizer um ihre Jobs zittern

Durch die Aufhebung des Mindestkurses zwischen Euro und Schweizer Franken wurden Schweizer Produkte im Ausland zu teuer. Unternehmen mussten daher die Preise senken, machen weniger Umsatz und müssen nun Mitarbeiter kündigen. Die niedrigen Zinsen helfen zwar, nähren aber zugleich die Gefahr einer Immobilienblase.

Drei Jahre lang hielt die Schweizer Nationalbank an der Kurs-Untergrenze von 1,20 Franken fest, bis diese Politik Mitte Jänner überraschend aufgegeben und der Schweizer Franken dadurch schlagartig aufgewertet wurde. Für die Schweizer wurden Waren aus dem Ausland dadurch billiger – doch abgesehen davon bringt der starke Franken etliche Nachteile mit sich: Der inländische Handel schwächelt ebenso wie exportorientierte Unternehmen, Jobkürzungen werden befürchtet und sogar von einer Immobilienblase ist nun die Rede.

Link: Wechselkurs Euro/Franken

Durch die Aufwertung des Schweizer Franken wurden Schweizer Waren im Ausland deutlich teurer. Daher haben Unternehmen ihre Verkaufspreise gesenkt, um gegen internationale Konkurrenten bestehen zu können. Dies drückt auf den Ertrag, weshalb in naher Zukunft Mitarbeiter gekündigt werden müssen: Laut einer Umfrage der ETH Zürich unter 4500 Unternehmen gab ein Fünftel an, die Zahl der Mitarbeiter reduzieren zu wollen, lediglich acht Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen. Ein noch tristeres Bild zeichnet eine Erhebung der Beratungsgesellschaft Deloitte unter Finanzvorständen: 82 Prozent der Unternehmen wollen ihre Personalkosten reduzieren, heißt es von den Beratern.

Bestätigt werden die Studien der Wissenschaftler und Berater inzwischen auch von der Politik. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagte im Interview mit der „Schweiz am Sonntag“, dass er mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechne: Das „tiefe Niveau“ von 3,1 Prozent werde man in den kommende Monaten kaum halten können – mit großen Kündigungswellen rechnet er aber nicht.

Stimmung auf dem Tiefpunkt

Die Stimmung der Konsumenten leidet jedenfalls unter der volkswirtschaftlichen Gesamtlage. Der Index der Konsumentenstimmung fiel in der Juli-Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) um 13 Zähler auf minus 19 Punkte – das ist der tiefste Wert seit vier Jahren. Besorgt sind die Bürger vor allem in Hinblick auf ihre Arbeitsplätze, sowie die wirtschaftliche Gesamtentwicklung. Kein Wunder: Die SNB hat ihre Wachstumsprognose für diese Jahr auf ein Prozent halbiert; Thomas Gitzel, Chef-Ökonom der Liechtensteiner VP Bank, schätzt gar, dass sich das Wachstum auf 0,7 Prozent abschwächen wird.

Neben den exportorientierten Unternehmen leiden auch jene, die ihre Waren im Inland verkaufen – denn auch sie müssen sich gegen die deutlich günstigere ausländische Konkurrenz behaupten. Besonders stark leiden Betriebe in grenznahen Regionen wie der Ostschweiz und der Nordwestschweiz. Die niedrigen Preise im Ausland verleiten hier zu Einkaufstourismus im nahegelegenen Ausland. Die Umsatzeinbußen werden von den Einzelhändlern an den Großhandel weiter gegeben, wodurch auch dieser Einbußen hinnehmen muss.

Außerdem kämpft der Tourismus damit, dass Besucher angesichts der hohen Preise um die Schweiz einen großen Bogen machen: Die Zimmer sind spärlich belegt und man rechnet damit, dass die Preise weiter sinken müssen, heißt es von der ETH Zürich. Einen Lichtblick gibt es immerhin in der Gastronomie: Hier hat das schöne Wetter die Effekte der Geldpolitik wettgemacht, mittlerweile wird die Geschäftslage sogar besser eingeschätzt als zu Beginn des Jahres.

Niedrige Zinsen blähen den Immo-Markt auf

Um durch massive Geldströme aus dem Ausland eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern, hat die SNB Negativzinsen eingeführt; Einlagen bei der Zentralbank werden mit einer Gebühr von 0,75 Prozent belastet. Das hat zumindest wieder zu einem leichten Abwertung des Franken gegenüber dem Euro geführt: Im vergangenen Monat gewann der Euro gegenüber dem Franken um 3,97 Prozent; aktuell bekommt man für einen Euro 1,08 Franken.

Zugleich treiben die niedrigen Zinsen aber den Immobilienmarkt an. Denn nachdem Kredite nun billig sind, wird mehr in Eigenheime investiert; Investoren kaufen Immobilien angesichts mangelnder Alternativen. Die Preise für Eigenheime sind daher im zweiten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um knapp zwei Prozent gestiegen, das Hypothekarvolumen von Privathaushalten hat um 3,5 Prozent zugenommen.

Die Gefahr einer Immobilienblase nimmt daher nun zu, wie des Immobilienblasenindex der Großbank UBS zeigt: Er ist im zweiten Quartal so stark gestiegen wie seit 2012 nicht mehr und liegt mit einem Wert von 1,37 nun im Risikobereich – ab einem Wert von Zwei würde man von einer Blase sprechen.

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