Nur ein Sommerloch? Deutsche Unternehmen drosseln Produktion

Nur ein Sommerloch? Deutsche Unternehmen drosseln Produktion

Automobilproduktion in Deutschland

Ist es nur ein Sommerloch oder der Beginn eines Wirtschaftsabschwungs? Deutschlands Unternehmen haben im Juni ihre Produktionen überraschend zurückgeschraubt. Auch bei den Exporten hat das Bundeswirtschaftsministerium einen Rückgang verzeichnet.

Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz eines Durchhängers in Produktion und Außenhandel voraussichtlich auf Wachstumskurs. Die Firmen stellten im Juni 1,4 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Es ist der stärkste Rückgang seit August 2014. Viele Experten wurden davon überrascht, denn sie hatten mit einem leichten Plus gerechnet. Auch die Exportdaten fielen enttäuschend aus: Die Ausfuhren sanken um 1,0 Prozent und damit doppelt so stark wie erwartet. Da das erste Halbjahr die Erwartungen des Außenhandels jedoch übertroffen hat und Firmen reichlich mit Aufträgen eingedeckt sind, spricht vieles für ein anziehendes Wirtschaftswachstum im Frühjahr.

Das Wirtschaftsministerium rechnet trotz des Durchhängers im Juni damit, dass sich "der moderate Aufwärtstrend" in der Industrie fortsetzt. Auch Experten sehen keine Gefahr für den Aufschwung. Dennoch revidierte die Großbank UniCredit ihre Prognose für das zweite Quartal von 0,5 Prozent auf 0,4 Prozent. Damit wäre das Wachstum nur noch einen Tick höher als im Winter mit einer Zuwachsrate von 0,3 Prozent.

Warten auf offizielle Zahlen

Das Geheimnis wird am kommenden Freitag gelüftet, wenn die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht werden. Angesichts der zuletzt enttäuschenden Daten dürfte das von vielen Volkswirten angepeilte Plus von 0,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwas zu hoch gegriffen sein.

Volkswirte erwarten ein Plus von etwa 0,4 Prozent. Im ersten Quartal hatte die hiesige Wirtschaft um 0,3 Prozent zugelegt. Grund zum Optimismus bietet vor allem die gute Auftragslage der Industrie: Die Bestellungen zogen im Frühjahr mit 3,0 Prozent so stark an wie seit Jahren nicht mehr.

Außenhandel lässt hoffen

Auftrieb könnte insbesondere der Außenhandel geben. "Es gibt zwar keinen Rückenwind von der Industrie, aber der Außenhandel dürfte einen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum geleistet haben", sagt Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Außenhandelspräsident Anton Börner verweist darauf, dass insbesondere der günstige Euro für Schub sorgt. Denn durch die Stärke des Dollar werden deutsche Exportgüter in Übersee günstiger. Die Gemeinschaftswährung hat von Mitte 2014 bis Juni 2015 fast 20 Prozent an Wert eingebüßt.

Dieser Wechselkurseffekt wird besonders deutlich, wenn man die Juni-Daten 2015 mit dem Vorjahresmonat vergleicht: So zogen die Ausfuhren in Staaten außerhalb der Europäischen Union um fast 16 Prozent an. Bei den Exporten in Länder der Euro-Zone lag das Plus hingegen nur bei 11 Prozent. Die Außenhandelsbilanz wies von Januar bis Juni einen Überschuss von 123,7 Milliarden Euro aus. "Die jüngsten Ergebnisse unterstreichen, dass Handelspartner wie etwa Frankreich, USA und England, immer noch die wichtigsten Absatzmärkte sind", meint Börner. Ein Börsencrash in China und das Abebben des Booms in der Volksrepublik hatten die Furcht genährt, dass die Weltwirtschaft an Schwung verlieren könnte und dies auch die deutschen Exporteure verstärkt zu spüren bekommen würden.

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