FIFA legt Finanzbericht vor: Rekorderlös, Gewinn halbiert

FIFA legt Finanzbericht vor: Rekorderlös, Gewinn halbiert
FIFA legt Finanzbericht vor: Rekorderlös, Gewinn halbiert

Kein Heimspiel mehr: FIFA-Chef Sepp Blatter muss sich auch auf Nachfragen zum Vier-Jahres-Ergebnis gefasst machen.

Am Tag nach der Festnahme von sieben FIFA-Funktionären hat die FIFA ihre Geschäftszahlen für die Jahre 2011 bis 2014 veröffentlicht. Trotz der Rekorderlöse hat sich der Gewinn halbiert. Bei der Fußball-WM in Brasilien wurde das Budget um 26 Millionen Dollar überschritten.

Einen Tag nach der Festnahme von sieben hochrangigen FIFA-Funktionären und einen Tag vor der geplanten Neuwahl des FIFA-Präsidenten hat der skandalumwitterte Fußball-Weltverband seine Bilanz für die Jahre 2011 bis 2014 veröffentlicht. Es ist eine Bilanz, deren Zahlen weiter am Verbandspräsident Sepp Blatter rütteln.

"Das Turnier war sportlich ein voller Erfolg und ein großartiger Abschluss für den Finanzzyklus 2011–2014", meint FIFA-Chef Sepp Blatter im Vorwort des heute veröffentlichten FIFA-Finanzbericht 2014. Die Lobeshymnen auf das WM-Turnier in Brasilien, das vorangegangene WM-Turniere aus FIFA-Sicht freilich in den Schatten stellte, hat dennoch einen schalen Nachgeschmack. Und nicht nur wegen der derzeitigen Ermittlungen gegen sieben aktive FIFA-Funktionäre sowie acht weiteren Sportmanagern im Umfeld der FIFA, sondern auch die Gewinnhalbierung und steigende Aufwendungen dürften noch Fragen aufwerfen.

Bei Zahlen, Daten und Fakten gibt sich die FIFA weitgehend zugeknöpft. Auch der nun veröffentlichte Finanzreport 2014 lässt einige Fragen offen. Die Finanzzahlen werden - wie auch dieses Mal - offiziell mit der Eröffnung vom FIFA-Congress, der Jahresversammlung der Delegierten aus den 209 FIFA-Mitgliedsverbänden, präsentiert. Nur das Nötigste veröffentlicht die FIFA, die als Milliarden-Konzern noch immer in der Rechtsform eines Vereins nach Schweizer Recht bilanziert. Ein Verein, der eigenen Angaben zufolge nicht gewinnorientiert arbeitet.

Der Finanzbericht 2014 konterkariert dies. Die FIFA ist alles andere als ein Verein mit einem Einnahmen- und Ausgaben-Gebahren, bei dem unterm Strich bestenfalls eine schwarze Null steht. Und vielleicht ein Notgroschen noch auf die hohe Kante gelegt wird.

Rekordertrag und Gewinnhalbierung

Die Freude dürfte auch wegen der offiziellen Zahlen ein wenig gedämpft sein. Die von einem Rekordergebnis zum nächsten eilende FIFA, hat auch beim Ergebnis einen Kratzer. Trotz Rekordeinnahme von 5,7 Milliarden Dollar für Rechnungszeitraum der Jahre 2011 bis 2014, was einer Steigerung von 32 Prozent entspricht, sinkt der Profit. Der Verein FIFA hat gegenüber dem vorigen Vier-Jahres-Abrechnungszeitraum unterm Strich 338 Millionen Dollar verdient. Die ist gerade etwas mehr als die Hälfte des Gewinns aus der vorigen Abrechnungsperiode der Jahre 2007 bis 2010, als noch 631,2 Millionen Dollar Profit in die Kassen geflossen sind.

Allein aus der Fußball-WM 2014 in Brasilien - laut FIFA "ein enormer Erfolg" - spülte Erträge in Höhe von 4,826 Millionen Dollar in die Kassen des Weltfußballverbands. Der Gesamtaufwand wurde mit 2,224 Millionen Dollar beziffert - unterm Strich blieben hier der FIFA nach dem Turnier satte 2,6 Milliarden Dollar.

Ein Grund für den Rückgang des Profits: Die FIFA hat zuletzt mehr Geld für die Fußball-Weltmeisterschaft aufwenden müssen - um rund eine Milliarde Dollar mehr als vor vier Jahren. Unter der Position "Aufwand für Entwicklungsprojekte" (siehe Grafik) hat die FIFA auch tiefer ins die Tasche gegriffen und um rund 250 Millionen Dollar mehr ausgeben (plus 32 Prozent).

Das lokale Organisationskomitee bei der Fußball-WM in Brasilien hat ursprünglich ein Budget in der Höhe von 478 Millionen Dollar erhalten (siehe Grafik) . Das Schlussbudget war um 26 Millionen Dollar höher - laut Finanzreport wurden 453 Millionen Dollar ausgegeben. Fremdwährungsschwankungen, Kosteneinsparungen und Aufgabenverlagerungen zwischen der FIFA und dem lokalen Organisationskomitee in Brasilien wurden von der FIFA als Gründe genannt.

Die eiserne Reserve

Und dennoch: Das Reservepolster wurde weiter befüllt. Die FIFA schaufelt gegenüber dem Vorjahr kräftig nach. Die Rücklagen wurden um 6,4 Prozent auf 1,523 Milliarden Dollar erhöht. Gegenüber dem vorigen Abschluss im Jahr 2010 beträgt die Steigerung sogar satte 18 Prozent. Die FIFA nennt das in seinem Finanzbericht ein "solides Reserve-Niveau".

Angaben zu bezahlten Steuern verkneift sich die FIFA. In Anhang heißt es dazu: "Ein Nachweis des effektiven Steuersatzes, bezogen auf das konsolidierte Jahresergebnis, würde keine Aussagekraft haben. Ein solcher Nachweis wurde deshalb auch nicht durchgeführt. Es wurden keine Steuern in der Gesamtergebnisrechnung verbucht." In der konsolidierten Erfolgsrechnung erscheint unter der Position "Steuern und Abgaben" eine Steuerbelastung von rund 75,2 Millionen Euro für insgesamt vier Jahre.

Ebenso werden die Gehälter des FIFA-Präsidenten nicht bekanntgegeben. Unter Personalaufwand ist sein Gehalt mit dem der 474 Mitarbeiter als eine Position mit insgesamt 397 Millionen Dollar angegeben. Pro Jahr beläuft sich der Personalaufwand (Gehalt plus Sozialabgaben) pro FIFA-Mitarbeiter auf 209.388,18 Dollar (Pro Monat bei 13 Gehältern: 16.106,78 Dollar).

Der Finanzbericht 2014 ist freilich testiert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat dem Abschluss den Prüfungsvermerk gegeben. Die Abrechnung über das Ticketing beim WM-Turnier wurde von der Prüfungsgesellschaft EY bestätigt.

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