Schwacher Euro als Konjunkturmotor für Europas Wirtschaft

Schwacher Euro als Konjunkturmotor für Europas Wirtschaft
Schwacher Euro als Konjunkturmotor für Europas Wirtschaft

Die OMV liegt im Ranking der umsatzstärksten Konzerne Europas auf Platz 51.

In der Analyse die 300 größten Konzerne Europas und der USA hat das Beratungsunternehmen EY Defizite in der Struktur der europäischen Wirtschaft ausgemacht: Die großen US-Unternehmen sind moderner aufgestellt und auch profitabler. Der schwache Euro ist für Europas Konzerne allerdings eine Chance aufzuholen.

Hoffnung für Europas Wirtschaft: Im Jahr 2015 werden die europäischen Unternehmen dank des niedrigen Euro-Kurses einen deutlichen Wachstumsschub erleben - meint Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich, angesichts der nun präsentierten EY Analyse "Top 300 Europa - USA". Das weltweit tätige Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young) hat dafür die Performance der jeweils 300 umsatzstärksten Konzerne beider Kontinente verglichen. Aus Österreich wurden dabei auch die OMV (Platz 51), die voestalpine (Platz 164) und Andritz (Platz 271) untersucht.

"Vor allem die stark internationalisierten Unternehmen, die einen erheblichen Anteil ihres Umsatzes im außereuropäischen Ausland erwirtschaften, werden stark von positiven Währungseffekten profitieren. Es ist zu hoffen, dass sie diese günstigen Rahmenbedingungen nutzen, um ihre Profitabilität nachhaltig zu steigern", sagt Schwartz. Für die US-Konzerne schrumpfen dagegen die in Euro erzielten Einnahmen bei der Umrechnung in die eigene Währung durch den aufgewerteten Dollar. „Der Höhenflug des Dollar führt dazu, dass die Geschäfte mit dem Ausland für US-amerikanische Unternehmen teurer werden“, sagt Schwartz. „Inzwischen machen sich die negativen Effekte in der amerikanischen Volkswirtschaft bemerkbar. So fiel das Jobwachstum im März nur halb so hoch aus wie erwartet – die Firmen fahren durch den starken Dollar niedrigere Gewinne ein und reagieren entsprechend vorsichtig. Abzuwarten bleibt, wie die US-amerikanische Notenbank reagiert. Dennoch dürfte sich im laufenden Jahr das Kräfteverhältnis ein wenig angleichen.“

Die zehn umsatzstärksten Konzerne Europas und der USA

Europas Probleme

Der positive Effekt für Europa ist allerdings auch bitter nötig, denn der EY-Performance-Vergleich zeigt, dass die europäischen Unternehmen trotz der leichten wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone die Trendwende immer noch nicht geschafft haben und zudem durch die strukturellen Probleme in Europa gebremst werden. Die hohen Arbeitslosenzahlen und die hohen Staatsverschuldungen vieler europäischer Staaten sind die größten Problemfelder.

Im Vorteil ist die Wirtschaft der USA auch durch die in den Staaten deutlich ausgeprägtere Innovations- und Unternehmerkultur. So dominiert etwa unter den Top-300 Europas die Old Economy. Die meisten Unternehmen kommen aus den Bereichen Industrie (66), Versorger (30), Öl und Gas (24) sowie Bergbau/Metallgewinnung (23). In den USA ist der Anteil der Industrie (42) deutlich geringer. Dafür sind Bereiche wie Groß- und Einzelhandel (32), Informationstechnologie (30) sowie Gesundheitswesen (26) deutlich stärker vertreten als in Europa. Schwartz: „Die US-Unternehmen sind in Branchen unterwegs, in denen die Margen erheblich höher sind. Mit Margen von zwölf Prozent oder mehr zeigten sich in den USA insgesamt zehn Branchen besonders profitabel, in Europa nur sechs.“ Obendrein wirtschaftet die US-Konkurrenz wesentlich profitabler. Während in den USA sowohl die kumulierten Umsätze als auch die Gewinne zulegten, sanken beide Werte in Europa.

Umsatz: US-Unternehmen legen zu, Europa mit leichetm Minus

Europas Wirtschaftsmotoren

Deutschlands Unternehmen helfen, die Bilanz Europas 2014 zumindest ein bisschen aufzuhellen: Zwar kommen nur 40 der Top-Unternehmen aus Deutschland (Platz 3 im Europa-Ranking), dafür steuern sie mit 1,4 Billionen Euro den größten Umsatzanteil bei. Zusammen mit den russischen Unternehmen sind die deutschen Top-Konzerne die einzigen, die in der Gesamtheit sowohl Umsatz als auch Gewinnmarge steigern konnten.

Der Umsatz der deutschen Unternehmen entwickelte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent nach oben. Neben den deutschen steigerten auch die schwedischen (+6,8%), die russischen (+5,4%) und die italienischen (+0,1%) Unternehmen ihre Umsätze. Das positive Abschneiden der russischen Wirtschaft ist vor allem Wechselkurseffekten geschuldet. Die recht einseitig strukturierte russische Wirtschaft, die vor allem aus Öl- und Gasunternehmen sowie Unternehmen aus Bergbau und Metallgewinnung besteht, rechnet international in Dollar ab, bilanziert aber in Rubel. Durch den niedrigen Rubelkurs im vergangenen Jahr entstanden durch die Währungseffekte teils hohe Gewinne.

Die EBIT-Kaiser aus Europa und den USA

Neben dem schwachen Euro sollte der europäischen Wirtschaft im Jahr 2015 auch der anhaltend niedrige Ölpreis zu Gute kommen. Schwartz: „Bisher konnte die US-Wirtschaft von niedrigen Energiekosten profitieren, während die europäischen Unternehmen unter dem hohen Ölpreis litten. Inzwischen hat sich die Lage in Europa deutlich entspannt, die Energiepreise sind stark gesunken – damit entfällt ein wichtiger Wettbewerbsnachteil der europäischen Wirtschaft“.

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