Von Ternitz nach Teheran: SBO sieht Chance im iranischen Öl-Business

Von Ternitz nach Teheran: SBO sieht Chance im iranischen Öl-Business

Gerald Grohmann, CEO von Schoeller-Bleckmann Oilfield: "Für uns ist es positiv, dass der Iran investieren muss."

Gerald Grohmann, CEO des österreichischen Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO), spricht mit format.at über Geschäftschancen im Iran, die Auswirkung des Atomdeals auf den Ölpreis und die Entwicklung der SBO-Aktie.

Der Iran hat die viertgrößten Ölreserven und die zweitgrößten Gasreserven der Welt; eine Einigung in Wien über ein Ende der Sanktionen sorgte dementsprechend für Unruhe an Rohstoffmärkten und Spekulationen über Geschäftschancen für westliche Konzerne in der islamischen Republik – dabei ist es noch zu früh, um über konkrete Pläne zu sprechen. „Für die Weltsicherheit ist es gut, dass es das Abkommen gibt“, sagt Gerald Grohmann, CEO des österreichischen Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO), im Gespräch mit format.at: „Die Auswirkungen auf den Öl- und Gasmarkt werden sich aber nur schrittweise zeigen.“

So müssen vorerst noch weitere politische Hürden genommen werden – etwa eine Bestätigung im US-Kongress, gegen den Israel massiv Lobbying betreibt. Hinzu kommt, dass die Sanktionen zu einem Rückgang der Produktion im Iran geführt haben; bis also das volle Potenzial genutzt werden kann, müssen erst mal wieder die Produktionskapazitäten ausgebaut werden – und das kann ein paar Jahre dauern. „Für uns ist es positiv, dass sie investieren müssen“, sagt Grohmann. Andererseits ist der Markt bereits jetzt – unter anderem durch den Fracking-Boom in den USA – gut versorgt, das iranische Öl und Gas wird nur schrittweise auf den Markt kommen.

Bei großen Partnern im Gepäck

Potenzial für sein Unternehmen sieht Grohmann im Iran auf jeden Fall. Er erwartet, dass große internationale Player – darunter Halliburton, Schlumberger, Weatherford und Baker Hughes - fix in den Markt einsteigen; und als deren Zulieferer ist SBO mit an Bord. In weiterer Folge will Grohmann ausloten, ob auch ein Direktgeschäft im Iran möglich ist. Bereits im Jahr 2009 hatte das Unternehmen aus Ternitz Verträge im Iran unterschrieben – doch dann machten die Sanktionen dem Deal einen Strich durch die Rechnung; inzwischen haben sich Ansprechpersonen und Zuständigkeiten geändert, die Verträge sind nicht mehr gültig.

Sorge um Konkurrenten im neuen Markt hat Grohmann nicht: „Freilich schaut jetzt jeder auf den Iran, aber für uns ist das keine neue Situation“, sagt er: Als Weltmarktführer mit über 50 Prozent Marktanteil im Kerngeschäft und einer guten Beziehung zu den wichtigsten Kunden sei man zudem gut aufgestellt.

Aktie verlor über 40 Prozent in zwölf Monaten

Mit einem Minus von 41,4 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten ist SBO die schwächste Aktie im heimischen Leitindex ATX, die Marktkapitalisierung liegt mittlerweile unter einer Milliarde Euro; der Umsatz gab vom ersten Quartal 2014 zum ersten Quartal 2015 um 4,4 Prozent nach, das EBIT brach um 26,3 Prozent ein, die Auftragseingänge gingen im ersten Quartal um rund 50 Prozent zurück.

Grund dafür sind nicht etwa die Russland-Sanktionen, denn diese haben das Geschäft laut Grohmann kaum beeinflusst – sondern der niedrige Ölpreis. Denn da für die Ölunternehmen die Umsätze nicht mehr so stark sprudeln wie zuvor, halten sie sich mit ihren Investitionen zurück. Dementsprechend verhält sich die Aktie der SBO auch analog zum Ölpreis. Ob das bedeutet, dass sich mit einem steigenden Ölpreis auch für die SBO-Aktionäre ein Licht am Ende des Tunnels zeigt? „Das hoffe ich“, sagt Grohmann: „Die Zukunft wird es zeigen.“

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