Russischer Automarkt stürzt immer tiefer

Die Zeiten in denen Präsident Putin europäische Modelle propagiert hat, sind vorbei. Sanktionen und Rubelschwäche drücken auf den Autoabsatz in Russland.

Die Zeiten in denen Präsident Putin europäische Modelle propagiert hat, sind vorbei. Sanktionen und Rubelschwäche drücken auf den Autoabsatz in Russland.

Die Neuwagen-Verkäufe in Russland sind im März um 43 Prozent eingebrochen. MAN setzt seine Lkw-Produktion in Russland aus. Der Konzern folgt mit dem vorübergehenden Aus in Russland anderen Herstellern. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Der russische Automarkt gerät immer mehr unter Druck. Im März seien mit knapp 140.000 Neuwagen 42,5 Prozent weniger verkauft worden als ein Jahr zuvor, teilte der Branchenverband AEB am Mittwoch mit. Damit beschleunigte sich die Talfahrt weiter, nachdem der Absatz im Februar schon um 38 Prozent zurückgegangen war. Gründe seien die hohe Inflationsrate und ein Run auf die Autohäuser Ende vergangenen Jahres, so AEB. Viele Kunden hätten sich im Dezember noch schnell zum Kauf entschlossen, bevor die Rubel-Schwäche ihr Ersparnisse aufzehrt und die Autohersteller zu Preiserhöhungen zwingt. Inzwischen reagieren immer mehr Hersteller auf die Marktschwäche in Russland. So stoppt der Lastwagenbauer MAN seine Russland-Produktion.

Der März sei schlecht gelaufen, räumte AEB ein. Allerdings sei das Ergebnis nicht sehr viel schwächer ausgefallen als erwartet. "Früher oder später wird sich die Lage stabilisieren, aber dieser Punkt ist noch nicht erreicht." Die Branchenvereinigung macht sich im Gesamtjahr 2015 auf einen Absatzrückgang von gut 24 Prozent gefasst. Nach jahrelangem Zuwachs bekommt die russische Autobranche seit 2014 die Krise schmerzhaft zu spüren. Die russische Wirtschaft leidet unter dem niedrigen Ölpreis und den Sanktionen, die der Westen im Streit über die Moskauer Ukraine-Politik verhängt hat.

Bei MAN sei die Fertigung am Standort Sankt Petersburg bereits am 1. März gestoppt und bis 12. Mai ausgesetzt worden, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht der russischen Zeitung "Kommersant". Der Konzern baut nach eigenen Angaben in Sankt Petersburg mit 88 Mitarbeitern eine dreistellige Zahl an Lastwagen im Jahr.

MAN folgt auf eine Reihe anderer Unternehmen, die ihre Produktion in Russland zurückfahren oder ebenfalls unterbrechen. Opel zieht sich zur Jahresmitte komplett aus Russland zurück. Bei der MAN-Schwester Scania laufen weniger Lastwagen vom Band. Der gemeinsame Mutterkonzern der beiden Lkw-Hersteller, Volkswagen, hat die Produktion im Werk Kaluga südlich von Moskau gekürzt und baut Stellen ab. Auch Peugeot und Mitsubishi wollen die Fertigung in Kaluga aussetzen.

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