Rubel- und Ölkrise: S&P stuft Russland auf Ramschniveau

Rubel- und Ölkrise: S&P stuft Russland auf Ramschniveau

Der russische Finanzminister Anton Siluanow.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonität Russlands geprüft und auf Ramschniveau herabgestuft. Finanzminister Anton Siluanow kritisiert die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Russlands als "übertrieben pessimistisch".

Der russische Finanzminister Anton Siluanow hat die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Russlands auf "Ramschniveau" als "übertrieben pessimistisch" kritisiert. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonität des Landes am Montagabend auf "BB+" von "BBB-" heruntergestuft. Der Ausblick sei negativ, fügten die Experten hinzu und signalisierten damit eine mögliche weitere Verschlechterung der Note in den kommenden Monaten. Standard & Poor's habe bei ihrem Schritt die starken Seiten der russischen Wirtschaft nicht berücksichtigt, sagte Siluanow der Agentur Tass zufolge in Moskau.

Als Beispiele nannte er hohe Währungsreserven des Landes und eine niedrige Staatsverschuldung. Zuvor hatte Vizeregierungschef Igor Schuwalow gesagt, die Bewertung Russlands durch internationale Ratingagenturen habe oft auch politische Gründe.

Russland muss zittern

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Russlands auf Ramsch-Niveau hat der Moskauer Börse am Dienstag einen weiteren Schlag versetzt. Der Aktienindex RTS brach um bis zu 4,9 Prozent ein. Verkäufe russischer Dollar-Anleihen trieben die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit bis 2043 auf 7,114 Prozent von 7,082 Prozent am Vortag. Gleichzeitig verteuerten sich die Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Russlands.

Daraufhin verteuerte sich am Markt für Credit Default Swaps (CDS) die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall um 12.000 auf 601.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit am Dienstag mit. Der durch Kapitalflucht und den massiven Verfall der Ölpreise unter Druck geratene russische Rubel reagierte mit starken Verlusten von gut sieben Prozent auf die Mitteilung. Am Dienstag zog der Rubel zum Dollar dagegen etwas an und machte einen Teil seiner Vortagesverluste wett.

Die Herabstufung auf "Ramschniveau" bedeutet, dass Geldanlagen in Staatstitel Russlands als hochspekulativ eingestuft werden. Auch die weiteren Aussichten der russischen Wirtschaft werden negativ beurteilt.Russland droht in diesem Jahr wegen der westlichen Sanktionen und des Ölpreiseinbruchs eine tiefe Rezession.

Finanzexperten in Moskau äußerten sich nach der jüngsten Abstufung durch S&P skeptisch zur weiteren Entwicklung der Wirtschaft. "Der Markt hat diesen Schritt erwartet, deshalb ist die Reaktion nicht so stark. Wenn aber der Erdölpreis weiter sinkt und die Ukraine-Krise eskaliert, könnten die anderen Ratingagenturen nachziehen", meinte Ökonom Oleg Kusmin. Sein Kollege Wladimir Tichomirow sagte in Moskau: "Selbst wenn sich die Lage geopolitisch und wirtschaftlich stabilisiert, wird die Erhöhung des Ratings eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen." Die Belastung für Russland bleibe vorerst hoch.

Kremlchef Wladimir Putin hatte am Montag ein Treffen mit Abgeordneten angekündigt, um einen Plan für wirtschaftliche Impulse zu erstellen.

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