Russland: Das Rubel-Los

Die EU-Sanktionen treffen die russische Wirtschaft härter als erwartet. Abwertung des Rubels, billiges Öl und Handelsembargo bringen das Land an den Rand der Rezession.

Russland: Das Rubel-Los

Russlands Bevölkerung leidet unter Sanktionsfolgen: Jobverlust und eingeschränktes Warenangebot. Putin reagiert mit Härte - wie beim Aus für South Stream.

Die EU-Sanktionen treffen die russische Wirtschaft härter als erwartet. Abwertung des Rubels, billiges Öl und Handelsembargo bringen das Land an den Rand der Rezession.

Nicht nur auf den westsibirischen Gasfeldern ist es, jahreszeitlich bedingt, derzeit meist finster. Auch ein Hauptabnehmer des Energieträgers, die OMV, tappt im Dunkeln. Der offenbar unerwartete Stopp des Projekts der South-Stream-Pipeline traf die westeuropäischen Partner der Russen unvorbereitet und ist mehr durch machtpolitische Logik als durch wirtschaftliche Vernunft zu erklären. Denn Präsident Wladimir Putin hat zeitgleich erklärt, Energielieferungen in die Türkei zu erhöhen, zu für Russland deutlich schlechteren Konditionen. Gepaart mit der wirtschaftspolitischen Umorientierung in Richtung China und andere asiatische Länder drängt sich der Verdacht auf, Putin wolle der EU eins auswischen und revanchiere sich für die schmerzvollen Sanktionen gegen Moskau. Lange hat er deren Auswirkung heruntergespielt, aber das gelingt immer weniger.

Wirtschaft mit Wodka-Kater

Tatsächlich treffen die Handelsbeschränkungen, Kontensperren und Finanzierungsrestriktionen die russische Wirtschaft härter als zunächst erwartet. Die Fakten zeichnen ein düsteres Bild: Der Rubel ist in den vergangenen drei Monaten um rund 25 Prozent gefallen, seit Jahresbeginn gar um 40 Prozent. Die Währung befindet sich auf dem tiefsten Stand seit der Russland-Krise 1998. Um den Verfall aufzuhalten, greift die russische Notenbank jetzt zu ihren Dollarreserven. 700 Millionen Greenbacks wurden zuletzt aus Devisenbeständen verkauft, wie aus Zentralbankdaten hervorgeht. Der Erfolg hält sich allerdings in Grenzen.

Hinzu kommt der niedrige Ölpreis, der die Finanzkraft von Putins Reich deutlich schwächt. Zuletzt notierte ein Barrel der Sorte Brent unter 68 Dollar - Russland braucht aber einen Preis von 90 bis 96 Dollar, um eine Rezession abwehren zu können. Denn die Regierung bestreitet über drei Viertel ihrer Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Energieträger. Und schon jetzt haben russische Unternehmen über 500 Milliarden an Auslandsschulden angehäuft. 130 Milliarden davon müssen spätestens bis Ende 2015 bezahlt werden. Die russischen Banken mit Staatsnähe leiden unter Zahlungsverkehrseinschränkungen, Refinanzierungssperren und einer atmosphärischen Abwehrhaltung europäischer und amerikanischer Partnerbanken. BNP Paribas hat sogar sämtliche Geschäftsbeziehungen zur mehrheitlich staatlichen VTB-Bankengruppe beendet.

Lesen Sie den ganzen Artikel in FORMAT Nr. 49/2014
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