Konkurrenz für Banken: Online-Geschäft wandert zu PayPal & Co

Konkurrenz für Banken: Online-Geschäft wandert zu PayPal & Co

Noch kommt kaum ein Händler an PayPal vorbei. Hoffnung setzt der Handel deshalb in den Bezahldienst Paydirekt.

Elektronische Zahlungssysteme sind auf dem Vormarsch. Bereits heute werden rund ein Viertel der Online-Käufe über den Marktführer PayPal abgewickelt, der mit dem einstigen Mutterkonzern und Internet-Shopping-Pionier Ebay groß wurde.

Einen weiteren Schub für elektronische Verfahren erwarten Experten, wenn die Kunden künftig mit ihren mobilen Geräten in den Geschäften vor Ort bezahlen können. "Das Smartphone ist dafür prädestiniert, sowohl das mobile Bezahlen im stationären Handel als eben auch das elektronische Bezahlen im Internet anzustoßen", erläutert Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE. Der Handel hofft dabei auf Konkurrenz unter verschiedenen Bezahldiensten, damit die Gebühren sinken - etwa durch den geplanten Bezahldienst Paydirekt der deutschen Banken.

Mittlerweile bezahlen die Konsumenten ihre Online-Einkäufe ebenso häufig per Paypal wie per Rechnung, wie eine Studie des E-Commerce-Centers ECC zeigt. Jeweils 24 Prozent klickten diese beiden Zahlungsoptionen an. Nur bei hohen Beträgen oder bei einkalkulierten Retouren werde die Rechnung noch favorisiert, erklärt Zahlungsverkehrsexperte Oliver Hommel vom Beratungsunternehmen Accenture. So entfiel 2014 dem Handels-Institut EHI zufolge der größte Teil der Online-Umsätze auf den Rechnungskauf (28 Prozent), gefolgt von der Lastschrift (22 Prozent), PayPal (20 Prozent) und der Kreditkarte (elf Prozent).

Schon heute kaufen die Kunden am häufigsten direkt über ihr Smartphone oder Tablet im Internet ein, sagt Hommel. Da liege es nahe, diese Geräte auch beim Einkauf im Laden zu nutzen. Darauf bereitet sich der Handel vor: Schätzungen zufolge seien fast die Hälfte der Kassen für das kontaktlose Bezahlen per Smartphone über die Nahfunktechnologie NFC eingerichtet, sagt Binnebößel vom HDE. Freigeschaltet seien zwar bislang nur zehn bis 15 Prozent der Terminals, ihre Zahl steige aber stark an, auch, weil die Kreditkarteninstitutionen die Umrüstung verpflichtend vorgäben. Karstadt etwa hat schon umgestellt, in Berlin beteiligen sich Rewe, Kaiser's, Obi, Real, Kaufhof und die Mobilfunknetzbetreiber an einer Initiative, um die Kunden für die NFC-Technologie zu gewinnen.

Dabei drängen auch neue Anbieter auf den Markt - etwa Apple Pay. Auch der weltgrößte Smartphone-Hersteller Samsung stehe in den Startlöchern, und PayPal teste das Bezahlen in den Geschäften, so Binnebößel. Hommel erwartet, dass sich fünf bis zehn Systeme durchsetzen werden, die über die Nahfunktechnologie NFC im Handel eingesetzt werden.

Paypal hat die Nase vorn - Paydirekt könnte kontern

Noch aber kommt kaum ein Händler an PayPal vorbei. Hoffnung setzt der Handel deshalb in den Bezahldienst Paydirekt. "Aus Handelssicht wäre ein Erfolg wünschenswert", sagt Binnebößel. Die Banken hätten mit ihren über 50 Millionen online-geführten Kundenkonten das Potenzial, dem Platzhirsch, der hierzulande 16 Millionen aktive Kunden zählt, bei der Reichweite die Stirn zu bieten und preislich zu konkurrieren. Insider erwarten, dass Paydirekt den Händlern günstigere Konditionen bietet, um sie für das System zu gewinnen.

Binnebößel bezweifelt jedoch, dass alle deutschen Banken vorbehaltlos hinter Paydirekt stehen. Private und genossenschaftliche Institute lieferten sich lange Reibereien mit den Sparkassen, die erst in letzter Minute aufsprangen. Bislang sind vor allem Mitarbeiter einzelner Institute an Paydirekt angeschlossen sowie zwei Shops und der Online-Dienstleister Computop. Einen Durchbruch vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft erwarten Insider nicht. Binnebößel würde es begrüßen, wenn Paydirekt auch eine Lösung für den stationären Handel mitanbiete. Das würde allerdings einen Marktstart nicht einfacher machen, müsse aber einer der nächsten Schritte sein.

PayPal stärkt derweil seine Position. Denn der ECC-Studie zufolge bieten die Online-Händler derzeit mit durchnittlich fünf Bezahlverfahren erstmals weniger Wahlmöglichkeiten an, nachdem sie das Angebot von 2003 bis 2011 kontinuierlich ausgebaut hatten. Kunden habe die große Auswahl eher abgeschreckt, die Händler beschränkten sich daher immer häufiger auf akzeptierte Verfahren, erläutert Hommel. PayPal profitiere davon besonders stark.

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