Russen bauen Atomkraft an der Donau aus

Ungarn wird das 250 Kilometer von Österreich entfernte Kernkraftwerk Paks ausbauen. Es deckt rund 40 Prozent des ungarischen Stromverbrauchs. Russland liefert dafür nicht nur einen Kredit, sondern auch die Technologie - aufbauend auf einem Vertrag aus der Sowjetrepublik.

Russen bauen Atomkraft an der Donau aus

Erst ein paar Tage ist es her, dass Russlands Präsident Wladimir Putin das Aus der South-Stream-Pipeline verkündet hat, die Europa über den Umweg des Mittelmeeres – vorbei am Krisenherd Ukraine – mit russischem Gas hätte versorgen sollen. Nun ringen Europas Politiker und Unternehmen um die Zukunft des Projekts, an dem unter anderem die österreichische OMV maßgeblich beteiligt war, während in Budapest der nächste Schritt der russischen Energiepolitik gesetzt wird: Die ungarisch-russischen Verträge zur Erweiterung des ungarischen Atomkraftwerks Paks sind am Dienstag vom Paks-Betreiber Nuklear Power Plant Ltd., eine Tochter der Ungarischen Elektrizitätswerke (MVM), und dem russischen Unternehmen Joint-Stock Company Nizhny Novgorod Engineering Company unterzeichnet worden. Laut Attila Aszodi, dem Regierungsbeauftragten für „Paks II“, ist das Projekt somit in die finale Phase eingetreten.

Schon heute deckt das Atomkraftwerk Paks rund 40 Prozent des ungarischen Strombedarfs; es liegt direkt an der Donau, 100 Kilometer südlich von Budapest und 250 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Die Erweiterung wird zwei neue Reaktorblöcke umfassen; sie wird von einem russischen Unternehmen durchgeführt und durch einen zehn Milliarden Euro schweren russischen Kredit finanziert, der mit 80 Prozent den Großteil der Kosten deckt. Ministerpräsident Viktor Orban kooperiert so mit Putins Russland, das von der EU mit Sanktionen belegt wurde.

Relikte aus der Sowjet-Zeit

Kritikpunkte an Paks II gibt es zuhauf. Darunter etwa der Vorwurf, dass die Entscheidung zur Vergabe des Auftrags ohne Ausschreibung getroffen wurde – im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA entgegnete Aszodi im Oktober diesbezüglich: „Das ist keine Pflicht, es gibt verschiedene Praktiken. Wir haben die EU-Normen für Wettbewerbsrecht genau studiert.“ Im übrigen habe die EU gegen die Rahmenverträge keine Einwände gehabt.

Dass Russland den Zuschlag bekommen habe, hat Aszodi zufolge noch weitere Gründe. Neben den günstigen Zinsbedingungen sei auch die seit 1966 bestehende "sehr vertrauensvolle Beziehung" ausschlaggebend gewesen. "Trotz stürmischer Zeiten in der Politik" hätte Russland seitdem Brennstoffe zuverlässig geliefert. "Auch das Argument der Technologie stimmte für Russland und dessen Druckwasserreaktoren, wie sie hier in Paks seit Jahrzehnten arbeiten", sagte Aszodi.

Die Erweiterung des noch aus Zeiten der Sowjetunion stammenden AKW wird vom russischen staatlichen Konzern Rosatom durchgeführt. Die in den 1980er-Jahren errichteten vier Reaktoren von Paks wurden bereits mit sowjetischer Technologie gebaut, im Sinne eines ungarisch-sowjetischen Vertrages aus dem Jahre 1966. Dieser Vertrag würde nun auch die Basis bilden für das neue Abkommen zwischen Budapest und Moskau über den Bau von Paks II, betonte Aszodi.

Mehr Fragezeichen in Budapest

Zudem fordern in Ungarn AKW-Gegner den Ausbau Erneuerbarer Energien statt weiterer Investments in Kernkraft; zu Wladimir Putins Wien-Besuch im Juni wurde auch in Österreich gegen den Paks-Ausbau demonstriert. "Wir haben hier in Ungarn keine großen erneuerbaren Kapazitäten, wie in Österreich, das viele Wasserkraftwerke besitzt", sagt dazu Aszodi: Atomenergie sei billiger, eine Kilowattstunde koste 15-17 Forint (0,05 Euro), während der Preis bei Erneuerbarer Energie, wie Wind und Solar, in Ungarn das Doppelte betragen würde.

Offen sind aber auch noch die Details der unterzeichnenden Verträge: Kritiker fürchten etwa, dass Russland über die Laufzeit der Bauarbeiten die Modalitäten ändern könnte – was Befürworter des Projekts dementieren. Am Dienstag hatte die linksliberale Opposition erneut eine Offenlegung der unterzeichneten Verträge gefordert. Die Regierung dürfe solange keinen einzigen Forint für das Projekt ausgeben, solange nicht die notwendigen Genehmigungen für den Bau zur Verfügung stünden, heißt es aus den Reihen der oppositionellen Grünpartei LMP.

Nach Plan soll der erste neue Reaktor im Jahr 2025 ans Netz gehen. Denn die heute produzierenden vier AKW-Meiler erreichen im dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts das Ende ihrer Lebensdauer. Deswegen soll der Bau von zwei neuen Blöcken mit jeweils 1.200 Megawatt-Leistung die bestehende Kapazität ablösen. 2018 soll der erste Spatenstich in der Kleinstadt Paks erfolgen. Die Baukosten wurden mit insgesamt 12,5 Milliarden Euro veranschlagt. Von den EU-Sanktionen ist das Projekt laut Aszodi nicht betroffen.

Die neuen sollen zunächst neben den alten Blöcken des AKW betrieben werden, die laut Aszodi erst 2032 und 2037 abgeschaltet werden müssen. Die heute produzierten 2.000 Megawatt werden aber bis 2037 auf Null verringert. Hinsichtlich der neuen Blöcke wiederum soll der Block 5 im Jahr 2025 ans Netz gehen und 2026 dann Block 6. Durch die Parallelität könne in einer Übergangszeit eine Produktionskapazität von bis zu 4.400 Megawatt erreicht werden. Diese Leistung wird nach Abschalten der alten Meiler auf rund 2.400 Megawatt zurückgehen.

Virtueller Rundgang durch das AKW Paks wie Google Maps:

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