Offshoring: Das kostet eine Arbeitsstunde in der EU

Offshoring: Das kostet eine Arbeitsstunde in der EU

Beim Auslagern der Produktion in fremde Länder ist Asien nach wie vor der dominierende Kontinent - wiewohl Österreicher lieber vor der eigenen Tür kehren und Aktivitäten in die CEE-Region statt nach Fernost auslagern. Eine Eurostat-Studie zeigt nun, was eine Arbeitsstunde in der EU kostet: Die Preisspanne für Arbeit reicht von 3,80 Euro in Bulgarien bis 40,30 Euro in Dänemark.

Wer im Rahmen von Offshoring-Aktivitäten Teile seiner Produktion ins Ausland verlagert, der achtet bei der Auswahl des Ziellandes auf allgemeine wirtschaftliche Rahmenbedingungen, politische Stabilität, steuerliche Vorteile, mögliche Investitionsförderungen, Verfügbarkeit von Fachkräften – und natürlich auf Kostenvorteile, etwa durch günstige Arbeitskräfte.

Die weltweit beliebtesten Offshoring-Destinationen liegen einer Studie von A.T.Kearney zufolge in Fernost: Die Top 3 heißen Indien, China und Malaysia; und drei weitere Länder asiatische Länder unter den Top 10 machen Asien zum beliebtesten Kontinent für Outsourcing in fremde Länder. Allerdings gilt dieser Fokus vor allem für US-Konzerne, während Österreicher lieber vor der eigenen Tür kehren: „Im Gegensatz zu vielen Unternehmen aus dem angloamerikanischen Raum, die nach Asien ausgelagert haben, wählten österreichische Unternehmen schon in der Vergangenheit oft die CEE-Region als Offshoring-Ziel“, sagt Florian Haslauer, Österreich-Chef von A.T. Kearney: „Die Gründe sind vor allem Kostenvorteile, ausgebildete Arbeitskräfte, die räumliche Nähe und eine gut entwickelte Industrielandschaft“.

So viel kostet Arbeit in der EU

Doch was kostet Arbeit eigentlich in den verschiedenen europäischen Ländern? Eine aktuelle Studie der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigt, dass die Arbeitskosten pro Stunde (also Gehalt plus Lohnnebenkosten) innerhalb der EU stark variieren.

In der EU kostet eine Arbeitsstunde in der Wirtschaft durchschnittlich 24,60 Euro, im Euroraum 29,60 Euro. Die niedrigsten Arbeitskosten pro Stunde wurden in Bulgarien (3,80 Euro), Rumänien (4,60 Euro), Litauen (6,50 Euro) und Lettland (6,60 Euro) verzeichnet; die höchsten in Dänemark (40,30 Euro), Belgien (39,10 Euro), Schweden (37,40 Euro) und Luxemburg (35,90 Euro).

Eine Arbeitsstunde in Österreich kostet 31,50 Euro; die Lohnnebenkosten machen davon 26,2 Prozent aus. Die niedrigsten Lohnnebenkosten verzeichnen Malta (6,9 Prozent) und Dänemark (13,1 Prozent); am meisten schnappen sich Staat und Sozialversicherungen in Schweden (31,6 Prozent) und Frankreich (33,1 Prozent).

Bulgarien – Outsourcing-Destination Nr.1 in Europa

Unter anderem dem niedrigen Lohnniveau dürfte es zu verdanken sein, dass Bulgarien im Bericht von A.T.Kearney die beliebteste Outsourcing-Destination der EU ist und im weltweiten Ranking den 9. Platz belegt. „Die weltweit achtschnellste Internetverbindung und Platz 3 bei der Anzahl der IT-Spezialisten als Anteil an der Bevölkerung machen das Land vor allem für IT-Outsourcing interessant“, heißt es hierzu auch auf der Website des AußenwirtschaftsCenter Sofia.

Auf der anderen Seite bemängeln die österreichischen Außenhandelsexperten, dass Bulgarien im internationalen „Doing Business Report“, der die Unternehmerfreundlichkeit von 189 Volkswirtschaften analysiert, um zwei Plätze einbüßte. Aufholbedarf gebe es etwa bei der Infrastruktur – zum Beispiel braucht es in Bulgarien 130 Tage, um einen Stromanschluss zu bekommen. Auch bei der Kreditvergabe schneidet Bulgarien schlecht ab; verbessern konnte sich das Land hingegen im Bereich grenzüberschreitender Handel und Registrierung von Eigentum.

Roboter übernehmen das Kommando

Gerade die Faktoren abseits der Lohnkosten könnten in Zukunft entscheidend sein, wenn es um die Auswahl der Outsourcing-Destination geht. Denn die A.T.Kearney-Studie weist auch auf einen neuen Trend hin, der auf den kryptischen Namen „No Location“ hört.

Demnach führen die zunehmende Automatisierung und „Freelance Outsourcer“ dazu, dass der physische Standort weiter an Bedeutung verliert. In Zukunft kann die Automatisierungstechnik den Unternehmensberatern für immer mehr Aufgabenbereiche eingesetzt werden, sodass keine festen Standorte mehr erforderlich sind. „Die Robotertechnik ist mittlerweile eine bezahlbare Alternative zu Standorten in Niedriglohnländern“, kommentiert Haslauer. Setzt sich der Trend fort, so schwinden die Chancen der Billig-Standorte. Haslauer: „Sie benötigen daher neue Strategien, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und weiter Teil der Wertschöpfungskette zu bleiben“.

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