Österreichs Handel mit China wächst - aber China schwächelt

Österreichs Handel mit China wächst - aber China schwächelt

Chinas Wirtschaftswachstum hat den niedrigsten Stand seit 24 Jahren erreicht. Das ist auch bitter für Österreich, dessen Exporte in den einstigen Hoffnungsträger der Weltwirtschaft in den ersten drei Quartalen 2014 um zehn Prozent zulegten. Immerhin: Durch da sSchwächeln des Riesen sinkt auch die Nahcfrgae nach Öl - und somit der Preis für das schwarze Gold.

Chinas Wirtschaft ist 2014 so langsam gewachsen wie seit 24 Jahren nicht mehr. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schwächte sich auf 7,4 Prozent ab von 7,7 Prozent im Jahr zuvor, wie das Statistikamt in Peking am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte die Regierung erstmals seit 1999 ihr Jahresziel knapp. Sie hatte ein Plus von 7,5 Prozent angepeilt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte zugleich seine Prognose für dieses Jahr und rechnet mit einer weiteren Abkühlung auf 6,8 Prozent. Experten erwarten nun weitere Konjunkturhilfen. Dem Exportweltmeister macht die globale Wirtschaftsflaute zu schaffen. Zudem leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde unter einer schwächelnden Binnennachfrage, Überkapazitäten in der Industrie und einem sich abkühlenden Immobilienmarkt.

Im vierten Quartal zeichnete sich allerdings eine gewisse Stabilisierung ab. Die Wirtschaft wuchs mit 7,3 Prozent etwas stärker als von Experten mit 7,2 Prozent erwartet. Sie hielt damit das Niveau des dritten Quartals und der letzten drei Monate 2013, als sie jeweils auch das schwächste Quartalswachstum seit Anfang 2009 verzeichnete. Zudem stiegen Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze im Dezember mit 7,9 beziehungsweise 11,9 etwas stärker als gedacht.

Österreich

Zwar ist China für Österreich kein so wichtiger Handelspartner wie etwa Deutschland, das im Jahr 2013 laut Statistik Austria 30,1 Prozent der Exporte und 37,5 Prozent der Importe ausmachte - doch das fernöstliche Land gewann in der jüngsten Vergangenheit für Österreichs Wirtschaft an Bedeutung: Nach Angaben der WKO von Anfang Dezember wuchsen die österreichischen Ausfuhren insgesamt in den ersten drei Quartalen 2014 um nur 1,1 Prozent, während die Exporte nach China um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zulegten.

Fakten: Außenhandel Österreich/China
Exporte Importe
Produkte Maschinen- und Maschinenteile (v.a. Spezialmaschinen), Motoren, Kraftfahrzeuge, elektrische Geräte, Messinstrumente und Medizintechnik, Pharmaprodukte, Kunststofferzeugnisse Nachrichtengeräte und andere elektronische Produkte, Maschinen und Geräte zur digitalen Datenverarbeitung, Bekleidung, Beleuchtungsartikel, Druckmaschinen, Spielwaren und Sportartikel, Schuhe
Volumen EUR 3,14 Mrd. EUR 6,77 Mrd.
Stand: 2013 (c) WKO

Im Jahr 2013 erreichte das Handelsvolumen zwischen China und Österreich bereits die Marke von zehn Milliarden Euro - es wurde im Dezember vermutet, dass diese Marke 2014 noch übertroffen wird. Schon 2013 kamen 5,2 Prozent der österreichischen Importe aus China - mehr als aus den USA (3,3 Prozent).

Auch die deutsche Wirtschaft ist auf einen anhaltenden Boom in China angewiesen. Das asiatische Land ist nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zur Nummer eins aufsteigen wird. Für die Autobauer ist das Land bereits der größte Kunde. "Ich sehe keine drastische Verlangsamung des Wachstums, sondern eine ziemlich stabile wirtschaftliche Entwicklung", sagte Daimler- -Chef Dieter Zetsche zuletzt: "Wir erleben noch immer eine sehr starke Marktdynamik in China."

Arbeitsplätze schaffen - soziale Unruhen vermeiden

Die Statistikbehörde räumte ein, dass die Wirtschaft Schwierigkeiten habe. Das Wachstum werde aber in einem vernünftigen Rahmen bleiben. Präsident Xi Jinping betonte wiederholt, dass er die Wirtschaft nach Jahren des Booms umbauen wolle: Er setzt dabei auf eine Stärkung des Binnenkonsums und will Ausfuhren und Einfuhren ausgewogener sowie die Wirtschaft insgesamt umweltschonender gestalten. Dies bedeutet nach Ansicht von Regierungsberatern allerdings auch einen Abschied von den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit, die über Jahre zweistellig waren. Bei dem für europäische Verhältnisse immer noch utopisch anmutenden Wachstum hat die Regierung vor allem im Auge, das Milliardenvolk ausreichend mit Arbeitsplätzen zu versorgen und soziale Unruhen zu vermeiden.

Experten rechnen damit, dass die kommunistische Führung nun ihr Wachstumsziel für 2015 auf rund sieben Prozent herabsetzt, aber auch zu neuen Konjunkturhilfen greift, zumal sich Staatsvertreter zuletzt zunehmend unzufrieden mit dem Verlauf des zweiten Halbjahres gezeigt haben. Dies führte bereits dazu, dass die Zentralbank im November überraschend erstmals seit mehr als zwei Jahren die Zinsen senkte. Mit weiteren Zinssenkungen und Hilfen für die Banken zur Ankurbelung der Kreditvergabe an die Unternehmen wird gerechnet.

Trotz der Konjunkturabkühlung lobte der IWF den Umbau der chinesischen Wirtschaft. Es sei zu begrüßen, dass China seine Wirtschaft ausgewogener gestalten wolle. Dies spiegele sich allerdings in einer Abschwächung der Konjunktur wider, die sich vor allem auf die asiatischen Handelspartner auswirken werde.

Ölpreis fällt, Börsen legen zu

Die chinesischen Konjunkturdaten haben den Ölpreis am Dienstag weiter gedrückt. WTI verbilligte sich im frühen Handel um bis zu drei Prozent auf 47,21 Dollar je Fass. Brent wurde mit 48,54 Dollar je Barrel zeitweise 0,6 Prozent niedriger gehandelt. Viele Anleger gehen auf Grund der schwachen China-Daten zurzeit davon aus, dass die Ölnachfrage erst einmal zurückgehe, sagte Daniel Ang, Analyst bei PhillipCapital in Singapur. Die Furcht vor einer schwächelnden Nachfrage bei einem weltweiten Überangebot macht den Ölpreisen bereits seit Monaten zu schaffen. Sie brachen seit Juni vergangenen Jahres in der Spitze um rund 60 Prozent ein.

Positive Reaktionen gab es indes an den asiatischen Börsen - denn immerhin hatte sich das Wachstum, wie eingangs erwähnt, besser entwickelt als von den Experten erwartet. Zudem wurden Asiens Börsen durch anhaltende Spekulationen getrieben, dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag mit einem massiven Programm zum Kauf von Staatsanleihen ihre Geldpolitik weiter lockern wird. In Tokio kletterte der Nikkei-Index daher um mehr als zwei Prozent auf 17.366 Punkte, die chinesische Leitbörse in Shanghai lag nach ihren kräftigen Verlusten am Vortag rund ein Prozent im Plus. Am Montag war der Markt mit einem Minus von knapp acht Prozent so stark abgestürzt wie sonst an keinem einzelnen Tag seit Mitte 2008. Hauptgrund für den kräftigen Rückgang waren geplante Verbote für bestimmte Finanzprodukte, die zuletzt dafür gesorgt hatten, dass viel spekulatives Geld in den Markt geflossen ist.

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