Obamas Klimaplan gibt der Ökostrom-Branche Rückenwind

Obamas Klimaplan gibt der Ökostrom-Branche Rückenwind

US-Präsident Barack Obama bei der Unterzeichnung der Klimaschutz-Dekrete.

US-Präsident Barack Obama will die Treibhausgas-Emissionen der USA bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Stand des Jahres 2005 um rund ein Drittel reduzieren. Auch die europäische Solar- und Windindustrie könnte davon profitieren. Windrad-Produzenten sehen in den USA ein großes Potenzial. Erneuerbare Energien sollen dem Fracking-Gas Konkurrenz machen.

Die Klimaschutz-Pläne von US-Präsident Barack Obama geben der Ökostrom-Branche nicht nur jenseits des Atlantiks Auftrieb. Auch in Europa werden neue Chancen auf Geschäfte auf einem der weltweit größten Märkte für Wind- oder Solarenergie gesehen. Dies vor allem, da in den vergangenen Jahren vom Druck auf die klimaschädliche Kohle-Verstromung in erster Linie die Gas-Förderung über das umstritte Fracking zu profitieren schien. Nun hofft die Branche der Erneuerbaren Energien auf ihre Chance, die Kohle zumindest teilweise ersetzen zu können.

Da Obama die Treibhausgas-Emissionen um 32 Prozent bis 2030 gegenüber 2005 senken will, hofft die Branche auf eine langfristige Perspektive. Dies ist ihr wichtig, da sie bislang vor allem von Steuer-Erleichterungen profitierte, die etwa für die Windindustrie jährlich erneuert werden müssen. Dies führte zu extremen Schwankungen, die Investoren abschreckte. "Die Unternehmen werden investieren, wenn wir eine sichere Nachfrage für die Anlagen über mindestens die nächsten fünf Jahre haben", sagt Mike Garland, Chef von Pattern Energy, der 16 Windparks in Nord- und Südamerika betreibt. Für Optimismus sorgt zudem, dass Obama für den zügigen Bau von Wind- oder Solarkraftwerken den Bundesstaaten Gutschriften auf den späteren Treibhausgas-Ausstoß zubilligen will.

Die Solarindustrie in den USA will dies jetzt nutzen, um die Regierung von der Kürzung der Steuervorteile abzubringen, die ab 2017 greifen soll. "Das gibt Hoffnung auf einen neuen Kurs", sagte Tom Werner, Vorstandsvorsitzender von SunPower. "Ein harter Wechsel ist selten gut für die Industrie." Profitieren könnte auch die deutsche Solarworld, die nach dem Niedergang des heimischen Marktes stärker vom US-Geschäft lebt. Vorstandschef Frank Asbeck verwies darauf, dass die USA in diesem Jahr erstmals mehr Solarstromanlagen als Europa installierten. "Die neue Initiative von Barack Obama wird die Nachfrage noch mehr antreiben. Für uns ist das eine sehr gute Nachricht", sagte er Reuters. Solarworld betreibt in Oregon die größte Solarfertigung der USA.

Eruopäische Hersteller wittern Geschäfte

Für die Windbranche sind die USA allerdings noch ein weit wichtigerer Markt. "Das ist jetzt schon hilfreich", sagt so auch Johannes Schiel, Windexperte des deutschen Maschinenbauverbandes VDMA zu Obamas Plänen. "Das schafft Kontinuität." Jährlich werden weltweit etwa 50 Gigawatt Leistung an Windenergie neu gebaut, rechnerisch soviel wie etwa 40 AKW-Blöcke, wenn der Wind stetig blasen würde. Fast die Hälfte davon entfällt allein auf China, wo aber ausländische Firmen selten zum Zuge kommen. Die USA hatten zuletzt 5 Gigawatt installiert, standen also für fast 20 Prozent des zugänglichen Marktes. Vor allem Siemens ist als Lieferant dort einer der Marktführer, neben dem heimischen Anbieter General Electric. Schiel zufolge stehen die USA für einen Umsatz deutscher Anlagenproduzenten von rund einer Milliarde Euro. Schiel vom VDMA sieht nun Potenzial für eine Verdopplung der jährlich neu gebauten Windräder. "Eine Chance für mehr Wachstum ist es, falls es etwas wird", sagt so auch ein Sprecher des Windrad-Bauers Nordex. Interessant kann es laut VDMA zudem für die zahlreichen Zulieferer aus Deutschland werden, die nicht allein für deutsche Hersteller wie Siemens oder Nordex produzieren. Und auch ein Konzern wie E.ON könnte Vorteile haben. E.ON will sich aufspalten und sich mit einem Teil vor allem auf das Ökostrom-Geschäft konzentrieren.

An den US-Börsen gewannen die Ökostrom-Aktien allerdings zunächst nicht nach Obamas Ankündigungen. Analysten verwiesen darauf, es gehe zum einen um langfristige Entwicklungen. Zum anderen könne das Vorhaben auch noch vor Gerichten zu Fall gebracht werden. Vor allem die Kohle-Industrie und die Bundesstaaten, die den Brennstoff fördern, sehen Obamas Pläne kritisch und haben Klagen angekündigt.

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