In North Dakota kostet Öl nur noch 1,50 Dollar pro Barrel

In North Dakota kostet Öl nur noch 1,50 Dollar pro Barrel

Das qualitativ minderwertige Rohöl North Dakota Sour wird in den USA derzeit mit 1,50 Dollar pro Barrel gehandelt, die kanadische Sorte Bitumen kostete vergangene Woche nur knapp über acht Dollar - vor zwei Jahren war der Preis noch bei 80 Dollar pro Barrel gelegen.

Der Verfall der Ölpreise (Link: aktueller Ölpreis Brent) hat auf einem kleinen Nebenschauplatz einen neuen Höhepunkt erreicht: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Blooomberg bepreist die Raffineriegruppe Flint Hills Ressources das Rohöl North Dakota Sour derzeit mit 1,50 Dollar pro Barrel. Bei North Dakota Sour, welches mit einem Output von 15.000 Barrel pro Tag nur einen geringen Anteil des gesamten US-Ölmarkts ausmacht, handelt es sich um eine Sorte mit besonders hohem Gehalt an Sulfaten. Solche Sorten sind tendenziell immer teurer als der Marktdurchschnitt, da sie nur mit speziellen Technologien verarbeitet werden können. Auch die Logistik gestaltet sich komplizierter.

Zeitweise wurde die Ölsorte von Flint Hills Ressources gar mit einem negativen Preis von -50 Cent bepreist – der Anbieter hätte also dafür bezahlen müssen, dass Kunden ihm sein Produkt überhaupt abnehmen. Die Preisliste wurde sogleich auf diversen Online-Finanzmedien geteilt, von Flint Hills Ressources anschließend aber revidiert: Man habe sich geirrt, hieß es vom Unternehmen.

Negative Rohstoffpreise sind laut Bloomberg keine Seltenheit: Raffinerien zahlen etwa ihren Kunden gelegentlich für die Abnahme von Schwefel und Petrolkoks, um Lagerkapazitäten frei zu machen. Allerdings handelt es sich dabei um Nebenprodukte der Ölförderung – für das Hauptprodukt einen Negativpreis zu verlangen sei schon recht absurd.

Auch andere Produzenten ächzen

North Dakota Sour ist ein extremes Beispiel, aber bei Weitem nicht das einzige. So kostete etwa die kanadische Ölsorte Bitumen vergangene Woche nur geringfügig mehr als acht Dollar – vor weniger als zwei Jahren war der Preis noch bei 80 Dollar gelegen.

Der Grund für den fallenden Ölpreis ist die klaffende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Angebotsseitig hat der Fracking-Boom in den USA für ein Überangebot gesorgt, nun leiden die US-Anbieter erst recht unter dem niedrigen Ölpreis – denn mit den neuen Technologien sind die Produktionskosten deutlich höher als bei den etablierten Anbietern der OPEC-Staaten. Nachfrageseitig leiden die Anbieter unter der stotternden Weltwirtschaft, vor allem die einstige Wachstumsmaschine China sorgt nun für Kopfzerbrechen.

Die Golfstaaten und der Iran

Besorgt blickt der Kooperationsrat der Arabischen Staaten des Golfes (Gulf Cooperation Council, GCC), dem sieben ölproduzierende Staaten der arabischen Halbinsel angehören, auch in Richtung Iran. Nach der Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen die Islamische Republik fürchten die Mitbewerber, dass ein zusätzliches Angebot den Preis weiter drücken könnte. Saudi Arabien zum Beispiel gerät dadurch unter Druck: 70 Prozent der saudischen Staatseinnahmen stammen derzeit aus dem Ölexport.

Dementsprechend fiel der saudi-arabische Aktienindex, der Tadawul All Share Index, am Sonntag nach der Aufhebung der Sanktionen um 5,4 Prozent (in Saudi Arabien ist der Sonntag ein regulärer Arbeitstag), in den vergangenen zwölf Monaten hat der Index bereits über 30 Prozent an Wert eingebüßt. Der Golfstaat muss handeln und seine Wirtschaft neu ausrichten: Laut einem Artikel im „Economist“ denkt Prinz Mohammed Bin Salman, Sohn des regierenden Königs von Saudi Arabien, laut über eine Privatisierung des größten Öl-Unternehmens des Landes, Saudi Aramco, nach. Auch über Kündigungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst wird gesprochen.

Dabei ist der Iran ein vergleichsweise kleiner Fisch, wie eine aktuelle Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) betont. Demnach könnte der Iran derzeit 300.000 Barrel pro Tag auf den Weltmarkt bringen, die gesamte OPEC produziert derzeit 32,28 Millionen Barrel pro Tag – also in etwa das Hundertfache. Der Grund dafür ist die schwache iranische Infrastruktur, in die jahrelang nicht investiert wurde: „Der Iran und die GCC-Staaten befinden sich in unterschiedlichen Phasen ökonomischer Reife“, sagt dazu Adel Abdel Ghafar, Experte vom Brookings Doha Center, zu Bloomberg: „Der Iran muss daher investieren. Wenn er aber aufholen kann, wird er ein ernstzunehmender Mitbewerber.“ Und das wäre ein weiterer Faktor, der die Ölpreise am Boden hält.

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