Das schwierige Erbe von Nintendo-Chef Satoru Iwata

Das schwierige Erbe von Nintendo-Chef Satoru Iwata

Nintendo-Chef Satoru Iwata ist im Alter von 55 Jahren an Gallenkrebs verstorben. Der Mann, der das Unternehmen mit der Nintendo DS und der Wii zu Erfolgen führte, hinterlässt seinen Nachfolgern einen schwierigen Markt, in dem die Japaner zuletzt das Nachsehen hatten. Doch mit seiner letzten Entscheidung könnte ein Comeback bevorstehen.

Satoru Iwata, der Chef des japanischen Gaming-Spezialisten Nintendo, ist am 11. Juli im Alter von nur 55 Jahren an Gallenkrebs verstorben. Iwata war der erste Ninntendo-Chef, der nicht der Gründerfamilie Yamauchi entsprang; und als solcher verhalf er dem Unternehmen in den frühen 2000er-Jahren zu neuem Glanz. Bis ein Nachfolger gefunden wird, werden die Geschäfte von Genyo Takeda, dem Leiter der F&E-Abteilung, und dem Spieleproduzenten Shigeru Miyamoto geleitet. Ihnen hinterlässt Iwata einige wichtige Innovationen der Branche – aber auch einen hart umkämpften Markt, in dem Nintendo zuletzt das Nachsehen hatte.

Nintendo DS – Touchscreen und Drahtlos-Gaming

So brachte Iwata bereits im Jahr 2004 die mobile Spielekonsole Nintendo DS auf den Markt; sie besaß einen funktionsfähigen Touchscreen – in einer Zeit, in der es weder iPad noch iPhone gab. Ein weiterer USP des Geräts war, dass Spieler über eine drahtlose Verbindung gegeneinander antreten konnten – auf den Pausenhöfen der Welt kam das gut an, bis heute verkaufte sich die mobile Spielekonsole 154 Millionen Mal.

Der Nachfolger, die Nintendo 3DS, kam im Jahr 2011 auf den Markt und wartete mit einer weiteren Innovation auf: Autostereoskopisches 3D – also die Möglichkeit, dreidimensionale Bilder auf dem kleinen Bildschirm darzustellen, ohne dass der Nutzer dafür eine sperrige 3D-Brille tragen muss.

Aufstieg und Fall des Wii-Imperiums

Eine noch größere Innovation brachte Iwata aber mit der Spielekonsole Wii im Jahr 2006 auf den Markt. Denn im Gegensatz zu den Konsolen der Konkurrenten Sony und Microsoft mussten Spieler hier keine Knöpfe drücken, um ihre Spielfigur auf dem Fernsehbildschirm zu steuern; stattdessen erkannte eine Kamera die Körperbewegungen des Spielers und übertrug sie auf den Rechner. Für eine Bowlingsimulation bewegte man also seinen Arm, für ein Laufspiel trampelte man auf der Stelle.

Das erschloss neue Zielgruppen; denn Eltern und Großeltern sahen endlich eine Möglichkeit, gewaltlose Spiele mit den Kindern zu spielen. Zugleich wurde – oft zum Leidwesen der Nachbarn – im Wohnzimmer Sport getrieben. Etliche Videos auf der Plattform YouTube dokumentieren Unfälle, die durch einen zu übereifrigen Gebrauch der Konsole passiert sind.

Nichtsdestotrotz: Die Projekte erfreuten die Kunden und machten sich in Nintendos Bilanz positiv bemerkbar. Als Iwata den Chefsessel m Jahr 2002 übernahm, verzeichnete Nintendo noch einen Umsatz von 555 Milliarden Yen (4 Milliarden Euro); im Jahr 2009 hatte sich der Umsatz auf 1,8 Trillionen Yen (13 Milliarden Euro) mehr als verdreifacht, der Gewinn lag dann bei 555 Milliarden Yen. Die Wii verkaufte sich 100 Millionen Mal und war somit der Weltmarktführer am Konsolenmarkt.

Siegeszug des Smartphones

Jedoch schliefen in der Zwischenzeit weder die etablierten Konkurrenten, noch die Newcomer. Sony und Microsoft reagierten auf den Wii-Erfolg, indem sie selbst Konsolen mit Bewegungssteuerung auf den Markt warfen. Hinzu kam das verhängnisvolle Jahr 2007, in dem Apple das erste iPhone vorstellte.

Mit diesem Jahr begann der Siegeszug der Smartphones – und somit des mobilen Gamings. Die kleinen Gelegenheitsspiele auf den Handys adressierten eben jene Zielgruppe, die Nintendo im Visier hatte. Und während sich Microsoft und Sony mit ihren Konsolen an erwachsene Gamer mit einem hohen Anspruch an Grafik und Storytelling richteten, blieb Nintendo mit seinem Familienentertainment auf der Strecke: Als die Wii U, Nachfolger der legendären Wii, 2012 auf den Markt kam, entwickelte sie sich zum Ladenhüter. Der Umsatz fiel sechs Jahre in Folge und lag im vergangenen Jahr bei 550 Milliarden Yen – also weniger als im Jahr 2002, als Iwata das Ruder übernahm.

Ein letztes Geschenk

Trotzdem ist der Kampf der Japaner noch nicht verloren – das ist sichtbar am Aktienkurs, der seit Jahresbeginn um über 57 Prozent zugelegt hat; am Montag nach Schluss der Börse Tokio notierte das Papier bei 19.805 Yen (144,84 Euro), das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 56,03, die Marktkapitalisierung bei 2,8 Milliarden Yen. Den stärksten Kurssprung verzeichnete die Aktie Mitte März diesen Jahres, am 18. März stieg der Wert schlagartig um 21,31 Prozent. Was war passiert?

Iawata hatte am Vortag einen Strategiewechsel verkündet: Nachdem sich Nintendo bisher strikt daran gehalten hatte, eigene Spielfiguren wie Super Mario und Donkey Kong exklusiv für die hauseigenen Konsolen anzubieten, sollen nun auch Spiele für Smartphones mit den Kultcharakteren in der Hauptrolle entwickelt werden. Die Spiele sollen gemeinsam mit dem Internet-Konzern DeNA entwickelt werden; aus der Partnerschaft soll eine Plattform mit Abo-Modell entstehen, die voraussichtlich Ende 2015 an den Start gehen soll. Zudem arbeitet das Unternehmen an einer neuen Spielekonsole mit dem Codenamen „NX“, und Insider spekulierten zuletzt über einen Vorstoß der Japaner in den Wachstumsmarkt eHealth.

Ob sich die Produkte gegen die bereits etablierte Konkurrenz behaupten können, das wird sich noch zeigen müssen. Jedenfalls hat Iawata aber den Weg frei gemacht für eine Smartphone-Strategie seines Konzerns – und das ist ein letztes Geschenk jenes Mannes, der mit der Wii den Körpereinsatz in die Welt der Videospiele brachte.

Dafür bedanken wir uns mit einem herzhaften „Arigatō“.

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