Niedriger Ölpreis setzt Energiebranche unter Zugzwang

Niedriger Ölpreis setzt Energiebranche unter Zugzwang

BP drosselt die Ölproduktion in der Nordsee

Der britische Ölriese BP streicht mehr als 400 Stellen, Norwegen kürzt seine Investitionen ins Ölfördergeschäft bis 2017 um gut ein Fünftel. Doch die OPEC bleibt hart und behält die Fördermengen vorerst bei.

Der Ölpreisverfall zwingt immer mehr Größen der internationalen Energiebranche zu tiefen Einschnitten. So wird BP Insidern zufolge Hunderte Arbeitsplätze in der Nordsee-Produktion streichen. Der ebenfalls in Großbritannien ansässige Öl- und Gasförderer Tullow schreibt für 2014 rund 2,3 Mrd. Pfund (3 Mrd. Euro) ab, wie die viertgrößte Ölfirma des Landes am Donnerstag mitteilte.

Norwegen kappt unterdessen Investitionen in das für die Skandinavier wichtige Ölfördergeschäft. Spuren hinterlässt der Preiseinbruch auch bei der OPEC: Das Ölkartell erwartet 2015 die geringste Nachfrage seit mehr als zehn Jahren. Sogar das rasante Wachstum der Ölproduktion aus Schiefergas in den USA beginnt sich der OPEC zufolge zu verlangsamen.

BP streicht 400 Stellen

Der britische Ölriese BP hat wegen des niedrigen Ölpreises den Rotstift angesetzt und streicht mehr als 400 Stellen in der Förderung von Nordseeöl. Betroffen seien 300 Arbeitsplätze in Großbritannien und mehr als 100 in Norwegen. "Wir bekennen uns jedoch weiterhin zum Fördergebiet Nordsee", sagte Trevor Garlick, bei BP verantwortlich für die Nordsee am Donnerstag.

Es handle sich um ein reifes Fördergebiet. Bei den gegenwärtig harten Marktbedingungen seien Schritte notwendig, die das Geschäft wettbewerbsfähig und zukunkftssicher hielten. Die Nordsee gilt als eine der teuersten Ölförderstätten der Welt. BP beschäftigt hier 4.000 Mitarbeiter. Auch der ebenfalls in der Nordsee vertretene US-Konzern ConocoPhillips kündigte am Donnerstag einen Job-Abbau an. Shell und Chevron waren diesen Schritt bereits 2014 gegangen.

Preise mehr als halbiert

Die Ölfirmen haben damit zu kämpfen, dass sich das Rohöl seit Mitte 2014 um fast 60 Prozent verbilligt hat. Grund ist ein internationales Überangebot, zu dem die nur zögerliche Erholung der Weltwirtschaft und der US-Schiefergas-Boom maßgeblich beigetragen haben. Ein Barrel der führenden Nordseesorte Brent kostete am Freitag rund 49 Dollar (41,9 Euro). Im Juni 2014 waren für das 159-Liter-Fass dagegen noch 115 Dollar fällig.

Die jüngsten Milliardenabschreibungen des britischen Ölförderers Tullow betreffen nicht zuletzt Aktivitäten im norwegischen Teil der Nordsee. Norwegen selbst verringert die Investitionen ins Ölgeschäft bis 2017 um 21 Prozent, wie die zuständige Regierungsbehörde mitteilte. Als Folge daraus könnte die Ölproduktion bis 2019 um acht Prozent sinken. Die Entwicklung neuer Felder und die Ausbeutung bestehender Vorkommen werde dadurch verlangsamt.

OPEC bleibt hart

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hatte sich zuletzt im November gegen eine Kürzung ihrer Förderquoten entschieden, um so ihren Marktanteil zu verteidigen. Doch das Kartell rechnet 2015 mit der geringsten Nachfrage nach ihren Produkten seit 2004.

Schärfere Konkurrenz könnte künftig auch aus Russland drohen. Der weltgrößte Ölexporteur leidet zwar seit längerem besonders stark unter dem Preisverfall. Doch eine Änderung des Steuerrechts sowie sinkende Ausfuhrzölle könnten nach Berechnungen des russischen Finanzministeriums und Reuters das Exportgeschäft in den nächsten Wochen anheizen. Die Ausfuhrzölle sind an Preise einer bestimmten russischen Ölsorte geknüpft.

Unterdessen wollte Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem venezolanischen Staatschef Nicolas Maduro über die Ölmärkte sprechen. Maduro setzt sich für eine Senkung der Förderquoten ein, um den für die venezolanische Wirtschaft schädliche Abwärtstrend der Preise zu stoppen.

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