Niedriger Ölpreis: Airlines jagen nach Schnäppchen

Niedriger Ölpreis: Airlines jagen nach Schnäppchen

Airlines gehören wohl zu den größten Profiteuren der fallenden Ölpreise, denn auch der Preis für Kerosin ist dadurch deutlich gesunken. Nun versuchen sie, zu den aktuellen Werten Handelsgeschäfte für die kommenden Jahre zu fixieren.

Dank des Ölpreis-Rutsches sparen Fluglinien in diesem Jahr Milliarden an Kerosinkosten. Um auch künftig von den Discount-Preisen etwas zu haben, sichern sich einige Gesellschaften über spezielle Handelsgeschäfte das Flugbenzin für die nächsten Monate oder sogar Jahre. Insbesondere seit Monatsanfang, als der Preis für die wichtige Ölsorte Brent unter 50 Dollar je Fass fiel, sind einige Fluglinien wie Ryanair, Aer Lingus und Thai Airways auf Schnäppchenjagd. Da die Ausgaben für Kerosin üblicherweise 20 bis 50 Prozent der Kosten einer Airline ausmachen, ist die Entlastung gewaltig. "Falls man sich vernünftig absichern will, muss man diese hervorragende Gelegenheit nutzen", sagt Robert Campbell, Öl-Experte von der Beratungsfirma Energy Aspects.

Fluglinien hamstern das Kerosin aber nun nicht in großen Tanks auf dem Flughafengelände. Sie nutzen spezielle Handelsgeschäfte, um künftige Preisschwankungen abzufedern - das sogenannte "Hedging". Nach Aussagen von Airline-Analyst Johannes Braun von der Commerzbank gibt es dabei zwei grundsätzliche Strategien: Terminkontrakte (Futures) oder Optionen. Letztere funktionieren wie Versicherungen: Ein Unternehmen zahlt einen Aufschlag, um ab einem vorher festgelegten Preisniveau alle weiteren Steigerungen nicht mehr tragen zu müssen. Fallen die Ölnotierungen unter den Preis, muss die Airline die Optionen natürlich zahlen, kann den eigentlichen Kerosinbedarf aber am freien Markt decken. Die Lufthansa etwa setzt als einige der wenigen Fluglinien nach Aussagen von Braun auf Optionen und profitiert deshalb deutlich von dem Ölpreisrutsch. In diesem Jahr rechnet die Traditionsfluglinie nach eigenen Angaben mit einer Tankrechnung von nur noch 5,8 Milliarden Euro - eine Entlastung von 900 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Bei Fluglinien, die sich vor allem mit Futures gegen die Ölpreisschwankungen gewappnet haben, fallen die Einsparungen niedriger aus. Denn hierbei einigen sich die Airline und ein Lieferant im Voraus über die Menge und den Preis von Kerosin, das zu einem künftigen Zeitpunkt geliefert wird. Fallen bis dahin die Ölnotierungen, muss die Airline das Flugbenzin trotzdem zum vorab vereinbartem Preis abnehmen.

Höhenflug dank Ölpreis-Absturz

Neben der Art des Hedgings gehen Airlines auch insgesamt unterschiedlich an den Ölpreis-Tiefflug heran. Während Ryanair seine Tankrechnung angesichts der niedrigen Preise teils bis ins Jahr 2017 absichert, setzen Rivalen wie Asiana Airlines aus Südkorea das Hedging derzeit ganz aus. Air Berlin prüft, ob der Hedging-Grad künftig abgesenkt wird. Derzeit sichert die defizitäre Airline für bis zu 18 Monate 70 bis 75 Prozent des Kerosineinkaufs ab. Die Lufthansa hingegen hält, ebenso wie British Airways-Iberia und Air France-KLM, im Großen und Ganzen am bisherigen Kurs fest. "Wir wollen Planungssicherheit und sind mit unserer Absicherungsstrategie in Vergangenheit sowohl bei hohen als auch niedrigen Ölpreisen gut gefahren", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der größte europäische Luftfahrtkonzern sichert im Monat grundsätzlich jeweils bis zu fünf Prozent der Kerosin-Ausgaben für bis zu 24 Monate ab. Damit werden bis zu 85 Prozent des Bedarfs abgesichert.

Wann der Preisverfall des weltweit wichtigsten Rohstoffs endet, ist derzeit nicht zu sagen. Ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent ist derzeit 60 Prozent günstiger zu haben als im Juni - der Preis lag damals auf einem Hoch von 116 Dollar. Nach Schätzungen des Branchenverbands Iata vom Dezember werden Fluglinien weltweit 2015 die höchsten Gewinnmargen seit über fünf Jahren einfliegen.

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