Netflix setzt zur Eroberung der Welt an

Netflix setzt zur Eroberung der Welt an

Auch in Saudi Arabien kann man nun Netflix-Serien schauen.

Die Online-Videothek Netflix baut ihren Markt schlagartig von 60 auf 190 Staaten aus - ein wichtiges Land fehlt allerdings in der Liste. Details zu den finanziellen und strategischen Hintergründen der globalen Wachstumsstory.

So sieht eine schnelle Expansion aus: Bisher war die Online-Videothek Netflix in rund 60 Ländern präsent, am 6. Jänner wurde das Angebot schlagartig auf 190 Länder erweitert.

Netflix ist somit in so gut wie allen wichtigen Märkten der Welt verfügbar, auch im bevölkerungsreichen Indien, im finanzstarken Saudi Arabien und in Russland. Der letzte große weiße Fleck auf der Karte des Unternehmens ist China, was nicht überraschend ist: Netflix-Chef Reed Hastings hatte vergangenen Juli erklärt, dass sich der für 2016 erwartete Einstieg in den chinesischen Markt verzögern könnte.

Der Grund für den noch nicht erfolgten Einstieg könnte in bürokratischen Hürden liegen, oder auch in Bedenken zur wirtschaftlichen Rentabilität des Marktes. So ist einem Bericht des IT-Branchenmediums TechCrunch zufolge Videostreaming in China zwar sehr beliebt, die Nutzer sind aber an kostenlose Inhalte gewohnt - bei Netflix hingegen spielt's ohne Geld keine Musi, also keine Filme. Zudem gibt es starke Konkurrenten: Der chinesische Online-Händler Alibaba (ISIN: US01609W1027) ist in seinem Heimmarkt bereits mit einem Streaming-Angebot präsent. Unter anderem hat Alibaba eine Kooperation mit dem Entertainment-Riesen Disney (ISIN: US2546871060) geschlossen.

In 20 Jahren zum Global Player

Netflix wurde 1997 als Online-Videothek gegründet und begann ursprünglich damit, im Web bestellte DVDs und Blu-rays per Post zu verschicken. Im Jahr 2007 hatte Netflix eine Milliarde DVDs verschickt, doch das war den Gründern Reed Hastings und Marc Randolph nicht genug. Es erfolgte der Einstieg in das Video-on-Demand-Geschäft, das heute unter dem Begriff Internet-Streaming bekannt ist.

Im April 2014 hatte Netflix bereits fast 50 Millionen Abonnenten, die das Angebot auf ihren PCs, Smartphones, Tablets oder über mit dem Internet verbundene Fernseher verwendeten. Die neueste Benutzergruppe, die das Streaming-Video-Angebot am Smart TV im Wohnzimmer nutzt, ist auch die von den klassischen TV-Anbietern am meisten gefürchtete. Solche Smart TVs, die schon ab 250 Euro verkauft werden, eröffnen den Zuschauern per Fernbedienung die vielfältige, bunte Welt des Video-Streamings, in der populäre TV-Serien und aktuelle Blockbuster auf Knopfdruck abrufbar sind. Und eben nicht nur dann, wann sie im Programm eines Senders stehen.

Netflix macht übrigens unterschiedliche Programme für die einzelnen Länder. In den USA ist das Angebot etwa wesentlich umfangreicher als in Österreich. Das hat einerseits rechtliche Gründe, andererseits liegt es aber auch daran, dass es für die einzelnen Länder ein entsprechend zugeschnittenes Angebot, für wichtige Märkte auch mit regionalen Inhalten, gibt.

Grundsätzlich landet man als Netflix-Kunde immer auf dem Portal des Landes, in dem man sich befindet. Mit einigen kleineren Tricks ist es aber möglich, die in anderen Ländern angebotenen Serien und Filme auch in den jeweiligen Landessprachen anzuschauen oder diese für den späteren Konsum auf den eigenen Computer oder ein Tablet zu speichern.

Links:
Lesen Sie hier, wie Sie mit wenig Aufwand auf das internationale Netflix-Angebot zugreifen.
Hier lesen Sie, wie Sie Netflix-Videos offline abspeichern.

Globaler Machtkampf

Einer der größten Netflix-Konkurrenten ist der Online-Händler Amazon, der ebenfalls einen Streaming-Service anbietet und ebenso wie Netflix eigene Inhalte produziert: Bei Netflix gehören die Polit-Serie "House of Cards" und die Comic-Verfilmung "Jessica Jones" zu den großen Hits; bei Amazon ist es "The Man in the High Castle", eine dystopische Science-Fiction-Serie nach einer Buchvorlage von Kultautor Philip K. Dick. Diese sorgte in Deutschland wegen der Verwendung nationalsozialistischer Symbole für angeregte Diskussionen unter Medienexperten.

"The Man in the High Castle" spielt in einer alternativen dystopischen Zukunft, in der Japans Faschisten und Nationalsozialisten um die Vormacht in Nordamerika kämpfen.

In Österreich ist der ORF seit 2014 zu 25,1 Prozent an der Online-Videothek Flimmit beteiligt, ProSiebenSat.1 setzte auf die Online-Plattformen Maxdome und Myvideo.at.

Stetiges Wachstum

An der Börse kam die Nachricht vom Ausbau des Netflix-Marktes gut an: Die Netflix-Aktie (ISIN: US64110L1061) legte am Mittwoch um 9,31 Prozent auf 117,68 Dollar zu. Innerhalb eines Jahres liegt das Plus somit bei stolzen 151,76 Prozent. An der Börse ist Netflix inzwischen 50,3 Milliarden Dollar wert - zum Vergleich: Vivendi (ISIN: FR0000127771), der größte französische Medienkonzern kommt nur auf 25,65 Milliarden Euro Marktkapitalisierung - also etwa die Hälfte.

Der Buchwert je Netflix-Aktie liegt allerdings nur bei 4,42, wodurch sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 11,05 ergibt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 77,46. Beide Kennzahlen deuten auf eine klare Überbewertung der Aktie hin.

Allerdings wetten die Investoren wohl auf ein weiteres Wachstum des Players aus der New Economy, denn der Umsatz von Netflix ist in den vergangenen Quartalen stetig gestiegen. Dies liegt vor allem am Ausbau in internationalen Märkten. Denn im Heimmarkt USA ist inzwischen jeder zweite Haushalt Netflix-Kunde, das Plateau ist bald erreicht. Der internationale Ausbau ist somit der logische nächste Schritt, um das Wachstum beizubehalten und der Konkurrenz die Stirn bieten zu können.

Die nächsten Netflix-Quartalsergebnisse werden am 19. Jänner verkündet.

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