Nach dem Erdbeben in Nepal: Everest-Tourismus versiegt

Nach dem Erdbeben in Nepal: Everest-Tourismus versiegt
Nach dem Erdbeben in Nepal: Everest-Tourismus versiegt

Ein neues, schweres Erdbeben stürzt Nepal weiter in die Krise. Auch der Everest-Tourismus kommt zum Erliegen.

Die Erdbebenkatastrophe in Nepal und das neuerliche Beben am Dienstag dürfte den Weg auf den Mount Everest für heuer unpassierbar gemacht haben. Ein weiterer finanzieller Schlag für das kleine Land.

Eine Zeitlang sah es so aus, als würde selbst eine Katastrophe mit Tausenden Toten das Geschäft mit dem höchsten Berg der Welt nur kurzzeitig aufhalten können. Während die chinesische Regierung den Aufstieg auf der tibetischen Nordseite sofort nach dem Erdbeben untersagte, wartete Nepal ab - und kündigte vergangene Woche sogar an, die Routen auf der Südseite demnächst wieder öffnen zu wollen.

Die so genannten "Icefall-Doctors“ machten dem nun einen Strich durch die Rechnung. Sie gaben bekannt, dass die durch das Erdbeben zerstörten Sicherungen im Khumbu-Eisbruch (siehe Grafik) heuer nicht mehr repariert werden können. In dem gefährlichen Teilstück wurden erst im vergangenen Jahr 16 Sherpas von einer Eislawine in den Tod gerissen.

Mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Beben in Nepal hat am Dienstag nun ein weiterer schwerer Erdstoß den Himalaya-Staat erschüttert. Rettungskräften zufolge wurden wieder Menschen getötet und verletzt. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS hatte das Beben am Dienstag eine Stärke von 7,3. Sein Zentrum lag demnach etwa 76 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu in 15 Kilometern Tiefe.

Wirtschaftsfaktor Berg

Für Nepal, das zu den 20 ärmsten Ländern der Welt gehört, ein weiterer finanzieller Schlag, ist das Geschäft mit dem Aufstieg doch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein die Gebühren, die Bergsteiger an die Behörden zahlen müssen, machten im Jahr 2013 mehr als drei Millionen Dollar aus.

Dazu kommt der Jobfaktor: Hunderte Sherpas bauen Infrastruktur, transportieren Lasten und arbeiten als Bergführer für die internationalen Expeditionen. Die kommen heute aus der ganzen Welt. Abgesehen von Nepal und Tibet liegen die USA, Großbritannien und Japan bei der Zahl der erfolgreichen Besteigungen vorne. Aus Österreich versuchen sich jedes Jahr im Durchschnitt fünf bis zehn Extremsportler am ultimativen Gipfelsieg, schätzt Michael Larcher vom Alpenverein. 2013 waren immerhin vier von ihnen erfolgreich.

Ein Geschäft für die Massen ist die Spitze des Mount Everest freilich nicht: 2013 standen dokumentierte 658 Menschen am höchsten Punkt der Welt - ein großer Teil davon selbst bezahlte Sherpas oder Bergführer.

Doch hinter der überschaubaren Anzahl steht ein gehöriger finanzieller Aufwand. Bei organisierten Expeditionen werden im All-inclusive-Paket 30.000 bis 70.000 Euro fällig - pro Person. Das Geschäft ist international, Österreicher buchen sich meist bei Anbietern aus Deutschland und der Schweiz ein.

Das lange Zögern Nepals, die Routen für heuer endgültig zu schließen, erklären sich einige Beobachter denn auch mit finanziellen Überlegungen. In diesem Fall könnte das Land die Gültigkeit der 11.000 Dollar teuren Genehmigungen auf das nächste Jahr verlängern müssen. Nun reisen die Bergsteiger angesichts unpassierbarer Routen vielleicht von selbst ab.

Gipfel der Rekorde

Viele waren auf die eine oder andere Art die Ersten am Gipfel des höchsten Bergs der Welt. Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Nepalese Tenzing Norgay waren als Erste auf dem Gipfel - am 29. Mai 1953. Im Jahr 1975 stieg die Japanerin Junko Tabei als erste Frau aufs Dach der Welt. Den Österreichern Reinhold Messner und Peter Habeler gelang 1978 die Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff. Inzwischen wurde der Everest auch von einem 13- und einem 80-Jährigen bezwungen. Außerdem von einem Arm- und einem Beinamputierten, von einem Blinden und von einem Ehepaar gemeinsam.

Der Weg zum Dach der Welt

  1. Tourstart: Die meisten Bergsteiger versuchen, über die Südroute von Nepal aus auf den Everest zu gelangen. Sie starten im rund 2.900 Meter hoch gelgenen Lukla. Von dort sind es acht Tage zu Fuß bis ins Basislager.
  2. Basislager: In dem Zeltdorf leben in der Hauptsaison bis zu 1.500 Menschen - heuer sind es 600 Gipfelaspiranten und ihre Begleiter. Sie werden während ihres rund siebenwöchigen Akklimatisierungsaufenthalts mit Drei-Gänge-Menüs verpflegt. Es gibt Handyempfang, Computerverbindungen, mitunter Teppiche in den Zelten.
  3. Khumbu-Eisbruch Er wird von den "Icefall- Doctors“ mit Alu-Leitern und Fixseilen ausgestattet. Nach dem Unglück mit 16 Toten im Jahr 2014 wurde dieses Wegstück auch durch das heurige Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen.
  4. Camp I: Es ist kleiner und unkomfortabler als das Basislager. Zelte und Kochgeschirr haben Sherpas in alle Camps transportiert - bis hinauf zum Südsattel.
  5. Camp II: Den Weg hierher schaffen in etwa drei Viertel der Bergsteiger. Weil viele von ihnen schon hier zusätzlichen Sauerstoff benutzen, stehen große Vorräte zur Verfügung.
  6. Camp III: Dieses eisschlaggefährdete Lager unterhalb der Lhotseflanke erreicht etwa die Hälfte der ursprünglich Gestarteten.
  7. Camp IV: Nun sind nur noch 25 Prozent dabei. Sie setzen von hier aus zum Gipfelsturm an, sobald es das Wetter erlaubt.
  8. Nordroute: Hier stiegen früher nur 70 Mann pro Jahr zum Gipfel auf. Nach dem Unglück auf der Südroute waren es im Vorjahr 200.

Bergsteigermüll ist am Everest ein großes Problem. Heute wird im Rahmen der Pollution Control genau verzeichnet, wie viele Dosen, Flaschen und Sauerstoffflaschen eine Expedition ins Basislager bringt - und ob sie genauso viel wieder abtransportiert.

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