Millionen-Regen für Start-up "Number26"

Millionen-Regen für Start-up "Number26"

Das Number26 Gründer-Duo Maximilian Tayenthal (i) und Valentin Stalf

Zwei Wiener gründeten in Berlin ein Start-up, das ein Gratis-Girokonto fürs Smartphone anbietet. Nun erhält es zehn Millionen Euro Investment.

Ihre neue Bankfiliale: das eigene Sofa im Wohnzimmer. Der Bankmitarbeiter am Schalter: Ihr Handy. Die Dauer bis zur Eröffnung eines neuen Kontos: Acht Minuten. Die dabei entstehenden Kosten: keine.

Number26 heißt das neue Girokonto für das Smartphone – und zwar nur für das Smartphone. Denn Number26 kommt gänzlich ohne Bankfilialen aus und gibt die dadurch entstehenden Kostenvorteile ganz an die Kunden weiter. Die Folge: Number26 - das online nicht ganz unbescheiden als "Europas modernstes Girokono" wird - ist vollkommen kostenlos, von der Eröffnung des Kontos via Videotelefonat, bei dem man als Kunde seinen Ausweis lediglich in die Kamera halten muss, bis hin zur Kreditkarte, die zur gebührenfreien Geldbehebung dient. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem bayerischen Zahlungsanbieter Wirecard mit Banklizenz. Weitere Vorteile für die Kunden: Jede Kontobewegung wird sofort am Mobiltelefon angezeigt; statt der mühsamen Eingabe verschiedener TAN-Codes reicht ein PIN; und selbst lernende Statistiken geben stets einen Überblick über den eigenen Finanzhaushalt.

Lange Warteliste

„Wir haben bereits über 20.000 Interessenten auf der Warteliste“, freut sich Valentin Stalf (29) über den enormen Zuspruch vor allem junger Leute. Number26 ist die Erfolgsgeschichte zweier Wiener, die nunmehr ihren jüngsten Höhepunkt erreicht: Number26 erhält ein Series-A-Investment von zehn Millionen Euro. Investor ist Valar Ventures, ein global orientierter Venture Fonds, der unter anderem von Facebook-Investor und Paypal-Founder Peter Thiel gegründet wurde. „Wir freuen uns, die beiden Gründer dabei zu unterstützen, Banking nachhaltig zu verändern“, erklärt Valar-Partner Andrew McCormack: „Wir sehen riesige Möglichkeiten für Unternehmen, die innovative Wege im Banking gehen.“

Erst vor knapp zwei Jahren haben die Gründer begonnen, ihre Idee zu entwickeln. Während Stalf nach seinem Master in „Accounting and Finance“ an der Uni St. Gallen zunächst beim Beteiligungsunternehmen Rocket Internet in Berlin in verschiedenen Start-ups aus dem Fintech-Bereich Gründererfahrung sammelte, war Maximilian Tayenthal (34) in einer Anwaltskanzlei und danach als Vorstandsassistent bei der Wiener Städtischen tätig. Die beiden kannten einander noch aus der Schulzeit. „Und dann haben wir überlegt, selbst etwas zu gründen, was unserer Erfahrung und unseren Talenten entspricht“, erzählt Stalf, dessen persönlicher Wunsch es war, „möglichst früh Verantwortung für ein eigenes Unternehmen zu übernehmen“.

Bald war die Idee des Smartphone-Girokontos geboren. Stalf: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Markt des Zahlungsverkehrs sehr träge ist und drei bis vier Jahre hinter dem E-Commerce-Bereich nachhinkt.“ Die traditionellen Banken würden bis heute die Vorteile von Mobile Banking unterschätzen: „Die Zukunft einer Bank ist das Smartphone, nicht die Bankfiliale. Die jungen Kunden wollen volle Transparenz, Mobilität und Sicherheit.“

Die ersten Millionen

Nach der Gründungsphase in Wien entschieden sich die Gründer recht bald, nach Berlin zu übersiedeln, „weil dort ein besseres Start-up-Umfeld gegeben ist“. Bereits im Juni 2014 investierten die Venture-Fonds Earlybird und Redalpine zusammen mit Axel Springer Plug and Play sowie private Finanzexperten in Summe rund zwei Millionen Euro.

Im ersten Jahr seien rund 70.000 Kunden angepeilt, sagt Stalf selbstbewusst. Doch dabei soll es nicht bleiben: „Wir sehen ein riesiges Potenzial, traditionellen Banken signifikanten Marktanteil wegzunehmen. Wir wollen Ansprechpartner der jungen Generation in allen finanziellen Angelegenheiten werden.“

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