Scheidung: Microsoft beendet seine Odyssee mit Nokia

Scheidung: Microsoft beendet seine Odyssee mit Nokia
Scheidung: Microsoft beendet seine Odyssee mit Nokia

Microsoft CEO Satya Nadella zieht einen Schlussstrich unter das Experiment Nokia und Windows Phone.

Erst wurde Ex-Nokia-Chef Stephen Elop in die Wüste geschickt. Nun feuert Microsoft weitere 7800 Manager, vorwiegend mit Telefon-Know-How. Nebenbei schreibt Microsoft das Abenteuer Nokia mit 7,8 Milliarden Dollar ab. Und weitere bis zu 850 Millionen Dollar muss der Softwarekonzern für die Restrukturierung zahlen.

Ausgelitten! So könnte man den Schlussstrich trefflich umschreiben, gilt es die Umtriebe und unglücklichen Auswirkungen zum Milliardendeal mit Nokia auf den Punkt zu bringen. Der Deal hat alles andere als die einstigen Erwartungen erfüllt. Der Marktanteil im Handybusiness nimmt eher ab. Apple und Samsung sind die klaren Leader der Smartphone-Branche. Und Google und Apple bestimmten mit ihrem Betriebssystem als Quasi-Standards die Branche.

Der Nokia-Deal drohte für Microsoft eine Odyssee mit vielen Verwirrungen zu werden. Und das, obwohl der Übernahmedeal erst am 25. April 2014 finalisiert wurde. Microsoft hatte sich die Übernahme von Nokia 6,0 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) kosten lassen, um endlich nach unzähligen untauglichen Versuchen auch im Handybusiness endlich zu reüssieren. Die eigentlich noch frische Baustelle wird nun endgültig geschlossen - in der zweiten Etappe sozusagen.

Die erste Etappe auf dem Weg zu Einverleibung der Handysparte von Nokia wurde ziemlich zeitgleich im Juni vorigen Jahre beendet. Damals hat der erst seit Februar 2014 als Chef von Microsoft berufene Satya Nadella erstmals beinhart in der Mobilfunksparte von Microsoft durchgegriffen.

Nadella hat die Pläne seines Vorgängers Steve Ballmer und des von Nokia übernommenen Stephen Elop, der vor Nokia schon bei Microsoft gearbeitet hatte, kräftig zusammen gestutzt. Und so nebenbei wurden 18.000 Mitarbeiter, vorwiegend von Nokia übernommene Telekom-Experten, gefeuert. Es war damals die größte Kündigungswelle in der Firmengeschichte von Microsoft. Derartige Massenkündigungen hat man in dem 1975 gegründeten Unternehmen bis dahin so nicht gekannt hatte. Derzeit beschäftigt Microsoft weltweit 118.584 Mitarbeiter, rund 59.000 in den USA.

Der Schlussstrich unter Nokia

Wie im Vorjahr, schickt der Microsoft auch heuer wieder per E-Mail eine Botschaft an sein "Team," in dem auch die jüngsten strategischen Überlegungen erklärt werden. Genau ein Jahr nach der ersten Verschlankung des Mobile-Geschäft wird nun endgültig ein Strich unter die Rechnung gemacht: Der Nokia-Deal wird komplett abgeschrieben: 7,6 Milliarden Dollar Abschreibung sowie 650 bis 850 Millionen Dollar Restrukturierungskosten hat Microsoft-Chef Nadella dafür angesetzt. Bis Ende des Geschäftsjahres 2014/15 im Juni soll die Restrukturierung abgeschlossen sein.

Einfacher Grund: Microsoft baut um. Und fokussiert wieder mehr auf Software. Die Hardware-Sparte, insbesondere der Telekom-Sektor, scheinen da nicht mehr so richtig in die Strategie zu passen, obwohl sich Microsoft genauso wie Apple oder auch Google dem Mobile-Business samt Ecoystem mit Appstores und Entwickler-Community verschreiben hatte. Am "Windows Ecosystem" will Nadella weiterhin festhalten. Das Smartphone-Portfolio soll nach dem Personalabbau effektiver werden. Langfristig will Nadella trotz Personalabbau sich die Fähigkeit für Neuerfindungen im Mobilitätsbusiness erhalten, wie er in der E-Mail an seine Mitarbeiter schreibt.

Mit dem Schlussstrich unter das Kapitel Nokia geht für Microsoft eine Odyssee zu Ende. Bis zuletzt wusste niemand wirklich, was Microsoft mit dem neuen Asset eigentlich anfangen wollte. Die Computerwelt und Mobilfunkwelt haben wohl viele Gemeinsamkeiten. Sie als schlagkräftige Geschäftsbereiche zu koppeln, fällt offenbar einem Kaliber wie Microsoft schwer. Obwohl in dem Smartphone-Markt eigentlich genug Platz für einen dritten Top-Player wäre, scheint dies auch für einen Topkonzern wie Microsoft ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Microsoft versucht schon seit über 15 Jahre am Handymarkt zu reüssieren. Und lässt eine Panne der nächsten folgen. Die Milliardenübernahme von Nokia ist nun der Höhepunkt eines weiteren, kostspieligen Versuchs im Mobilfunk anzudocken.

Die Kapitalanleger freut die Aufräumarbeit: Die Microsoft-Aktie hat den Personalabbau mit einem Plus von 0,23 Prozent goutiert - die Aktie legt auf 44,24 Dollar leicht zu.

Die Microsoft-Aktie hatte zuletzt etwas gelitten. Der SChlussstrich unter das Abenteuer Nokia könnte eine Trendwende einleiten.

Die Neuaufstellung

Der Softwareriese will nun seine Kräfte vor allem auf Software fokussieren, die vorzugsweise aus Datenzentren als sogenannte "Cloud-Lösungen" via Internet zur Miete angeboten werden. Hier will Microsoft unter anderem auch auf das Geschäft mit Firmenkunden forcieren. SAP, IBM, Amazon oder auch Oracle gelten als Hauptkonkurrenten der Microsoft-Firmensoftware. Mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 erhofft sich Microsoft für das kommende Geschäftsjahr einen ersten Schub.

Steuertipps

So funktioniert die Steueramnestie für Russen mit Auslandsvermögen

Wirtschaft

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Wirtschaft

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab