Machtkampf bei VW: Piëch nominiert Kandidaten gegen seine Nichten

Machtkampf bei VW: Piëch nominiert Kandidaten gegen seine Nichten

Ferdinand Piëch gibt sich nicht geschlagen: Er kontert gegen seine eigene Familie

Ein weiterer Höhepunkt im Machtkampf um die Spitze bei VW zeichnet sich ab. Die beiden Nichten von Ferdinand Piëch, die 34-jährige Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling (57) wurden am Donnerstagnachmittag als neue VW-Aufsichtsräte präsentiert. Doch Ex-VW-Patriarch Piëch gibt sich noch nicht geschlagen und kontert mit einem Gegenvorschlag: Brigitte Ederer soll gemeinsam mit Wolfgang Reitzle in den VW-Aufsichtsrat einziehen.

Der Machtkampf zwischen Konzernpatriarch Ferdinand Piëch und der VW-Führung schien fürs erste entschieden. Auf Antrag des VW-Vorstands wurden nun Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piech (34) - zwei Nichten von Piëch - mit sofortiger Wirkung zu Mitgliedern des Kontrollgremiums der Volkswagen AG bestellt, teilte der Wolfsburger Konzern am Donnerstag mit. Doch damit ist das letzte Kapitel im Machtkampf Piëch gegen seinen eigenen Konzern und seine Familie nicht beendet. Im Gegenteil: Piëch scheint sich offen gegen die Nominierung seiner beiden Nichten in den VW-Aufsichtsrat zu stellen. Und nominiert zwei hochkarätige Gegenkandidaten.

Nach dem abrupten Abgang von Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und seiner Ehefrau Ursula scheint der 20-köpfige Aufsichtsrat des VW-Konzerns wenige Stunden vor dem "Tag der Arbeit" am 1. Mai wieder komplett. Auf Antrag des Vorstands der Volkswagen AG wurden die beiden Nichten von Piëch vom zuständigen Amtsgericht Braunschweig mit sofortiger Wirkung zu Mitgliedern des Aufsichtsrats der Volkswagen AG bestellt, wie VW in einer Aussendung mitgeteilt hat.

Der Widerstand von Piëch

Auch nach der Bestellung der beiden Piëch-Nichten gibt sich VW-Patriarch Piëch nicht geschlagen. Laut Bild-Zeitung will er die Bestellung der beiden neuen Aufsichtsräte torpedieren und der VW-Führung somit das Leben so schwer wie nur möglich machen. Er widersprach der Nominierung seiner Nichten für das VW-Kontrollgremium.

Und kontert mit einem Gegenvorschlag: Der ehemalige Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle (66) und Ex-Siemens-Vorstand Brigitte Ederer (59) sollen als neue Aufsichtsräte in das VW-Kontrollorgan einziehen.

Reitzle will hingegen die Gerüchte um seinen möglichen Einsatz im Volkswagen-Aufsichtsrat nicht kommentieren und wieter befeuern. Auf die Frage, was er zu den Spekulationen um die Neubesetzungen in dem Kontrollgremium der Wolfsburger sage, antwortet er am Donnerstag in Hannover bei der Conti-Hauptversammlung: "Nichts".

Eine Doppelrolle als Chefkontrolleur bei Conti und dessen größtem Kunden Volkswagen wäre allerdings für Aktionärsschützer problematisch. Contis Vorstandschef Elmar Degenhart meinte salopp: "Den Reitzle geben wir nicht her!"

Zwei Nichten aus Österreich

Die beiden Nichten dürfen sich jedenfalls gleich auf eine unruhige Zeit gefasst machen, auch wenn sie bisher nicht so fern von dem Volkswagen-Konzern entfernt waren. In einem sind sich die Experten und Beobachter - die größtenteils zuletzt geirrt hatten - noch immer einig: Piëch wird so lange es nur geht sich gegen seine eigene Entmachtung stemmen. Und alle Möglichkeiten in die Waagschale werfen, um seinen Einfluß im Volkswagen-Konzern wie in den vergangenen drei Jahrzehnten geltend zu machen.

Die Porsche SE ist mit knapp 51 Prozent größter Eigner von Volkswagen. Piech hält ein Aktienpaket von rund 13 an der Familienholding. Zuletzt war spekuliert worden, er könne sich von der Beteiligung trennen.

Mode- und Automobildesignerin mit Businessbackground

Die 57-jährige Louise Kiesling ist derzeit Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter die österreichische Textilmanufaktur Backhausen in Hoheneich. Sie ist auch an dem VW-Großaktionär Porsche SE beteiligt. Kiesling hat nach ihren Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet.

Zwei Studien & Aufsichtsratserfahrung

Julia Kuhn-Piëch (34 Jahre) hat in Wien das Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement studiert. Sie ist als selbstständige Immobilienmanagerin tätig und gehört seit 2014 dem Aufsichtsrat der MAN Truck & Bus AG.

Mit der Bestellung der beiden Nichten erfüllt der VW-Aufsichtsrat zudem die ab dem kommenden Jahr geltende Vorgabe eines 30 prozentigen Frauenanteils im Aufsichtsgremium. Zwei Frauen sitzen bereits im Aufsichtsrat: Die Schwedin Annika Falkengren. Sie ist die Vertreterin der Großbank SEB. Babette Fröhlich von der Gewerkschaft IG Metall sitzt für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat.

Wer jedoch Chefaufseher wird steht noch nicht fest.

Der Machtkampf

Vorausgegangen war in den vergangenen Wochen ein Machtkampf zwischen VW-Aufsichtsrat Piëch und dem VW-Vorstandsschef Martin Winterkorn. Piëch erklärte, er sei auf "Distanz zu Winterkorn" - seinem einstigen Zögling - gegangen. Eine Aussage, die von Experten als Ankündigung dafür gewertet wurde, dass der 67-jährige Winterkorn so gut wie gefeuert ist. Die VW-Experten und sogenannten Kenner von Piëch samt seinem Biografen irrten.

Just am 78. Geburtstag musste Piëch eine Abstimmungsniederlage hinnehmen. Fünf der sechs Mitglieder im Präsidium des Aufsichtsrats stimmten gegen Piëch. Nicht Winterkorn, sondern Piëch musste letztendlich den Hut nehmen. Der VW-Chef bekam Rückendeckung von fünf der sechs Aufsichtsräte, Sie hatten dem VW-Chef ihr uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen.

Doch damit war der Machtkampf nicht beigelegt. Piëch hatte im Hintergrund bereits den nächsten Schritt zur Ablöse von Winterkorn vorbereitet, um an dessen Stuhl zu sägen. Die Mitglieder im Präsidium des Aufsichtsrats zeigten Piëch die Rote Karte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula trat er daraufhin von allem Ämtern in dem Unternehmen zurück. Sein Aufsichtsratsmandat bei der Porsche SE behält er offenbar.

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