Lufthansa will billiger fliegen - auch auf der Langstrecke

Die Pläne von Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr sind ehrgeizig: Er will das Super-Billig-Segment ebenso aufbauen wie eine kostengünstige Langstrecke. Für die Kunden kann es nur von Vorteil sein, wenn die Strategie aufgeht - doch in der Branche ist man skeptisch.

Lufthansa will billiger fliegen - auch auf der Langstrecke

Die Lufthansa (ISIN: DE0008232125) steht am Scheideweg: Der erst seit sieben Monaten amtierende Konzernchef Carsten Spohr zwingt die größte deutsche Airline mit der Gründung von Billig-Ablegern eine neue Strategie auf. "Wir wollen nicht zu den Getriebenen, sondern zu den Treibern in der Branche gehören", sagt er zur Vorstellung des "Wings"-Konzepts.

Er holt damit in aller Eile Veränderungen nach, die andere Airlines schon vor Jahren durchboxten. Doch ist der Erfolg mehr als ungewiss - nicht nur weil sich die machtvollen Piloten dagegen sträuben. Experten warnen, dass das Vorhaben zu klein dimensioniert ist und die Lufthansa lieber die drückenden Probleme im Kerngeschäft angehen soll. Die Kosten des Flugbetriebs der Traditions-Airline sind zu hoch. Rückenwind für die Kranich-Linie dürfte es über längere Sicht durch den Ölpreis-Absturz geben - Kerosin ist einer der größten Kostenposten. Allerdings ermuntern fallende Tankrechnungen Rivalen, verlustträchtige Routen zu betreiben oder massiv zu expandieren. Erste Vorboten dafür gibt es schon.

Lufthansa mit Super-Billig-Segment

Die Kritik bringt Lufthansa-Lenker Spohr vorerst nicht von seinem Kurs ab. Er verfolgt seine Billigstrategie eisern und erhielt dafür vor gut einer Woche grünes Licht vom Aufsichtsrat. Das Wachstum soll aus der Ecke eines Flugmarkts kommen, den die Gesellschaft bislang höchstens mit spitzen Finger anfasste: Dem Super-Günstigsegment, das von Ryanair, Easyjet und Co. dominiert wird.

Spohr fährt dabei zweigleisig: Die Lufthansa-Regionallinie Eurowings soll bis 2017 mit 23 Airbus A320 in die Luft gehen. Vorgabe ist, dass die Tochter bis zu 40 Prozent günstiger fliegt als die große Lufthansa. Das geht aus Sicht von Spohr aber nur, wenn Piloten, die nach dem teuren Konzerntarifvertrag bezahlt werden, außen vor bleiben. Eigentlich hat die Lufthansa mit Germanwings bereits einen eigenen Billigflieger am Start, der noch vor kurzem aufwendig ausgebaut wurde.

"Germanwings hätte funktionieren können, doch hat sich seit der Planung vor zwei Jahren der Wettbewerb deutlich verschärft", sagt ein Lufthansa-Aufseher. Grund sei, dass Ryanair und Easyjet zwischenzeitlich in Deutschland stärker Fuß gefasst und große Flughäfen wie Köln ins Programm genommen hätten. "Deshalb musste die Lufthansa ihre Germanwings-Planung überarbeiten und eine ernsthafte Antwort finden. Das Ergebnis ist Eurowings." Wie ernst die Lage ist, veranschaulicht ein Blick in die Zahlen: Von Reuters befragte Analysten rechnen bei Ryanair für das Geschäftsjahr bis Ende März mit 930 Millionen Euro operativen Gewinn. Für die nach Umsatz sechs mal größere Lufthansa sind es für 2014 gerade einmal 1,2 Milliarden Euro.

Kaufen, kaufen, kaufen...

Die Lufthansa-Experimente werden in der Branche genau beobachtet, da Billigflieger in Europa auf einen Marktanteil von knapp 50 Prozent kommen. Strittig ist, ob große Fluglinien innerhalb der eigenen teuren Konzernstrukturen überhaupt einen veritablen Ryanair-Rivalen aufbauen können. British Airways-Iberia hat mit Vueling etwa einen Anbieter dazugekauft. Die Lufthansa spielte Insidern zufolge unter Spohr-Vorgänger Christoph Franz mit der Idee, den osteuropäischen Günstig-Flieger Wizz Air zu schlucken. Die Gespräche scheiterten an unterschiedlichen Preisvorstellungen, hatten zwei vertraute Personen im September zu Reuters gesagt.

Abschreckend dürfte auf den Piloten Spohr die Bruchlandung seines Kollegen Alexandre de Juniac von Air France-KLM wirken. Der Airline-Chef musste nach zwei Wochen Pilotenstreik im Herbst einlenken und die Pläne für eine europaweite Expansion des Billigablegers Transavia überwiegend auf Frankreich begrenzen. Die Probleme des Konzerns ähneln denen der Lufthansa. "Wir haben eine große Herausforderung, und das ist die Senkung der Kosten", sagt KLM-Manager Pieter Groeneveld.

Billig - auch auf der Langstrecke

Der zweite Teil von Spohrs Strategie ist noch umstrittener. Ebenfalls unter dem Namen Eurowings will er eine kostengünstige Langstrecken-Fluglinie mit zunächst drei Flugzeugen aus dem Boden stampfen. Die Piloten laufen dagegen Sturm, da bislang alle ähnlichen Versuche von Konkurrenten scheiterten und sie zudem nicht im Cockpit der Eurowings-Flieger sitzen sollen. Spohr hält die Konzern-Flugzeugführer schlicht für zu teuer und will auch den seit acht Monaten tobenden Arbeitskampf durchstehen, um sich künftig von der schlagkräftigen Berufsgruppe nicht mehr ins Handwerk reden lassen zu müssen.

Fraglich ist nach Ansicht von Marktexperten aber, ob der neue Konzernlenker sich nicht das falsche Geschäftsfeld für seine Zukunftsoffensive ausgesucht hat. "Einige der Wachstumsmärkte expandieren schnell, aber man verdient dort kein Geld", sagt Stephen Furlong vom Analystenhaus Davy. Stattdessen sollte der CEO das Geld lieber in unspektakuläre aber stabile Sparten wie Lufthansa Technik oder die Catering-Tochter LSG Sky Chefs investieren, die in der Vergangenheit die mageren Resultate der Konzern-Fluglinien ausgeglichen haben.

Billiges Öl lässt Ticket-Preise purzeln

Und die seit dem Sommer rapide purzelnden Ölpreise entlasten die Lufthansa auf der Kostenseite, könnten aber auch unheilvolle Nebenwirkungen haben. "Das Treibstoff-Weihnachtsgeschenk wird Auswirkungen auf die Flugkapazitäten im nächsten Jahr haben", warnen die Analysten von Merrill Lynch. Sprich: Die Branche steht davor, den Markt mit neuen Strecken und Flugtickets zu überschwemmen, die Preise werde wegen des Überangebots fallen.

Die Folgen sind bekannt: Die bereits hauchdünnen Gewinnmargen vieler Airlines - bei der Lufthansa sind es operativ 2,6 Prozent - werden noch schlanker. Der Startschuss für den ruinösen Wettlauf ist bereits gefallen: Ryanair schraubte die Kapazitäten, also das Angebot an Sitzplätzen, im November um 13 Prozent nach oben. Im nächsten Jahr dürften das Angebot europäischer Airlines auf der Kurz- und Langstrecke im Schnitt um jeweils sechs Prozent zulegen, die Erträge aber gleichzeitig um drei Prozent sinken. "Wir erwarten nächsten Sommer eine Reihe von aufsehenerregenden Gewinnwarnungen", sagen die Banker von Merrill Lynch.

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