Lufthansa: Bis Jahresende jederzeit weitere Streiks möglich

Lufthansa: Bis Jahresende jederzeit weitere Streiks möglich
Lufthansa: Bis Jahresende jederzeit weitere Streiks möglich

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hat im Arbeitskampf mit den Piloten ein neues Kapitel eröffnet.

Der Lufthansa-Streik eskaliert weiter. Die Pilotengewerkschaft Cockpit droht nun mit weiteren mehrtägigen Streiks, mit denen man bis Jahresende jede Woche rechnen müsse. Für die Passagiere gibt es kaum Garantien, dass gebuchte Flüge nach Plan geflogen werden. Die Lufthansa kontert mit Klagen gegen den Streik.

Der nicht zuletzt durch die Gründung der neuen Lutfhansa-Tochter Eurowings wieder neu entflammte Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten wird wohl auch in den nächsten Monaten mit aller Härte weitergehen und für zahlreiche Flugausfälle und Chaos an den Flughäfen sorgen. Hauptsächlich davon betroffen sein werden wie auch bei den bisherigen Streiks Flüge von und nach Deutschland. Für Passagiere bedeutet das, dass es auch in den nächsten Monaten keine Garantie gibt, dass gebuchte Flüge auch planmäßig geflogen werden.

"Grundsätzlich ist bis auf Weiteres in jeder Woche mit Streiks zu rechnen", sagte Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) im Gespräch auf dem Frankfurter Flughafen. Der aktuelle, auf 16 Stunden angesetzte Pilotenstreik soll demzufolge nur der Auftakt zu einem umfassenden Arbeitskampf sein, und der Fluglinie und ihrem Chefkapitän Carsten Spohr einen heißen Herbst bescheren.

Am Dienstag, den 8. September werden die Langstrecken-Flüge der Lufthansa bestreikt, tags darauf sollen die Streiks auch auf Kurz- und Mittelstrecken ausgedehnt werden. Lufthansa will dafür einen Sonderflugplan erarbeiten. Am Mittwoch hat die Fluglinie 1.520 Flüge mit 180.000 gebuchten Passagieren im Programm. Am Frankfurter Flughafen, der wichtigsten Lufthansa-Drehscheibe, hat man aber offenbar bereits gelernt, mit den Pilotenstreiks umzugehen. Zum Streikbeginn erschienen kaum Passagiere, die noch nicht von den Flugausfällen oder Umbuchungen erfahren hatten. Die Fluggesellschaft informiert ihre Kunden gezielt über SMS und E-Mails.

Die Lufthansa will auch juristisch gegen den Pilotenstreik vorgehen und ihn mit Klagen. Der Konzern hat bei den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln ein einstweilige Verfügungen gegen den Pilotenstreik beantragt. Die Kunden würden weit über das erträgliche Maß hinaus von einer kleinen Gruppe der Beschäftigten belastet, sagte Konzernsprecherin Barbara Schädler. Für die Kunden sei jeder weitere Flugausfall unzumutbar. "Wir haben abr bereits bei dem Streik im März gezeigt, dass wir das operativ hinkriegen."

Eurowings gegen Lufthansa

Die neuen Streiks sind eine Reaktion, mit der der neue Lufthansa-Chef Spohr wohl gerechnet hat, denn mit der neu gegründeten Eurowings-Zentrale in Wien ist der Lufthansa-Konzern im Arbeitskampf in die Offensive gegangen und hat den Lufthansa-Piloten neue Konkurrenten innerhalb des eigenen Konzerns gegenüber gestellt: Die Piloten der im Aufbau befindlichen Billig-Airline verdienen rund 40 Prozent weniger als die der Lufthansa. Auch wenn Eurowings vorerst noch hauptsächlich auf dem Papier existiert stehen bereits Destinationen wie London, Barcelona, Palma dem Mallorca und Rom fest, auch Langstrecken-Flüge sollen angeboten werden.

Eurowings soll Spohrs Plänen zufolge schnell zur drittgrößten Billigfluglinie Europas werden: "Dafür ist Platz, weil der Billigflug-Anteil auf unseren Heimatmärkten Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien viel niedriger ist als anderswo in Europa. Und wenn nicht genügend Platz ist, ist die Lufthansa-Gruppe stark genug, sich Platz zu schaffen." Konzern-Ziel ist allerdings auch, die Kostensituation auf das Niveau der Wettbewerber bringen. Spohr: "Es geht nicht anders: Wir müssen, um die Führungsrolle zu erhalten und nicht von Low-Cost-Carriern verdrängt zu werden."

Die streitbaren und wenig zum Sparen bereiten deutschen Lufthansa-Piloten sind wohl der Hauptgrund, weshalb sich Spohr für Wien als Eurowings-Zentrale entschieden hat: Mit jedem nach Österreich verlagerten Jet verliert die Gewerkschaft in Deutschland an Einfluss. Die Crews der Eurowings-Flüge werden zudem vorerst von der AUA bereitgestellt, die dem neuen Kollektivvertrag zufolge im Konzern zu den günstigsten zählen.

Die Gewerkschaft hatte der Lufthansa zuletzt Zugeständnisse im Gegegenwert von rund 500 Millionen Euro gemacht. Spohr habe es jedoch abgelehnt, für die Dauer der Verhandlungen die Verlagerung von Flugzeugen ins Ausland zu unterbrechen.

Streikkosten: 300 Millionen Euro

Die bisherigen zwölf Streikrunden seit April 2014 haben der Airline den Berechnungen der Pilotengewerkschaft zufolge bereits einen Schaden von rund 330 Millionen Euro zugefügt. Der offizielle Streikgrund ist nach wie vor die Übergangsversorgung der rund 5.400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings bis zum Pensionsantritt. Die Streiks waren seit dem März ausgesetzt worden, in den folgenden Verhandlungen konnte allerdings keine Einigung erzielt werden. Nun wirft die Gewerkschaft dem Unternehmen aber auch Tarifflucht vor, weil bei Eurowings Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden.

Spohr, für den jeder Streiktag einer zu viel ist, zeigte sich enttäuscht, dass die Piloten-Gewerkschaft Cockpit die Gespräche erneut abgebrochen hat: "Das Thema ist nur am Verhandlungstisch zu lösen", betonte er.

Die Fronten im Lufthansa-Streik

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen per Ende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangspensionen. Die Airline will nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht keine endgültigen Pensionshöhen mehr garantieren.

  • Piloten Im Streit um den Konzerntarifvertrag für rund 5.400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings geht es offiziell um Gehälter und Übergangs-Pensionszahlungen. Für die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hier weiter "kein abschlussfähiges Angebot" gibt. Die Gewerkschaft will nun aber auch den Eurowings-Ausbau verhindern und spricht von einer Tarifflucht.
  • Bodenpersonal Die Gewerkschaft ver.di hatte zum Verhandlungsauftakt für die etwa 33.000 Bodenbeschäftigten versucht, das Thema Pensionen auszuklammern. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsgespräche mit der Frage künftiger Betriebspensionen verknüpfen. Ende September soll das Pensionsthema in Arbeitsgruppen besprochen werden.
  • Flugbegleiter Die Kabinengewerkschaft Ufo drohte nach einer gescheiterten Schlichtung zum Thema Pensionen mit einem massiven Streik, der Ende Juni in letzter Minute abgesagt wurde. Die Lufthansa hat ihr Anbot zur Betriebspensionen-Neuregelung für rund 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter aufgestockt und sich mit Ufo Zeit für Verhandlungen bis zum 1. November genommen.

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