Kostenlawine: Banken beginnen radikal zu sparen

Die beiden Deutsche Bank Chefs Anshu Jain (r) and Juergen Fitschen tüfteln an massiven Einsparungen.
Die beiden Deutsche Bank Chefs Anshu Jain (r) and Juergen Fitschen tüfteln an massiven Einsparungen.

Die beiden Deutsche Bank Chefs Anshu Jain (r) and Jürgen Fitschen tüfteln an massiven Einsparungen.

Immer mehr große Banken sehen sich gezwungen ganze Geschäftszweige abzuspalten. Schuld sind milliardenschwere Regulierungskosten, die die europäische Bankunion mit sich bringt, ebenso die Trennung von Sparern und riskanter Geschäfte. Die Deutsche Bank könnte nun etwa das teure Privatkundengeschäft abspalten.

Bis zu 10 Milliarden Euro jährlich für europäische Bankenaufsicht und Abwicklungsbehörde

Die von den europäischen Staaten beschlossene Bankenunion wird für die europäischen Banken laut einer Studie der DZ Bank teuer. Durch die Bankenunion soll eine einheitliche Bankenaufsicht geschaffen werden und einen Bankenabwicklungsmechanismus für notleidende Großbanken geschaffen werden. Klingt vernünftig, geht aber richtig ins Geld. Laut der Studie werden die Banken aufgrund der damit verbundenen Regulierungsvorhaben bis zu zehn Milliarden Euro jährlich aufbringen müssen. „Auf die Banken rollt eine Kostenlawine zu, die die Ertragslage ab 2015 über Jahre belasten wird“, so Michael Stappel, Senior Economist der DZ Bank und Autor der Studie. Je nach dem, wie viel Ansparzeit zum Aufbau des Abwicklungsfonds eingeräumt wird, erreicht der Kostendruck in der Spitze 9,7 bis 10,6 Milliarden Euro im Jahr, präzisiert der Studienautor die bevorstehenden Ausgaben für das neue Megaprojekt Bankenunion. Die bittere Erkenntnis: Die Kosten könnten den langfristigen durchschnittlichen Jahresgewinn der Branche übersteigen.

Deutsche Bank will US-Rivalen nicht das Feld überlassen

Das Ergebnis der Studie dürfte plausibel sein, denn immer mehr Banken wappnen sich gegen die Kostenlawine. So haben viele große europäische Banken bereits ihr Investmentbanking aus Kapitalgründen gestutzt oder sind dabei - etwa die Schweizer UBS und die britische Barclays. Deutsche Bank Boss Anshu Jain spekuliert nun darauf, den Rückzug dieser Rivalen zu nutzen, um in Lücken vorzustoßen und Marktanteile zu gewinnen. Er will nicht den US-Rivalen das Feld überlassen, wie er immer wieder bekundet. Einige Großinvestoren haben dafür zuletzt offen Unterstützung signalisiert, etwa der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock.

Um dennoch kräftig zu sparen, hat die Deutsche Bank offenbar einen anderen Plan. Sie könnte das Privatkundengeschäft komplett abspalten. Die Deutsche Bank wollte sich zwar zu den Informationen nicht äußern. Nach wie vor heißt es lediglich, die Ergebnisse der Strategieüberprüfung würden zeitnah vorgestellt. Die Aktionäre hoffen, dass sie bis zur Hauptversammlung am 21. Mai Klarheit haben. "Das Privatkundengeschäft muss in jedem Modell Federn lassen", erklärte jedoch ein Insider.

Filialen verschlingen viel Geld

In jedem Fall sei die Erkenntnis gereift, dass sich die Deutsche Bank das bislang sehr breit angelegte Universalbank-Modell wegen der hohen Regulierungskosten nicht mehr leisten könne, erklärte einer der Insider. Das Filialgeschäft verschlinge viel Geld. Mit einer Komplettabspaltung des Privatkundengeschäfts würde zudem die Bilanz deutlich verkürzt.

Verhältnis Eigenkapital zu Bilanzsumme: Größte Herausforderung

Eine Abspaltung des Filialgeschäfts würde der Deutschen Bank helfen, die sogenannte Leverage Ratio - das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme - nach oben zu schrauben. Co-Chef Jürgen Fitschen hatte das kürzlich als größte Herausforderung für die Bank bezeichnet. In der neuen Ausrichtung wären die Frankfurter dann eine Bank, die sich mit Investmentbanking, Vermögensverwaltung und Zahlungsverkehr auf gehobene Privatkunden und Firmenkunden fokussiere - eine "Wholesale Bank", wie es intern heißt.

Privatkunden ausgelagert

Bereits im Januar hat Reuters aus Finanzkreisen erfahren, dass ein solches Modell diskutiert wird. Nun scheint es konkrete Formen anzunehmen. Den Angaben zufolge würde man die technische Integration der Postbank in die Deutsche Bank weiter vorantreiben, um jährliche Kosteneinsparungen von etwa 800 Millionen Euro zu erreichen. Bis spätestens Anfang 2017 solle die Privatkundenbank dann schlank und hübsch und börsenfähig sein. Zwar sei noch offen, bei welchen Privatkunden man "abschneiden" würde. Aber das Massengeschäft dürfte auf jeden Fall in die Privatkundenbank wandern. Das wäre quasi eine Wiederauflage der "Deutsche Bank 24" aus den neunziger Jahren - schon damals wollte sich das Institut im Kerngeschäft eigentlich auf die vermögenderen Privatkunden fokussieren, hatte dann aber einen Rückzieher gemacht.

Spareinlagen müssen künftig vom spekulativen Eigengeschäft getrennt werden

Ein weiterer Grund für den radikalen Schnitt, ist das neue deutsche Trennbankengesetz. Das grundsätzliche Ziel des "Gesetzes zur Abschirmung von Risiken und zur Planung der Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten und Finanzgruppen" ist es, die Spareinlagen vom spekulativen Eigengeschäft der Geldinstitute abzuschirmen: Bei einer Bankenschieflage sollen die Privatkunden nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dazu sieht das Gesetz vor, dass die betroffenen Geldhäuser ihre Geschäfte bis Juli 2015 in zwei Töchter aufspalten müssen: Das Einlagengeschäft soll in der einen Tochter gebündelt werden. In der anderen werden das riskante Eigengeschäft, die Finanzierung von Hedge-Fonds und der Hochfrequenzhandel zusammengefasst. Die Quersubventionierung von Spekulationen durch Spareinlagen ist also nicht mehr möglich.

Die Handelsaktivitäten müssen mehr als 20 Prozent der Bilanzsumme ausmachen oder größer als 100 Milliarden Euro sein. Außerdem muss die Bilanzsumme über 90 Milliarden Euro liegen. Betroffen von dem Gesetz sind rund ein Dutzend deutscher Kreditinstitute, an vorderster Stelle der Branchenprimus Deutsche Bank.

Fokus Heimatmarkt keine Option

Eine Fokussierung auf den Heimatmarkt ist für die Deutsche Bank nach den Worten von Co-Vorstandschef Anshu Jain keine Option. Deutschland sei eine Exportwirtschaft, betonte Jain. "Warum sollte man sich da einen Bankensektor leisten, der nur national ausgerichtet ist?"
Die Deutsche Bank habe mit ihrem starken Kapitalmarktgeschäft die Möglichkeit, Firmen ins Ausland zu begleiten. Daran werde das Institut festhalten, um nicht der US-Konkurrenz das Feld zu überlassen, betonte Jain, der jahrelang das Investmentbanking im Konzern geleitet hat. Auch in der Politik habe er bisher nicht den Wunsch wahrgenommen, dass Deutschlands größtes Geldhaus in dieser Hinsicht umsteuern müsse.

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