Konzerne und Start-ups: Euphorie trifft Enttäuschung

Immer mehr etablierte Konzerne setzen auf die Kooperation mit jungen, innovativen Start-ups. Aus ihrer Sicht macht dies auch Sinn - die Jungen hingegen sind von der Zusammenarbeit mit der Old Economy weitgehend enttäuscht.

Thema: Start-ups
Konzerne und Start-ups: Euphorie trifft Enttäuschung

Groß und klein, jung und alt - passt das überhaupt zusammen? "Jein," lautet die Antwort einer aktuellen Studie des Dienstleistungsunternehmens Accenture. Die gute Nachricht zuerst: Die Innovationsfähigkeit großer Unternehmen wird immer stärker von der Zusammenarbeit mit Start-ups beeinflusst. Laut einer Umfrage unter rund 1.000 Führungskräften von Großunternehmen aus den führenden Industriestaaten sind mehr als drei Viertel (78 Prozent) davon überzeugt, dass die Kollaboration mit Start-ups entscheidend für Innovation und Wachstum ihres Unternehmens ist.

Die Kooperation mit Start-ups ist zudem ein Treiber für die digitale Transformation in den Unternehmen: So sind 82 Prozent der Befragten in den Großunternehmen weltweit der Meinung, dass von der Zusammenarbeit mit Start-ups wichtige Impulse für die eigene Digitalisierung ausgehen. Die gemeinsame Innovation mit Start-ups, die oft mit Open-Innovation-Modellen umgesetzt wird, lohnt sich auch aus unternehmerischer Sicht für die großen Firmen. So sind deren Führungskräfte laut Umfrage optimistisch, dass in fünf Jahren knapp ein Fünftel des gesamten Umsatzes (18 Prozent) ihres Unternehmens direkt aus der Zusammenarbeit mit Start-ups resultieren wird.

Konzerne denken nicht unternehmerisch

Kritischere Töne gibt es hingegen von den 1000 Start-up-Gründern, die ebenfalls im Rahmen der Studie befragt wurden - laut ihnen müssen Konzerne sich weiter für "Open Innovation" öffnen und lernen, mit den Start-ups auf Augenhöhe zu kooperieren. Knapp ein Viertel (24 Prozent) der Gründer glaubt, dass große Firmen bei der Kooperation mit Start-ups nur ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen und das Wachstum des kleineren Partners nicht ausreichend berücksichtigen.

Weiterhin sagten drei Viertel der Gründer, die zuvor bei einem Großunternehmen angestellt waren, dass unternehmerisches Denken dort zu kurz komme und sie deshalb gekündigt hätten. Die Wahrnehmung der Führungskräfte bei den etablierten Playern ist hingegen eine ganz andere: Drei Viertel von ihnen glauben, dass der Unternehmergeist auch in den Großunternehmen verbreitet sei.

Kein Kontakt auf Augenhöhe

Zudem fühlen sich Start-ups bei gemeinsamen Projekten oft nicht ernst genommen und zweifeln am Erfolg der Kollaboration. So beklagt etwa knapp jeder dritte Entrepreneur in Deutschland ein fehlendes Engagement der Großunternehmen in der gemeinsamen Zusammenarbeit. Eine ganz andere Wahrnehmung herrscht hingegen bei den Führungskräften in großen deutschen Firmen: Nur zehn Prozent der Befragten glauben, dass sie der Kooperation mit den Gründern nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken.

Zudem bewerten die Entscheider in Großunternehmen die Ergebnisse der Zusammenarbeit wesentlich positiver als die Start-ups. So sind 71 Prozent der Befragten bei den etablierten Firmen in Deutschland überzeugt, dass die Kooperation erfolgreich verläuft. Unter den Gründern zieht jedoch nur etwa jeder Zweite (53 Prozent) ein positives Fazit. Für Österreich liegen keine detaillierten Zahlen vor.

Gemeinsam Geschäftsmodelle entwickeln

„Viele Firmen haben das große innovative Potential von Start-ups zwar erkannt, doch bei der Zusammenarbeit hakt es noch an vielen Stellen”, sagt Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich. „Oft scheitert eine effektive Kooperation am fehlenden Verständnis für die Interessen der Start-ups, denn die Großunternehmen haben viel zu oft nur ihren eigenen Vorteil im Blick”, so Malle weiter. „Daher brauchen wir ein Umdenken auf Seiten der Unternehmen hin zu einer echten Partnerschaft auf Augenhöhe.

Dazu gehört die Bereitschaft, nicht nur in Start-ups zu investieren, sondern im Sinne der Open Innovation partnerschaftlich mit ihnen zusammenzuarbeiten und Ideen, Assets sowie geistiges Eigentum zu teilen und gemeinsame Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass Risiken und Gewinne für beide Seiten in einem fairen Verhältnis zueinander stehen und nicht allein der Größere den Ton angibt.”

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