René Benko: Der Traum ist aus

René Benko: Der Traum ist aus

René Benko: Der Traum des Signa- und Karstadt-Chefs von der großen, deutschen Warenhaus-Gruppe ist geplatzt.

Mit dem Verkauf von Kaufhof an die kanadische Hudson's Bay hat die Metro vor allem eines besiegelt: das Ende von Karstadt. Es gibt für Karstadt-Eigner René Benko nun keinen Grund mehr, die kriselnde Warenhauskette am Leben zu erhalten.

Manchmal verrät schon die Länge der Pressemitteilungen den Grad der Enttäuschung. Exakt vier kurze Absätze hat die Signa-Gruppe heute herausgeschickt, um die Entscheidung der Metro zu kommentieren, Galeria Kaufhof an die kanadische Hudson's Bay Group und nicht an Karstadt-Eigner René Benko und seine Signa-Gruppe zu verkaufen. Aus jedem einzelnen Satz spricht der Frust, nicht zum Zug gekommen zu sein.

Es habe erstmals die historische Chance bestanden, sowohl Kaufhof als auch Karstadt strategisch und operativ zu vereinen, heißt es da. Die Finanzierung habe gestimmt, man sei sogar bereit gewesen, umfangreiche Arbeitnehmerrechte zu akzeptieren.

Und doch hat sich die Metro anders entschieden.

Um Kaufhof muss man sich erst mal keine Sorgen machen. Die Noch-Metro-Tochter bekommt mit Hudson's Bay einen Eigentümer, der, wie es aussieht, genügend Geld, genügend Kompetenz und vor allem den festen Willen mitbringt, ernsthaft ins Europa-Geschäft einzusteigen.

Bei Karstadt sieht das anders aus. Denn natürlich steckte hinter Benkos Karstadt-Übernahme im vergangenen Sommer der langfristige Plan, die kriselnde Kaufhaus-Kette mit dem bisherigen Wettbewerber Kaufhof zu fusionieren und eine einzige, deutsche Warenhaus-AG zu schaffen. Mit allen Vor-, aber auch allen Nachteilen wie Standortschließungen und Entlassungen. Das wurde zwar nie offen ausgesprochen, aber alle Strategiepapiere, alle Entscheidungen und nicht zuletzt die Vehemenz, mit der in den vergangenen Wochen um die Deutungshoheit im Bieterkampf gerungen wurde, sprechen dafür.

Dieser Plan ist jetzt Makulatur.

Für Karstadt bedeutet das nichts anderes als den leisen Tod auf Raten. Denn mit seinen bestehenden Filialen allein wird die Warenhauskette die nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone nicht schaffen. Und warum sollte Benko sich dauerhaft den Betrieb von Warenhäusern leisten, die kein Geld abwerfen?

Viel wahrscheinlicher ist Folgendes: Die wenigen gut laufenden Häuser werden in die Premium-Gruppe verlegt, in der heute bereits das Berliner KaDeWe, das Hamburger Alsterhaus und das Oberpollinger in München zusammengefasst sind. Ein paar Filialen werden vielleicht an die Kaufhof-Gruppe abgegeben, die schlecht laufenden Standorte aufgegeben. Nach und nach werden die Karstadt-Häuser so aus der Wahrnehmung der Kunden und damit auch irgendwann vom Markt verschwinden.

Das Signa-Statement im Wortlaut

SIGNA bedauert die Entscheidung der METRO AG, den Kaufhof an das kanadische Unternehmen Hudson's Bay zu verkaufen. Wir haben uns drei Jahre lang auf die Verwirklichung der Deutschen Warenhaus Holding intensiv und gewissenhaft vorbereitet, um die beiden deutschen Traditionsmarken Kaufhof und Karstadt gemeinsam in eine gute Zukunft zu führen. Dies ist nun nicht mehr möglich.

Erstmals bestand die historische Chance, sowohl Kaufhof als auch Karstadt strategisch, konzeptionell und operativ zu vereinen und nicht mehr im gegenseitigen Wettbewerb zu stehen, sondern gemeinsam miteinander offensiv in einem schwieriger werdenden Marktumfeld zu agieren.

Die Finanzierung für den Erwerb von Kaufhof war seitens SIGNA sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite gesichert. SIGNA war zudem bereit, umfangreiche Arbeitnehmerrechte im Falle eines Zuschlages von Metro für den Kaufhof an uns zu akzeptieren.

Der Verkäufer METRO hat sich anders entschieden und wir müssen diese Entscheidung akzeptieren. Wir konzentrieren uns nun darauf, die äußerst positive Entwicklung der Karstadt Warenhaus GmbH mit aller Kraft fortzusetzen, Karstadt sports selbständig zu positionieren und The KaDeWe Group mit dem neuen strategischen Partner weiterzuentwickeln.

Zur Autorin:
Susanne Amann, geboren 1976 in Stuttgart. Studium der Politikwissenschaft und Journalistik in Leipzig und Madrid. Volontierte 2001 bei der "taz - die tageszeitung" in Berlin und arbeitete anschließend als Redakteurin bei der "taz" und später als Reporterin bei "Financial Times Deutschland Online". Ab März 2007 Wirtschaftsredakteurin bei SPIEGEL ONLINE, seit Juni 2009 Ressortleiterin. Wechselte 2010 als Redakteurin ins Wirtschaftsressort des SPIEGEL, seit November 2013 stellvertretende Ressortleiterin.

Der Kommentar wurde ursprünglich am 15. Juni 2015 auf Spiegel Online veröffentlicht und format.at zur Verfügung gestellt.

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