Karstadt schnürt nach Signa-Übernahme ein Sparpaket

Karstadt schnürt nach Signa-Übernahme ein Sparpaket

Die angeschlagene deutsche Kaufhauskette Karstadt hat einen umfassenden Umbau angekündigt. Auch die Schließung verlustreicher Filialen wird dabei nicht ausgeschlossen, wie das Unternehmen nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag in Essen mitteilte. Schließungsbeschlüsse seien aber noch nicht erfolgt.

Beim angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt sind die Weichen für einen radikalen Sparkurs mit einem Personalabbau bis hin zu Filialschließungen gestellt. Finanzvorstand Miguel Müllenbach, der das Unternehmen übergangsweise leitet, erklärte die bisherige Strategie für gescheitert und legte dem Aufsichtsrat am Donnerstag ein Sanierungskonzept vor.

Dies setzt auf niedrigere Personal- und Sachkosten in den Filialen, der Zentrale und der Logistik. Defizitären Häusern droht das Aus, das Management hat eine Liste von Standorten erstellt, die rote Zahlen schreiben. Wettbewerber seien mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher, hieß es weiter. Solche "Wettbewerbsnachteile" müssten ausgeglichen werden. Damit wären umgelegt auf Karstadt mindestens 3400 Stellen bedroht. Laut einem Bericht der "WAZ" sollen mindestens 2000 der 17.000 Mitarbeiter abgebaut werden - das wären rund zwölf Prozent der Belegschaft. es könnten jedoch weit mehr Stellen betroffen sein, da eine mögliche Schließung von Filialen in den Zahlen nicht enthalten sei.


Die Arbeitnehmervertreter kritisierten die geplanten Einschnitte bei den Beschäftigten. "Gerade die letzen Jahre haben deutlich gemacht, dass Personalabbau keine Antwort auf die Frage der Zukunft des Warenhauses ist", erklärte das zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. An der falschen Stelle zu sparen, hat noch kein Unternehmen in die Zukunft gebracht." Auch Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt, der selbst im Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die Pläne. "Man kann operative Fehler und ausbleibenden Erfolg nicht ständig mit Personalabbau kompensieren."

Karstadt zufolge wird das nach dem Eigentümerwechsel auf den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko neu formierte Kontrollgremium die Vorschläge nun bewerten. Zudem stünden Verhandlungen mit den Arbeitnehmern an, "um die richtige Balance zwischen Sozialverträglichkeit und wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu finden". Nutzenberger betonte, über Einschnitte müsse mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.

Management: Entscheidungen im Oktober

Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober werde auch über eine "geeignete Besetzung und Struktur des Management-Teams" beraten, teilte Karstadt mit. Insider handeln Aufsichtsratschef Stefan Fanderl als möglichen Kandidaten für den Karstadt-Chefsessel. Der ehemalige Rewe-Mann sei ein logischer Kandidat, Fanderl genieße das Vertrauen des neuen Eigentümers Benko.

Der österreichische Immobilien-Investor hatte nach der Übernahme der Kette mit deren rund 17.000 Beschäftigten vom glücklosen Investor Nicolas Berggruen eine Reihe von Vertrauten in das Kontrollgremium des Essener Konzerns entsandt. Acht neue Mitglieder zählt der Aufsichtsrat nun. Experten erwarteten auch deshalb vor der Sitzung nicht den großen Wurf.

Benko, der Karstadt Mitte August für den symbolischen Preis von einem Euro übernahm, hat bisher kein eigenes Konzept vorgelegt. Fanderl hatte aber bereits deutlich gemacht, dass Einschnitte unausweichlich seien, um den mit hohen Verlusten kämpfenden Tanker in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Er hatte hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Karstadt-Häusern ein großes Fragezeichen gesetzt.

Müllenbach und sein Team räumten ein, dass die seit 2011 verfolgte Strategie wirtschaftlich fehlgeschlagen sei. "Eine weitere Fortführung dieses Kurses würde die Verluste mittelfristig weiter ansteigen lassen." Um den Umsatz in den Filialen zu steigern, sollen nun unter anderem die Sortimente stärker regional ausgerichtet werden.

Investitionsbedarf in Millionenhöhe

Kennern zufolge müssten viele Hunderte Millionen Euro investiert werden, um dem Kaufhof -Rivalen ein frisches, zukunftsfähiges Konzept zu geben. Sie bezweifeln jedoch, dass Benko das kann und will und vermuten eher, dass der Österreicher vor allem seine bisherigen Investments retten will. Seiner Immobilienfirma Signa Holding gehörten bereits die Karstadt-Sporthäuser, das Berliner KaDeWe, das Hamburger Alsterhaus, das Münchener Oberpollinger sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien.

Die Karstadt-Übernahme durch Benko hatte auch Spekulationen über eine Warenhausallianz mit der Metro -Tochter Kaufhof neu angefacht. Er hatte sich in der Vergangenheit bereits vergeblich um eine Übernahme von Kaufhof bemüht. Branchenkreisen zufolge hat Benko nun aber Kontakt zu Metro-Großaktionär Haniel geknüpft - möglicherweise könnte er also mittelfristig einen neuen Anlauf für eine Warenhausallianz wagen.

Karstadt schreibt seit Jahren Verluste. Im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende September) stand einen Fehlbetrag von 131 Millionen Euro in den Büchern, der Umsatz der Karstadt Warenhaus GmbH sank auf 2,672 (Vorjahr: 2,936) Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 erwarte Karstadt "einen Verlust in knapp dreistelliger Millionenhöhe", hatte es im Jahresabschluss geheißen, der Mitte August im Bundesanzeiger veröffentlicht worden war.

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