John Cryan - der beinharte Sanierer bei der Deutschen Bank

John Cryan - der beinharte Sanierer bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank Chef John Cryan

Am 1. Juli löste John Cryan seinen Vorgänger Anshu Jain an der Spitze der Deutschen Bank ab. Viele trauen ihm zu, dass er das Ruder nun rumreißen kann - und erwarten zugleich, dass tausende der rund 100.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden.

Als ehemaliger Finanzchef der Schweizer UBS kennt er sich mit Großbanken in der Krise aus - nun kann John Cryan bei der Deutschen Bank sein Meisterstück abliefern. Am 1. Juli löste er Anshu Jain an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus ab und die Erwartungen von Aktionären und Analysten sind enorm: Cryan muss die Altlasten der Bank schneller abbauen und den Sparkurs verschärfen, damit die Investoren endlich die Rendite bekommen, auf die sie schon seit Jahren warten.

Viele trauen ihm zu, den lange versprochenen "Kulturwandel" tatsächlich umzusetzen, denn als Mann von außen muss er auf keine Seilschaften Rücksicht nehmen und kann dem Neuanfang Glaubwürdigkeit verleihen: "Cryan ist bescheiden. Er mag das Understatement - im Gegensatz zu der 'Masters-of-the-Universe'-Generation, zu der Jain gehörte", sagt ein Branchenkenner.

Status quo ist keine Option

Offiziell hat Cryan bis zum kommenden Frühjahr noch Jürgen Fitschen als Co-Chef an der Seite. Der Niedersachse soll dem Briten mit der auffälligen Halbglatze die Türen zu heimischen Wirtschaftsgrößen öffnen und den Übergang fließend gestalten. Doch schon jetzt ist klar, wer das Sagen hat: Cryan kommentierte die Quartalszahlen am Donnerstag allein - und das in sehr klaren Worten. In einer E-Mail an die Mitarbeiter, die zweite binnen vier Wochen, hieß es: "Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option."

Die Kosten im Konzern sind aus Cryans Sicht inakzeptabel. "Dies ist ein verschwenderischer Umgang mit unseren hart verdienten Erträgen." Bescheidenheit und klare Ansagen schließen sich also nicht aus, immerhin eilt Cryan ein Ruf als harter Sanierer voraus. Branchenkenner erwarten den Abbau tausender Stellen bei der weltweit annähernd 100.000 Köpfe zählenden Mannschaft. Andere Großbanken haben es längst vorgemacht.

Im Gegensatz zu Jain spricht Cryan gut Deutsch - der 54-Jährige lebte zeitweise in München, als er bei S.G. Warburg einer der führenden Investmentbanker für die Finanzbranche war. Das dürfte in der Öffentlichkeit und auch in der Politik gut ankommen, wo man es schätzt, wenn man sich mit dem Chef der Deutschen Bank vertrauensvoll in seiner Landessprache austauschen kann. Cryan wohnt noch in London, doch in seiner neuen Rolle will er nach Deutschland ziehen, wie Insider berichten. Die Nähe zur Zentrale ist wichtig.

Cryan wollte Investment- und Privatbank trennen

Als Aufsichtsratschef Paul Achleitner Cryan im Juni als Nachfolger für Jain aus dem Hut zauberte, waren viele Beobachter überrascht. Etliche hatten darauf gesetzt, dass der neue Finanzchef Marcus Schenck als "Plan B" aufgebaut wird. Doch für ihn kam die Personalrochade wohl zu früh. Cryan dagegen saß bereits seit 2013 im Aufsichtsrat der Bank und kennt die Probleme deshalb sehr gut.

Immer wieder soll er Jain mit kritischen Fragen gepiesackt haben. Teilnehmer der Sitzungen berichten auch, dass Cryan in der Diskussion um die neue "Strategie 2020" bis zuletzt für die Aufspaltung des Geldhauses in eine Investmentbank und eine Privatkundenbank argumentiert hat. Das ist inzwischen vom Tisch. Cryan will an der kleinen Lösung - nur die Postbank wird verkauft - festhalten. Aber viele Details sind noch offen und es ist durchaus möglich, dass er nochmal nachjustiert.

Bei der UBS hat Cryan die Feuertaufe überstanden. 2008 wurde der Cambridge-Absolvent Finanzchef bei der Schweizer Großbank - mitten in der Finanzkrise. Er baute die riskanten Kreditderivate konsequent ab und etablierte neue Überwachungssysteme für die Bilanzrisiken. 2011 heuerte er beim Staatsfonds Temasek aus Singapur an, wo er von 2012 bis 2014 Europa-Chef war. Nun knöpft sich Cryan also die Deutsche Bank vor. Einer der zehn größten Investoren des Instituts ist zuversichtlich: "Wenn der seinen Job jetzt richtig gut macht, dann ist er alles andere als ein Übergangskandidat."

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