Japans Wirtschaft schwächelt, Yen rutscht weiter ab

Japans Wirtschaft schwächelt, Yen rutscht weiter ab
Japans Wirtschaft schwächelt, Yen rutscht weiter ab

Japans Ministerpräsident Ministerpräsident Shinzo Abe

Die Abwertung des Yen macht Japans Wirtschaft zu schaffen. Die Löhne sind nicht genug gestiegen, um die höheren Lebenshaltungskosten aufzufangen. Der Privatkonsum geht zurück.

Knausrige Verbraucher und fallende Exporte bremsen die japanische Wirtschaft aus. Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,6 Prozent, wie die Regierung am Montag in Tokio mitteilte. Zu Jahresbeginn war die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 4,5 Prozent gewachsen. Der Schwächeanfall ist auch ein Rückschlag für Ministerpräsident Shinzo Abe, der das Land mit einem Mix aus billigem Geld und Konjunkturprogrammen aus der Flaute bringen will.

Die privaten Konsumausgaben - die mehr als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen - fielen um 0,8 Prozent. Das war der erste Rückgang seit einem Jahr. Damals hatte die Mehrwertsteuererhöhung zu Kaufzurückhaltung geführt. Diesmal waren es steigende Lebensmittelpreise. Dazu wiederum trug "Abenomics" bei, wie die Wirtschaftspolitik Abes bezeichnet wird.

Die politische gewollte Abwertung der Landeswährung (aktueller Wechselkurs Euro/Yen) macht zwar japanische Waren anderswo preislich attraktiver, gleichzeitig verteuert sie aber auch die Importe von Lebensmitteln und anderen Gütern. "Die Löhne sind nicht stark genug gestiegen, um die höheren Lebenshaltungskosten aufzufangen", sagte Ökonom Yuichiro Nagai von Barclays Capital Japan. Trotz der Hilfe durch den schwachen Yen schrumpften aber auch die Ausfuhren. Grund dafür war die schwache Nachfrage aus den USA und Asien, hier vor allem aus China.

Gegenüber dem Euro hat der japanische Yen in den letzten drei Jahren über 40 Prozent an Wert verloren.

Rückschlag für Regierung

"Wenn der private Konsum weiter schwächelt, dann wäre das ein erneuter Rückschlag für die Regierung Abe", sagte Ökonom Hiromichi Shirakawa von Credit Suisse. Diese sieht sich vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr fallenden Umfragewerten ausgesetzt. "Das könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass zusätzliche Konjunkturprogramme folgen." An der Börse stiegen deshalb die Kurse: Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent, ebenso der breiter gefasste Topix.

Wirtschaftsminister Akira Amari forderte die Unternehmen auf, ihre Rekordgewinne für höhere Löhne und Investitionen zu nutzen. Einen kräftigten Aufschwung erwarten die meisten Experten vorerst nicht. Auch die Konjunkturflaute in China trifft Japan. Die Ausfuhren nach China sanken erstmals seit sechs Quartalen.

"Der Konjunkturausblick bleibt für China und damit auch für den japanischen Außenhandel eingetrübt und dürfte deutlichere Wachstumssprünge in den kommenden Quartalen in Japan wohl verhindern", sagte BayernLB-Ökonomin Christiane von Berg. Sie rechnet für 2015 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland dürfte der Bundesregierung zufolge doppelt so schnell wachsen.

Ein Unternehmen, das von "Rekordgewinnen" derzeit nur träumen kann ist der Technologiekonzern Toshiba (ISIN JP3592200004). Ursprünglich hatte Toshiba für 2014/2015 einen Gewinn von 870 Millionen Euro prognostiziert. Im Mai war der Ausblick zurückgezogen worden. Toshiba hat einer Untersuchung zufolge seit 2008 den operativen Gewinn um umgerechnet 1,1 Milliarden Euro schön gerechnet. Im Juli traten deswegen Vorstandschef Hisao Tanaka und andere Top-Manager zurück.

Es ist zu erwarten, dass Toshiba einen Verlust ausweist. Der Grund dafür sind unter anderem Abschreibungen von umgerechnet 720 Millionen Euro unter anderem auf das US-Atomunternehmen Westinghouse, an dem Toshiba mit 87 Prozent beteiligt ist.

Der Nikkei der 225 führenden Werte (ISIN XC0009692440) schloss aktuell mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 20.620 Punkte. Der breiter gefasste Topix legte ebenfalls 0,5 Prozent auf 1672 Zähler zu.

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