IWF-Chefin Lagarde: "Schuldenlast für Griechenland ist untragbar"

IWF-Chefin Lagarde: "Schuldenlast für Griechenland ist untragbar"
IWF-Chefin Lagarde: "Schuldenlast für Griechenland ist untragbar"

IWF-Chefin Christine Lagarde

Noch vor ein paar Jahren hatte der IWF ein recht übles Image. Kritiker meinten, seine rigiden Sparprogramme stürzten Millionen Menschen in der Dritten Welt ins Elend. In der Griechenlandkrise entdeckt Währungsfonds-Chefin Lagarde ihr Herz für die Schuldner. Sie hält die Programme der letzten fünf Jahre für "Fehlkalkulationen".

Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist neben der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel die wohl mächtigste Frau der Welt. Die platinblonde Französin gilt als ebenso charmante wie harte Verhandlungspartnerin, die keine Konflikte scheut. Im Augenblick ist sie dabei, sich mit der Eurogruppe und vor allem mit Merkel und ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble anzulegen. Oder sagt sie beim Thema Griechenland nur, was europäische Politiker nicht laut auszusprechen wagen?

Während die Eurogruppe am Freitag in Brüssel den Schulterschluss übt und dem neuesten Hilfsprogramm für Athen ihren Segen erteilt, lässt Lagarde in Washington cool eine Botschaft verbreiten, die es in sich hat. Das Statement beginnt nett und freundlich, begrüßt den Durchbruch. Es heißt, das dritte Hilfsprogramm sei "ein sehr wichtiger Schritt" vorwärts. Doch dann: Die Schuldenlast für Griechenland sei "untragbar", neue, erhebliche Schuldenerleichterungen durch die Europäer müssten her.

Wenn das nicht geschehe, so die kaum verhohlene Drohung, sei der IWF nicht mehr mit von der Partie. Merkel und Schäuble dürften alarmiert sein. So hart kann die Dame aus Frankreich also sein.

Haare lassen

Dabei ist die Frontstellung keine Überraschung. Spätestens seit Juni haben Lagarde und der IWF ihr Herz für die Schuldner entdeckt, predigen landauf und landab, die Rückzahlungslasten für das pleitebedrohte Griechenland zu mildern. Sogar ein Begriff, der in Berlin als Unwort gilt, wird ins Spiel gebracht: "Haircut", der Schuldenschnitt, also die Streichung aller oder eines großen Teils der Staatsschulden.

Allerdings wird in der Zentrale des IWF in Washington auf ein nicht unwichtiges Detail hingewiesen: Die 19 Milliarden Euro, die Athen dem IWF schuldet, seien von etwaigen Vereinbarungen natürlich nicht betroffen. Schließlich genieße der IWF ja einen "preferred creditor status", sozusagen die Königsweihe unter den Gläubigern. Oder, wie ein IWF-Mitarbeiter es ausdrückt: "Wir werden vor allen anderen bezahlt." Da fällt der Ruf nach einem Schuldenschnitt leicht.

Immer wieder machen die Experten in der Washingtoner Zentrale ihre Position klar, die simpler nicht sein könnte: Selbst bei wohlwollender Betrachtung, und wenn alles gut läuft, werde Griechenland noch über viele Jahre unter seinen Altlasten ächzen. Hochrechnungen gehen noch über Jahre von 150 Prozent Staatsverschuldung oder noch mehr aus, gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das aber sei schlichtweg "unsustainable". Zu deutsch: nicht tragbar und nicht durchzuhalten.

Krank und tot sparen

Insider meinen, innerhalb des IWF habe sich die simple Erkenntnis durchgesetzt, dass die bisherigen Programme seit 2010 eine ziemliche "Fehlkalkulation" und die negativen Folgen des strengen Sparkurses erheblich unterschätzt worden seien. Nicht zuletzt die US-Regierung warnt seit Jahren vor dem "Totsparen" und verlangt von Europa mehr Ausgaben - vor allem von Deutschland, und das nicht nur in der Griechenlandkrise.

Als mögliche Erleichterung für Athen bringt der IWF etwa eine Verlängerung der rückzahlungsfreien Zeit (grace period) sowie eine massive Verlängerung der Tilgungszeiten auf bis zu 40 Jahre ins Spiel - die Kredite bräuchten also erst in ferner Zukunft beglichen werden. Und das kann eben auch bedeuten: Nie mehr.

Der IWF werde in den nächsten Monaten mit den Europäern und Griechenland zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden, damit sie der IWF-Führung "eine weitere finanzielle Unterstützung Griechenlands" empfehlen kann. Dabei komme es darauf an, dass "alle notwendigen Elemente" der Hilfen berücksichtigt werden, meinte Lagarde.

Merkel fordert IWF-Beteiligung

Das deutsche CDU Präsidium hat indessen unter der Leitung von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Beteiligung des IWF an einem dritten Griechenland-HIlfspaket gefordert.

"Im Präsidium wie im Bundesvorstand gab es eine breite Unterstützung für ein neues Griechenland-Hilfspaket", erfuhr Reuters am Montag aus Teilnehmerkreisen. "Es waren sich alle bewusst, dass der IWF an Bord bleiben muss." Finanzminister Wolfgang Schäuble habe betont, dass der IWF ständig in die Verhandlungen mit der griechischen Regierung eingebunden gewesen sei. "Und schon in der Euro-Zonen-Gipfelerklärung von Juli wurde darauf hingewiesen, dass sich der IWF erst im Oktober entscheiden werde". Daher sei es nicht verwunderlich, dass sich der Währungsfonds jetzt noch nicht festlegen wolle.

Merkel hatte am Sonntag im ZDF mit Hinweis auf mögliche Zinssenkungen und einer Streckung der Griechenland-Kredite erklärt, dass sie fest mit einer weiteren Teilnahme des IWF am dritten Griechenland-Paket rechne. Der deutsche Bundestag soll am Mittwoch über das Hilfspaket abstimmen.

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