Inflation kommt nicht vom Fleck - Muss die EZB nachlegen?

Inflation kommt nicht vom Fleck - Muss die EZB nachlegen?

In der Eurozone geht der Ausverkauf weiter.

Das Anleihenkaufprogramm der EZB hat das Ziel bisher klar verfehlt: Die Inflation lag im Juni bei 0,2 Prozent, weit unter der anvisierten Marke von zwei Prozent. Die Crux: Chinas Probleme drücken die Öl- und Rohstoffpreise weiter - und dämpfen somit die Teuerung in der Eurozone.

Woche für Woche pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) über Anleihenkäufe Milliarden in das Finanzsystem, um die aus ihrer Sicht gefährlich niedrige Inflation nach oben zu hieven. Doch der große Schub ist ihr bislang noch nicht gelungen. Im Juli lag die Teuerungsrate wie schon im Juni bei 0,2 Prozent - weit entfernt vom EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Außerdem bleibt das Wachstum in der Euro-Zone eher kraftlos - "enttäuschend", wie die EZB-Ratsmitglieder bei ihrem jüngsten Treffen im Juli feststellten. Was also tun? Müssen die Währungshüter ihre im März gestarteten Anleihenkäufe womöglich ausweiten oder verlängern, um ihrem Inflationsziel näher zu kommen? Inzwischen halten das erste Experten für möglich.

"Wenn die Wirtschaft weltweit ins Stottern geraten sollte, ist es durchaus denkbar, dass EZB-Chef Mario Draghi noch eimmal einschreitet," sagt Dwight Bolden, Analyst bei der Metzler Bank. Vor allem die Entwicklung in China mache derzeit Sorgen, weil eine stärkere Konjunkturabkühlung deutliche Auswirkungen auf den Export hätte. "Damit stünde auch der zaghafte Aufschwung im Euro-Raum auf der Kippe." Das Wachstum in der Euro-Zone lag im zweiten Quartal zum Vorquartal bei 0,3 Prozent.

China zieht Europas Inflation nach unten

Es ist aber nicht nur die Konjunktur, die der EZB Bauchschmerzen bereitet, sondern auch die Preisentwicklung. Denn: Schwächt sich die Wirtschaft im Reich der Mitte deutlich ab, dürften wichtige Rohstoffpreise wie etwa Öl , welches ohnehin schon wegen eines weltweiten Überangebots unter Druck steht, weiter fallen. Das wiederum würde die Inflation nach unten ziehen.

"Dieser Zweiklang aus den Sorgen um China und dem anhaltenden Fall des Rohölpreises drückt derzeit stark auf die Inflationserwartungen", sagt NordLB-Volkswirt Mario Gruppe. Er hält es für möglich, dass die EZB deshalb im September ihre eigenen Prognosen für die Inflation etwas nach unten anpasst. Bislang rechnen die Notenbanker für dieses Jahr mit 0,3 Prozent, 2016 dann mit 1,5 und 2017 mit 1,8 Prozent. Zudem erwarten die Euro-Wächter ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr - gefolgt von 1,9 Prozent 2016 und 2,0 Prozent 2017.

Kein Herumschrauben am QE-Programm

Manche Volkswirte halten den Ausblick der EZB für zu optimistisch. Marktbasierte Inflationsbarometer stützen diese Kritik. So ist der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward seit Juli von 1,85 auf inzwischen 1,66 Prozent gefallen. Übersetzt heißt dies, dass Anleger - beginnend in fünf Jahren - die Inflation über einen Zeitraum von fünf Jahren bei rund 1,66 Prozent erwarten. Die EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent würde damit klar verfehlt. Dieser Wert wird als ideal für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen.

Bislang halten die Währungshüter aber an ihrem Kurs fest, nicht an dem bis mindestens September 2016 laufenden Anleihen-Kaufprogramm herumzuschrauben. Die geldpolitischen Schritte würden nach und nach in der Kredit- und die Realwirtschaft wirken - wenn auch nur langsam, wie EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure kürzlich sagte. Die Notenbanker wachten nicht jeden Morgen auf, schauten auf die Indikatoren, um dann zu entscheiden, ob die Käufe gestoppt oder ausgeweitet werden sollten. Die EZB wolle an "einer Politik der ruhigen Hand" festhalten, wie er der "Börsen-Zeitung" sagte.

Monatlich sind derzeit Käufe der EZB und der nationalen Zentralbanken von rund 60 Milliarden Euro vorgesehen - Pfandbriefe ("Covered Bonds") und Hypotheken-Papiere ("ABS") eingeschlossen. Insgesamt soll das von Fachleuten "QE" (Quantitative Easing) genannte Programm ein Volumen von 1,14 Billionen Euro haben. Wenn es aber nicht bald bergauf geht mit Inflation und Wachstum, könnten Experten zufolge die Währungshüter entscheiden, die Feuerkraft zu erhöhen. Auch Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM hält es für möglich, dass die EZB im Frühjahr oder Sommer 2016 erste Andeutungen diesbezüglich macht. "Am Markt könnten die Spekulationen allerdings schon viel früher aufflammen", so Klatt.

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