Hard Rock, Casinos und IT: Indianer als Geschäftsmänner

Hard Rock, Casinos und IT: Indianer als Geschäftsmänner
Hard Rock, Casinos und IT: Indianer als Geschäftsmänner

Die Seminolen führen das Hard Rock-Imperium mit Erfolg: Der Umsatz stieg in zehn Jahren von 700 Millionen auf 3,9 Milliarden Dollar.

Der Stamm der Florida-Seminolen führt mit seiner Seminile Entertainment Company ein Imperium aus 170 Hard Rock Cafes, 21 Hotels und 10 Casinos. Dazu gehört auch das in Wien. Für den Indianerstamm ist das ein gutes Geschäft. Doch nicht alle Indianerstämme wirtschaften derart geschickt.

Es gab Zeiten, da war das Geldverdienen für Häuptling James Billie eine gefährliche Angelegenheit. Der Indianer reckt seinen verstümmelten rechten Ringfinger, um daran zu erinnern. Ein Krokodil hat ihm vor Jahren den halben Finger abgerissen - bei einem Schaukampf für Touristen.

Heute reist der Häuptling der Florida-Seminolen als Geschäftsmann um die Welt: Sein Stamm hat im Jahr 2006 die Hard Rock Cafes gekauft. Der britische Freizeit-Konzern Rank hatte die Kette zum Verkauf ausgeschrieben. Die Indianer erhielten vor anderen interessierten Beteiligungsgesellschaften wie TDR Capital oder Permira den Zuschlag für die Kette. Nun bilanzierte Billie bei einem Berlin-Besuch: "Es hat sich für uns definitiv bezahlt gemacht."

"Hard Rock hat uns ein Stück weit von der Armut entfernt"

James Billie ist 71 Jahre alt, trägt unterm bunt gemusterten Hemd eine Goldkette mit Kreuz und in den Schuhen keine Socken. Besuchern hält er zur Begrüßung die geschlossene Faust entgegen. Man sieht den untersetzten Mann nicht besonders häufig in den Restaurants, die Besucher mit Rockmusik und Devotionalien empfangen. "Die meiste Zeit bin ich zu Hause und führe den Stamm", sagt Billie. An der Wand nebenan hängt eine Jacke John Lennons.

Den 4.000 Indianern des Stammes gehören heute rund 170 Hard Rock Cafes, 21 Hotels und 10 Casinos. "Die Seminolen zählten nicht zu den reichsten Leuten der Welt", blickt Billie zurück. "Hard Rock hat uns ein Stück weit von der Armut entfernt und es geht uns sehr gut."

Vor zehn Jahren lag der Umsatz der Kette und ihrer Franchise-Nehmer bei 700 Mio. US-Dollar, im vergangenen Jahr waren es 3,9 Mrd. Dollar (3,56 Mrd. Euro), wie Vorstandschef Hamish Dodds sagt. "Die Firma ist noch stark im Wachstumsmodus." In 64 Ländern ist Hard Rock aktiv, Neueröffnungen stehen etwa in China, Indien, Lagos, Kenia und der Mongolei an. In Berlin sucht das Unternehmen einen Standort für ein Hard Rock Hotel.

Seminolen-Repräsentant Jim Shore vor dem ersten Hard Rock Cafe in London.

Die Indianer setzen damit eine Erfolgsgeschichte fort, die 1971 begann, als die beiden Amerikaner Isaac Tigrett und Peter Morton, das erste Hard Rock Cafe 1971 in London eröffneten. Das Themenrestaurant war damals das erste solche, das amerikanischen Lifestyle auf die britische Insel brachte. McDonald's expandierte erst drei Jahre später über den Atlantik.

IT-Indianer machen Datenanalyse

Die Seminolen, die sich selbst als einzigen Indianerstamm sehen, der niemals besiegt wurde, sind allerdings nach wie vor eine Ausnahme. Sie verdienen obendrein auch noch Geld mit ihren "Seminole Hard Rock Hotels und Casinos" in Tampa und Hollywood - nicht dem Hollywood in Los Angeles, sondern dem in Florida.

Als einer der ersten Stämme machten sie sich 1979 zunutze, dass staatliche Glücksspielverbote in den Reservaten nicht greifen. Sie gründeten ein Casino, das Bingo-Spielern hohe Einsätze abverlangte und hohe Gewinne versprach. Schnell folgten weitere Spielhallen.

"Als wir Hard Rock hinzufügten, florierten unsere Geschäfte viel besser", sagt Billie. Die Hälfte des Gewinns teilen die Seminolen nach seinen Worten untereinander auf, die andere Hälfte werde reinvestiert. Die Tradition seines Stamms lebe dabei fort. "Wir bewahren unsere Kultur, wir sprechen unsere Sprache, wir feiern weiter jedes Jahr unsere Seminolen-Feste."

Das Geschäftsleben ist da weniger traditionell. "Profit", darum gehe es, sagt Billie - wie bei nicht-indianischen Geschäftsleuten. "Wir waren immer sehr aggressiv. Wenn sich eine Gelegenheit ergab, haben wir sie genutzt."

Für die meisten Indianerstämme in den USA sind solche Erfolge außer Reichweite. Das Office of Indian Energy and Economic Development im US-Innenministerium arbeitet seit 2006 daran, das zu ändern. Es berichtet, die Stämme nähmen ihr ökonomisches Schicksal zunehmend selbst in die Hand - sei es im Tourismus, Glücksspiel, Energie, Handwerk, Landwirtschaft und Forsten.

Die Cherokees, der größte Indianerstamm in den USA, haben mit ihren 40 Firmen im vergangenen Jahr beispielsweise 829 Mio. Dollar Umsatz und 104 Mio. Dollar Gewinn gemacht. Die IT-Sparte etwa hat Beschäftigte in 30 Bundesstaaten und erst vor ein paar Tagen einen 45 Mio. Dollar schweren Regierungsauftrag erhalten, Meeresforscher mit Datenanalysen, Labordienstleistungen und geografischen Informationssystemen zu versorgen.

Doch viele Indianerstämme sind seit Jahrzehnten verarmt, konstatiert auch das Regierungsbüro. Noch immer gebe es in den Reservaten hohe Arbeitslosigkeit und große Armut. Wichtige Infrastruktur für Geschäfte fehlte, auch mangelte es an einem verlässlichen Rechtssystem für auswärtige Investoren. Eine wachsende Zahl von Stämmen aber mache seine Sonderrechte zu Geld, versuche, sich aus der Abhängigkeit von staatlicher Hilfe zu lösen.

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